Patient kommt aus Baden-Württemberg
: Erstmals Fall von Sindbis-Fieber in Deutschland nachgewiesen

Nachweise in Mücken hierzulande gab es schon länger. Nun gibt es einen bestätigten Sindbis-Fall bei einem Mann in Baden-Württemberg. Ärzte sollen auf entsprechende Symptome achten.
Von
Markus Brauer
Stuttgart/Berlin
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Das Sindbis-Virus wurde 1952 entdeckt, nachdem man mehrere Stechmückenarten (Culex pipiens und C. univittatus) aus einem Teich in der Nähe des Dorfes Sindbis, etwa 30 km nördlich von Kairo in Ägypten auf mögliche Erreger einer ausgebrochenen fiebrigen Erkrankung untersuchte.

Das Sindbis-Virus wurde 1952 entdeckt, nachdem man mehrere Stechmückenarten (Culex pipiens und C. univittatus) aus einem Teich in der Nähe des Dorfes Sindbis, etwa 30 km nördlich von Kairo in Ägypten auf mögliche Erreger einer ausgebrochenen fiebrigen Erkrankung untersuchte.

Imago/Imagebroker
  • Erstmals in Deutschland: Sindbis-Fall bei einem 60-jährigen Mann in Baden-Württemberg.
  • RKI: Bei Fieber, Ausschlag und starken Gelenkschmerzen an SINV während Mückensaison denken.
  • Diagnose nach Chikungunya-Test erweitert, Nachweis im September. Erkrankungsbeginn war am 12. Juli.
  • Übertragung durch Stechmücken zwischen Wildvögeln und Menschen, keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung.
  • Symptome ähneln Chikungunya, Therapie symptomatisch. Schutz vor Mückenstichen wird empfohlen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Erstmals wurde bei einem Menschen in Deutschland eine hierzulande erworbene Sindbis-Virus-Erkrankung (SINV) nachgewiesen. Betroffen sei ein 60-jähriger Mann aus Baden-Württemberg, hat das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin mitgeteilt.

Antikörper, die auf eine frühere Infektion hindeuteten, waren demnach bereits vor Jahren bei Blutspendern aus der Umgebung von Weinheim gefunden worden. Dort war das Virus zuvor in Stechmücken nachgewiesen worden. Nun folgte erstmals ein Nachweis in direktem Zusammenhang mit der Erkrankung.

Warum rechnet das RKI künftig mit weiteren Fällen?

Der aktuelle Fall bestätige, dass bei bekanntem Vorkommen in Stechmücken und Wildvögeln auch mit Fällen bei Menschen zu rechnen ist, heißt es vom RKI. Bei Patienten mit Fieber, Hautausschlag und ausgeprägten Gelenkschmerzen solle während der Stechmückensaison bei der Diagnose auch an eine mögliche Sindbis-Virus-Infektion gedacht werden.

Der Mann in Baden-Württemberg erkrankte nach RKI-Angaben am 12. Juli. Weil er in einem Stadtbezirk mit etablierten Populationen der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) lebt, hätten die behandelnden Ärzte ihn zunächst auf eine mögliche Chikungunya-Infektion testen lassen. Anschließend sei die Abklärung unter anderem auf SINV erweitert worden - im Zuge dessen sei im September der Nachweis erfolgt.

Was ist das Sindbis-Virus?

Das Sindbis-Virus (SINV) gehört zur Gattung der Alphaviren. Dies ist eine Gruppe von Viren, die meist durch Stechmücken übertragen werden und beim Menschen unter anderem Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen verursachen können.Der natürliche Kreislauf des Sindbis-Virus verläuft zwischen Wildvögeln und Stechmücken. Es kommt unter anderem in Teilen Nordeuropas, Afrikas, Asiens und Australiens vor. Sticht eine infizierte Mücke einen Menschen, kann dieser am Sindbis-Fieber erkranken. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist laut Robert Koch-Institut (RKI) nicht bekannt.

Alphaviren sind eine Gattung umhüllter RNA-Viren aus der Familie der Togaviridae, die hauptsächlich durch Stechmücken übertragen werden.

Alphaviren sind eine Gattung umhüllter RNA-Viren aus der Familie der Togaviridae, die hauptsächlich durch Stechmücken übertragen werden.

Imago/BSIP

Welche Symptome treten auf?

Wenn eine infizierte Mücke einen Menschen sticht, kann dieser das Sindbis-Fieber bekommen. Typische Symptome sind plötzliches Fieber, juckender Hautausschlag und starke Gelenkschmerzen. Damit ähneln die Beschwerden denen bei einer Chikungunya-Viruserkrankung.

Typisch sind plötzlich einsetzendes Fieber, ein juckender Hautausschlag und ausgeprägte Gelenkschmerzen – eine Kombination, die einer Chikungunya-Erkrankung ähnelt. Fieber und Ausschlag klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Die Gelenkschmerzen dagegen können Wochen oder Monate anhalten und den Alltag spürbar einschränken.

Eine spezielle Behandlung gegen das Virus gibt es nicht, die Beschwerden werden mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten gelindert.

In Finnland wird diese Virus-Erkrankung „Pogosta-Krankheit” genannt. Finnische Forscher beschreiben sie als Ausschlag mit begleitenden Gelenkentzündungen, der im Spätsommer gehäuft auftritt und durch Mücken übertragen wird.

Wie gefährlich ist das Virus?

Experten weltweit stufen das Sindbis-Fieber als nicht lebensgefährlich ein – tödliche Verläufe sind nicht bekannt. Eine Behandlung, die das Virus selbst bekämpft, gibt es nicht. Bisher kommen schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Einen wirksamen Schutz bietet daher nur die Vermeidung von Mückenstichen.

Das Virus wird durch Stechmücken übertragen und gilt in Mitteleuropa als importierte Reiseinfektion. Aufgrund seines Übertragungsweges wird es der epidemiologischen Gruppe der Arboviren zugerechnet.

Das Virus wird durch Stechmücken übertragen und gilt in Mitteleuropa als importierte Reiseinfektion. Aufgrund seines Übertragungsweges wird es der epidemiologischen Gruppe der Arboviren zugerechnet.

Andreas Lander/dpa

Wie kam Sindbis nach Deutschland?

Sindbis-Viren wurden erstmals im Jahr 2009 in Deutschland nachgewiesen. Dies gelang bei Stechmücken aus der Oberrheinebene. Das RKI kam zu dem Schluss, dass Zugvögel bei der Verbreitung der Viren eine ähnliche Rolle spielen wie bei den West-Nil-Viren. Diese können den Erreger über weite Strecken tragen, während Stechmücken ihn anschließend zwischen den Vögeln und gegebenenfalls auf den Menschen übertragen.

Zugleich hält das RKI es für möglich, dass das Virus bereits seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland vorkommt und erst durch den Nachweis im Jahr 2009 entdeckt wurde. Ein konkreter Einschleppungszeitpunkt oder -weg ließ sich damit jedoch nicht benennen.

Wie kann man sich schützen?

In der Mückensaison sollte man lange Kleidung tragen, Mückenspray verwenden und Mückennetze an Fenstern anbringen. Sobald Fieber, juckender Ausschlag und starke Gelenkschmerzen vereint auftreten, sollte man ärztliche Hilfe suchen. (mit dpa-Agenturmaterial)