Klimawandel im Pazifik: Forscher sehen in Seevögeln Frühwarnsystem für Rekord-El-Niño

Ende des Jahres 2025 brüteten mehr Laysan-Albatrosse als üblich. Das könnte mit El Niño zusammenhängen.
Dan Rapp/U.S. Fish and Wildlife Service/AP/dpa- Seevögel liefern ein Frühwarnsignal: Laysan‑Albatrosse brüteten ungewöhnlich häufig.
- Im Dezember 2025 stieg die Zahl der Brutpaare auf Hawaii deutlich, teils um 25 bis 30 Prozent.
- Grund ist El Niño, der die North Pacific Transition Zone näher an die Kolonien rückt.
- Messdaten bestätigen Rekordwerte: Niño3.4 soll 2,6 Grad übersteigen – Prognose bei 3,6 Grad.
- Folgen zeigen sich bereits: Dürre und Torfbrände auf Borneo, vermehrt tote Seevögel in Ecuador.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Dezember 2025 beobachtete Lindsay Young auf Hawaii eine ungewöhnliche Entwicklung: Deutlich mehr Laysan-Albatrosse begannen zu brüten als in einem normalen Jahr. Young ist Vizepräsidentin für Forschung bei Pristine Seas, dem Meeresschutzprogramm der National Geographic Society.
Der Grund dafür liegt in der Nahrungssuche, wie sie erklärte: Bei einem El Niño rücke die sogenannte North Pacific Transition Zone, ein wichtiges Nahrungssuchgebiet für die Art, weiter nach Süden und damit näher an die Brutkolonien heran. Die Vögel müssen kürzere Wege fliegen, können ihre Küken besser versorgen, und selbst solche Tiere, die normalerweise eine Brutpause hätten, machen dann doch noch einen Brutversuch.
Bei besonders intensiven El-Niño-Ereignissen ist die Zahl der brütenden Vögel laut Young in der Vergangenheit um 25 bis 30 Prozent angestiegen – Zahlen, die sich auf Daten aus über 30 Jahren Beobachtung in verschiedenen Kolonien stützen. Der Anstieg im Dezember stellte sich hinterher als frühes biologisches Warnsignal für das heraus, was sich im Pazifik zusammenbraute – zu einem Zeitpunkt, als die üblichen ozeanografischen Messwerte noch gar nichts anzeigten.
Wie der Kanarienvogel in der Kohlemine
Damit agieren die Albatrosse ähnlich wie einst die Kanarienvögel im Kohlebergbau: Die Bergleute brachten die Vögel einst mit in die Tiefe, weil sie auf giftige Gase viel empfindlicher reagierten als Menschen. Sie schlugen Alarm, bevor die Bergleute selbst die Gefahr zu spüren bekamen. Bei den Ozeanen erfüllen Seevögel eine vergleichbare Aufgabe. Young sagte, die Tiere würden „Hunderte und Tausende von Kilometern zurücklegen, um Nahrung zu finden“, und ihr Brutverhalten liefere „Einblicke in das, was unter der Oberfläche geschieht“.
Dass an diesem Signal etwas dran ist, bestätigen inzwischen auch die Messdaten. So war die Erwärmungsrate im zentralen äquatorialen Pazifik in den vergangenen sechs Monaten die höchste jemals aufgezeichnete, wie Felicity Gamble, leitende Klimatologin beim australischen Bureau of Meteorology, gegenüber dem australischen Sender ABC sagte. Der Niño3.4-Index, mit dem Fachleute die Stärke von El Niño messen, soll laut Prognosen diesen Monat 2,6 Grad Celsius übersteigen – jene Schwelle, die zuletzt im Januar 1983 während des bis dahin stärksten bekannten Ereignisses erreicht wurde. Für das aktuelle Ereignis liegt die Prognose sogar bei 3,6 Grad, was laut ABC alle bisherigen Rekorde übertreffen würde. John McBride, der als Meteorologe beim Bureau of Meteorology bereits das El-Niño-Ereignis von 1982/83 miterlebte, hatte den damaligen Ausbruch als etwas beschrieben, das „aus dem Nichts kam“, ein Vergleich, an den die aktuelle Entwicklung laut den Fachleuten unweigerlich erinnert.
Folgen sind bereits sichtbar
Während die Albatross-Daten noch kein eindeutiges Bild liefern, zeigt sich andernorts bereits das Szenario, vor dem Experten längst warnen. Auf Borneo verschärft der herannahende „Super-El-Niño“ die bereits bestehende Dürre und schafft damit ideale Bedingungen für Torfbrände, die große Teile Indonesiens in den vergangenen Wochen in dicken Qualm gehüllt haben – mit Auswirkungen bis nach Singapur und Malaysia, wo zeitweise Hunderte von Schulen ihre Pforten schließen mussten.
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatte bereits im Vorfeld eine „außergewöhnliche Vorbereitung und Reaktion“ gefordert. UN-Generalsekretär António Guterres wurde mit den Worten zitiert, El Niño werde vor unseren Augen „supersized“, also zu einer extremen Ausprägung anwachsen.
Ob und wie stark sich das Muster, das Young bei den Laysan‑Albatrossen im Nordpazifik beobachtet hat, auch auf der Südhalbkugel zeigt, ist noch nicht abschließend geklärt. Allerdings gibt es erste Hinweise darauf, dass sich die Veränderungen auch auf der Südhalbkugel am Verhalten der Seevögel ablesen lassen: Am Humboldt‑Strom weichen Arten wie der Peruanische Tölpel, die Inkaseeschwalbe und der Guanokormoran in großer Zahl nach Norden aus, da der kalte, nährstoffreiche Auftrieb während El Niño zusammenbricht. Zeitgleich registrieren Überwachungsprogramme in Ecuador auffallend viele tote und unterernährte Seevögel – ein deutliches Signal für Futtermangel.