Obstgarten
: Obstbäume pflanzen im Herbst: Tipps für Standort, Boden und Pflege

AnzeigeIm Herbst legen Obstbäume den Grundstein für ein gesundes und langes Leben – noch bevor der erste Austrieb im Frühling beginnt, können sie in Ruhe kräftige Wurzeln bilden. Wer jetzt pflanzt, nutzt die natürlichen Bedingungen der Jahreszeit für einen optimalen Start im eigenen Garten.
Von
rap
Stuttgart

Apfelbäume sind kälteresistent und damit optimal für eine Herbstpflanzung.

Shutterstock/TAMER YILMAZ

Jeder hat sie gern: Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen – das leckere Obst ist nicht nur gesund, sondern bestens geeignet für eine Pflanzung im Herbst. Das eigene Obst im Garten anzubauen, ist nicht nur eine ideale Möglichkeit, frische und gesunde Früchte vor der eigenen Haustür zu ernten, sondern auch finanziell eine gute Investition. Bevor aber die Früchte des Erfolgs geerntet werden können, muss ein wenig Arbeit hineingesteckt werden.

Warum eignet sich der Herbst so gut zum Bäume pflanzen?

Im Herbst ist der Boden oftmals noch warm, die Lufttemperatur beginnt bereits zu sinken. Dadurch haben Wurzeln die Möglichkeit, sich besser in den Boden zu verankern. Solange der Boden nicht gefriert, wachsen die Wurzeln weiter, was für das Überleben im nächsten Frühling wichtig ist.

Auch die geringe Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe spielt im Herbst eine Rolle. Junge Bäume können Ressourcen besser aufnehmen und schneller wachsen. Gründe dafür sind das Vegetationsende vieler Pflanzen, abnehmende Wurzelaktivität anderer Bäume und mehr Wasser durch Regenfälle und geringere Verdunstung.

Bäume, die im Herbst gepflanzt werden, haben den Vorteil, dass sie sich bei Ankunft des Frühlings gut etabliert haben und dadurch widerstandsfähiger gegenüber stressigen Wetterbedingungen sind. Oftmals zeigen Herbstpflanzen ein gesünderes und stärkeres Verhalten als andere Bäume.

Das im Herbst anfallende Laub schützt den Boden vor Austrocknung und hält ihn feucht.

Shutterstock/Wirestock Creators

Diese Obstbäume eignen sich im Herbst besonders gut

Auch wenn die Herbstzeit besonders gut geeignet ist für das Einpflanzen eines Obstbaums, gilt das nicht für alle. Aprikose, Nektarine und Pfirsich sind Obstarten, die sich für das Frühjahr anbieten, weil sie sehr frostempfindlich sind und den Sommer über Zeit brauchen, ein stabiles Wurzelsystem zu entwickeln. Was sich hingegen besonders gut eignet für den Herbst sind Apfel, Birne und Kirsche.

Die richtige Standortauswahl für gesunde Obstbäume

Alle Obstbäume mögen es sonnig, windgeschützt und nicht zu trocken. Auch wichtig zu wissen ist, welche Größe der Hochstamm haben wird, damit der Baum genügend Platz hat, um sich auszubreiten. Dass der Baum sich nicht hängen lässt, zum Beispiel auf das Nachbargrundstück, kann einigen Ärger ersparen. Der Schattenwurf kann ebenfalls auf Dauer einen Einfluss auf die weitere Gartengestaltung nehmen und sollte mitbedacht werden. Zuletzt sollte man darauf achten, dass die Bäume einen Befruchtungspartner in der Nähe haben. Manche Sauerkirschen, Zwetschgen oder Pflaumen gibt es auch als selbstfruchtbare Sorten. Am besten ist es, sich von der Baumschule beim Pflanzenkauf beraten zu lassen.

Vorbereitung des Bodens: optimale Startbedingungen schaffen

Damit der Baum mit allen Wurzeln fest im Boden steht, gibt es einiges, auf das man achten muss. Für die meisten Bäume ist ein neutraler pH-Wert ideal. Testkits, um seinen Boden darauf zu testen und die Nährstoffzusammensetzung zu überprüfen, gibt es in jedem gängigen Gartencenter und Baumarkt.

Außerdem ist es wichtig, den Boden von Unkraut und anderen Pflanzen zu befreien, da diese Konkurrenz den Baum beim Wachstum beeinträchtigen kann.

Auch ein zu sandiger Boden sollte vermieden werden. Hier hilft es, den Boden mit Kompost oder Betonit zu verbessern, um die Wasserhaltefähigkeit zu verbessern.

Zuletzt sollte man darauf achten, dass man den Baum nicht zu spät pflanzt und die Bodentemperatur nicht unter fünf Grad Celsius gerät. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, kann der Baum den Boden unter den Füßen – oder besser Wurzeln – nicht mehr verlieren.

Die Stabilisierung sollte man bereits beim Einsetzen des wurzelnackten Baums mitdenken.

Shutterstock/Paul Maguire

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wurzelnackte Obstbäume im Herbst pflanzen

Ab Oktober werden wurzelnackte junge Bäume und Sträucher verkauft, die erheblich günstiger sind als Pflanzen im Container. Wie der Name schon sagt, ist die Wurzel nackt, das heißt, die Gehölze werden ohne Ballen und Erde angeboten. Sie haben neben dem finanziellen Aspekt aber den großen Vorteil, dass sie besser anwachsen. Daher gibt es hier eine Anleitung, um wurzelnackte Obstbäume anzupflanzen:

1. Pflanzloch: Das Pflanzloch sollte anderthalbmal so tief wie der Wurzelballen sein. Gleiches gilt für den Durchmesser des Lochs. In der Regel sind das etwa 50 bis 70 Zentimeter. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Veredelungsstelle nicht mit eingepflanzt wird. Der untere Teil besteht aus einer schwachwüchsigen Sorte und verhindert, dass der Obstbaum zu groß wird.

2. Haufen im Pflanzloch ausheben: Innerhalb des Pflanzlochs sollte ein kleiner Haufen gebildet werden. So können die seitlichen Wurzelarme leichter nach unten wachsen und kommen sich nicht so zügig in die Quere.

3. Erdaushub anreichern: Die ausgehobene Erde mit etwas gut verrottetem Kompost oder Pflanzenerde mischen. Auch Hornspäne als Langzeitdüngung unterstützen das Wachstum.

4. Einpflanzen: Den Baum auf den Haufen im Pflanzenloch stellen, ohne dass Wurzeln zerdrückt werden. Im Idealfall sucht man sich eine zweite Person als Unterstützung, die währenddessen die Erde einfüllt. Anschließend die Erde leicht festtreten, mit der restlichen Erde einen Gießwall errichten und dann großzügig gießen.

5. Gegebenenfalls anbinden: Sollte der Obstbaum an einer windigen Stelle platziert sein, könnte es sinnvoll sein, ihn mit einem Pfahl zu stabilisieren. Diesen entgegen der Hauptwindrichtung platzieren und etwa zehn Zentimeter neben dem Stamm anbringen. Viele Biogärtner raten davon allerdings ab, da sich der Baum an die Stütze gewöhnt und die Wurzeln weniger stark werden.

Pflege nach der Pflanzung

Um zu verhindern, dass keine unerwünschten Beikräuter wachsen, die wichtige Nährstoffe abzwacken, sollte man etwas Mulch um den Baum verteilen. Alternativ hilft auch Karton.

Der Baum sollte auch vor Wild geschützt werden, das auf Nahrungssuche ist. Der Schutz kann aus Draht, Plastik oder auch natürlichen Materialien gebaut werden. Für Wühlmäuse eignet sich ein Kiesbecken um das Pflanzloch.

Die Bewässerung ist bei Jungbäumen ein wichtiger Aspekt. Es sollte regelmäßig überprüft werden, ob der Boden feucht ist. Optimalerweise ist dieser in fünf Zentimetern Tiefe noch feucht. Trotzdem sollte Staunässe vermieden werden.

Auch auf Anzeichen von Schädlingen wie Blattläuse oder Käfer sollte geachtet werden. Hier können insektizide Seifen oder natürliche Methoden wie Neemöl verwendet werden. Welche weiteren Hausmittel sich gegen Blattläuse anbieten, kann hier nachgelesen werden. Wichtig ist es aber, das Problem frühzeitig zu erkennen, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Wer im Herbst Obstbäume pflanzt, schenkt ihnen den besten Start ins Leben: warme Böden, kräftige Wurzeln und weniger Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe. Mit etwas Vorbereitung bei Standort und Boden winken später knackige Äpfel, saftige Birnen oder süße Kirschen direkt aus dem eigenen Garten. Also ran an den Spaten, sonst bleibt der Traum vom eigenen Obstbaum am Ende nur ein fauler Apfel.