Pannen-Hilfe
: Gras in den Reifen, und weiter geht's

Die Speichen gerissen, kein Flickzeug dabei? Wir geben die Pannen-Tipps fürs Fahrrad.
Von
Karsten Busch und Marco Seliger
Stuttgart
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Stuttgarter Nachrichten

Stuttgart - Die Speichen gerissen, kein Flickzeug dabei und die nächste Werkstatt ist viel zu weit weg - diese missliche Lage muss nicht zwingend das Ende einer Radtour bedeuten. Einige Pannen lassen sich provisorisch beheben, zum Beispiel mit Hilfe von Mutter Natur.

Was tun, wenn es laut knallt bei der Radtour und der Reifen platt ist? Das Ding flicken, klar. Dumm nur, wenn das Werkzeug daheim im Kilometer entfernten Keller steht und professionelle Hilfe auf dem Waldweg nicht in Sicht ist. Entweder braucht man jetzt Geduld für einen langen Fußmarsch - oder Köpfchen für clevere Handgriffe.

Auch ohne einen gewöhnlichen Ersatzschlauch oder Flickzeug lässt sich ein platter Reifen provisorisch wieder in Ordnung bringen. Christian Pauls, Werkstattleiter des Magazins "Mountain Bike", hat eine simple Lösung parat: Den Schlauch an der beschädigten Stelle zu einer kleinen Schlinge legen und einen Knoten hinein machen, so dass der durchlöcherte Bereich vom Rest des Schlauchs getrennt ist. Hat man ein Messer zur Hand, kann man die kleine Schlauchschlinge mit dem Loch anschließend abschneiden, damit der Knoten dünner wird, sagt Pauls. Der so geflickte Reifen lässt sich wieder aufpumpen. Vorsichtiges Heimfahren ist aber Pflicht. Denn das Rad läuft mit Knoten nicht mehr rund.

Funktioniert der Trick mit dem Knoten nicht, weil das Ventil defekt oder der Schlauch sogar zerfetzt ist, muss der Radler sich mit dem helfen, was um ihn herum wächst: "Der Schlauch bleibt draußen, stattdessen nimmt man Gras vom Wegesrand und stopft es in den Reifen. Es muss richtig viel sein, damit der Reifen seine Form zurückbekommt", sagt Pauls. Das sollte aber nur die allerletzte Lösung sein, meint André Gläser vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC): "Der Aufwand ist oft zu hoch, weil so viel Gras in den Reifen muss." Maximal bis zur nächsten Werkstatt könne man mit dem improvisierten Reifen noch fahren, und das auch nur, wenn der Weg eben und keine Schotterpiste ist.

Bei einer gerissenen Speiche muss sich der Radfahrer eigentlich keine Sorgen machen - sie lässt sich leicht entfernen, wenn sie gerade nicht neben den Zahnkränzen einer Kettenschaltung sitzt. Dennoch empfiehlt Gläser eine schnelle Reparatur: "Die Speichen sind in ihrer Statik aufeinander abgestimmt, wenn eine fehlt, leidet die Stabilität. Die anderen Speichen reißen dann früher oder später auch noch."

Wenn die gerissene Speiche nicht entfernt werden kann, das Herausfädeln aus der Öse also nicht mehr möglich ist, gibt es laut Christian Pauls trotzdem einen Weg, um die Reise fortsetzen zu können: "Die Speiche um eine andere herumwickeln - das hält richtig gut."

Auch für einen seltenen, aber schweren Defekt präsentiert Pauls eine Notlösung. Ist ein Pedal durch ein ausgerissenes Gewinde in der Tretkurbel lose, können Klebestreifen oder ein Stück Folie vom Frühstücksbeutel helfen. Dünn um und in das Gewinde gewickelt, gibt es dem Pedal laut dem Experten wieder etwas Halt. Gläser warnt davor, ein ausgerissenes Gewinde zu unterschätzen. "Wenn man ins Leere tritt, ist das sehr schmerzhaft. Man kann etwa mit den Genitalien unsanft auf dem Sattel landen." Er würde sich nicht auf einen Klebestreifen oder eine Folie verlassen. "Das kann jederzeit verrutschen. Im Zweifel sollte man besser sein Rad schieben."

Häufig passiert es bei einer Radtour, dass die Kettenschaltung den Geist aufgibt, weil ein Bowdenzug reißt. Dann lässt sich das Rad nur noch mit Mühe im schwersten Gang bewegen. Hier kann ein Schraubendreher weiterhelfen: Mit den zwei nebeneinander liegenden Stellschrauben am Schaltwerk kann dessen Schwenkbereich so weit eingeengt werden, dass die Kette auf einen leichteren Gang wechselt.

Gleiches kann auch an der vorderen Schaltung, dem sogenannten Umwerfer, funktionieren. Langsames Probieren ist aber Pflicht: Werden die Schrauben falsch herum gedreht, kann die Kette in die Speichen oder gegen den Rahmen geraten.

Eine andere Lösung für die Reparatur eines gerissenen Bowdenzugs hat Markus Jährig vom Fachmagazin "Bike Sport News" als erfahrener Mountainbike-Führer parat: Sind Kabelbinder im Reisegepäck, lässt sich damit die Schaltung in einer gewünschten Stellung fixieren. "Man macht einfach einen Knoten in den Bowdenzug und befestigt die Schlaufe mit einem Kabelbinder in einer passenden Position am Rahmen", sagt Jährig. Es sei wichtig, dass sich die Kabel nicht mit der Kette verhaken, sagt Gläser. Das könne große Schäden an der Kette verursachen. Eine Weiterfahrt sei dann oft nicht mehr möglich.

Ist die Feder des Schaltwerks gebrochen, hilft keine Behelfsjustierung mehr - stattdessen aber ein kurzer Stock. Wenn er anstelle der Feder zwischen die Schenkel des Schaltwerks geklemmt wird, bringt er die Kette auf einen der mittleren Zahnkränze. Auch hier müsse man "unbedingt aufpassen, dass Stock und Kette sich nicht verhaken", sagt Gläser. Ansonsten ist auch Mutter Natur mit ihrem Latein am Ende - und die Radtour ist vorbei.