Bokashi oder Kompost?
: So gewinnt man Dünger für den eigenen Garten

AnzeigeDer klassische Komposthaufen ist in zahlreichen Gärten zu finden. Bokashi ist dagegen weniger bekannt. Was Bokashi ist, wie man Dünger für den Garten gewinnt und welche Vor- und Nachteile es im Vergleich zum Kompost gibt.
Von
leane
Stuttgart
Aus Küchenabfällen wird im Bokashi-Eimer nährstoffreicher Dünger.

Aus Küchenabfällen wird im Bokashi-Eimer nährstoffreicher Dünger.

Shutterstock/MyBears

Küchenabfälle landen oft ungenutzt im Müll, dabei stecken darin wertvolle Nährstoffe für den eigenen Garten. Zwei Methoden versprechen, aus Resten wertvollen Dünger zu machen – doch sie funktionieren grundlegend unterschiedlich.

Wie funktioniert Kompost?

In einem Komposthaufen finden sich viele Mikroorganismen und Würmer, die Küchenabfälle zersetzen. Dafür wird Sauerstoff benötigt. Deshalb sollte man den Komposthaufen alle paar Monate wenden. Die Kompostierung dauert etwa ein bis zwei Jahre. Daas Endprodukt ist eine feinkrümelige nährstoffreiche Erde.

Die Komposterde kann man dann direkt an die Pflanzen geben, entweder unten ins Pflanzloch oder als unterste Erdschicht im Topf. Bei mehrjährigen Pflanzen mit einem hohen Nährstoffbedarf kann man regelmäßig Komposterde oben auf die Erde geben.

Was ist Bokashi?

Bokashi ist eine Methode, mit der man Dünger aus Pflanzen- und Küchenabfällen herstellt. Die Alternative zum Komposthaufen stammt aus Japan. Der Name bedeutet übersetzt so viel wie „fermentiertes Allerlei“.

Wie funktioniert Bokashi?

Der Bokashi-Eimer gilt als bewährte Alternative zum klassischen Komposthaufen. Auf kleinsten Raum kann man durch Fermentation Dünger herstellen. Um den Dünger herzustellen, setzt man Effektive Mikroorganismen (kurz EM) ein. Diese bestehen aus Milchsäurebakterien, Hefen und Photosynthesebakterien. Im Handel erhältlich ist meist eine flüssige Mischung effektiver Mikroorganismen. Küchenabfälle werden in einem speziell dafür vorgesehenen Bokashi-Eimer mit der EM-Lösung versetzt.

Die zu fermentierenden Küchenabfälle sollte man möglichst klein schneiden, damit die EM mehr Angriffsfläche haben. Die neu hineingeworfenen Abfälle drückt man in der Regel in den Eimer, damit weniger Luft zwischen den verschiedenen Schichten ist. Man sollte den Eimer so wenig wie möglich öffnen, da bei jedem Öffnen Luft in den Eimer gelangt. Deshalb empfiehlt es sich die Abfälle etwa einmal an Tag hineinzugeben. Länger sollte man die Küchenabfälle aber nicht an der Luft liegen lassen, denn sonst beginnen sie zu faulen.

Wer professionell unterwegs ist, gibt auf die Schicht Abfälle und EM auch noch Pflanzenkohle. Durch ihre Struktur kann sie Nährstoffe speichern, die sie später an die Pflanzen abgeben kann. Sie unterstützt außerdem dabei die Flüssigkeit und unangenehme Gerüche im Bokashi zu binden.

Ist der Eimer voll, lässt man ihn zwei Wochen stehen. Er sollte dabei weniger bei zu kalten Temperaturen im Freien stehen, noch in der Sonne.

Was ist der Unterschied zwischen Kompostieren und Fermentieren?

Beim Kompostieren verrottet organischer Abfall an der Luft und zerällt über eine längere Zeit zu einer Art Erde. Die Nährstoffe, die im fertigen Kompost übrig sind, genügen in der Regel nicht für anspruchsvolle Pflanzen. Im Bokashi-Eimer hingegen wird fermentiert. Dieser Prozess bewahrt die Nährstoffe der Küchenabfälle und reichert diese an. Außerdem funktioniert Fermentation deutlich schneller als Kompostierung.

Was ist ein Bokashi-Eimer?

Ein Bokashi-Eimer ist ein luftdichter Plastikeimer, der im Inneren meist über einen Siebeinsatz verfügt. Die Küchenabfälle werden in den Eimer geworfen und mit EM-Lösung besprüht. Dann lässt man die Abfälle zwei Wochen fermentieren. Über einen Hahn kann man die Flüssigkeit aus dem Eimer ablassen. Die trockenen Bestandteile kann man aus dem Eimer nehmen und zum Düngen im Garten verwenden.

Die Abfälle können aus dem Bokashi-Eimer ins Beet gegeben werden.

Die Abfälle können aus dem Bokashi-Eimer ins Beet gegeben werden.

Shutterstock/Hans Chr. Danielsen

Was macht man mit der Flüssigkeit aus dem Bokashi?

Stark verdünnt kann man die abgelassene Flüssigkeit als Blumendünger oder als Rohrreiniger verwendet werden. Auf ein Mischverhältnis von 1:100 für Jungpflanzen und 1:50 für erwachsene Pflanzen sollte hierbei geachtet werden.

Auch gegen Blattläuse kann man den Bokashi-Saft einsetzen. Dafür verdünnt man den Saft 1:10 oder 1:20 und sprüht ihn auf die befallenen Stellen.

Während des Fermentierungsprozesses kann man reglmäßig etwas Flüssigkeit aus dem Bokashi-Eimer ablassen.

Während des Fermentierungsprozesses kann man reglmäßig etwas Flüssigkeit aus dem Bokashi-Eimer ablassen.

Shutterstock/Hans Chr. Danielsen

Was wirft man in den Bokashi-Eimer?

In den Eimer wandern gängige Küchenabfälle sowie Pflanzenreste, Schalen von Obst und Gemüse und Kaffeesatz. Alles sollte möglichst kleingeschnitten sein. In der Theorie kann man sogar Fleischabfälle und Milchprodukte in der Bokashi-Eimer geben. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dabei meist bedeutend mehr Geruch entsteht.

Was sind die Vorteile von Bokashi?

  • Durch das Fermentieren im geschlossenen Eimer geht kaum Stickstoff verloren. Das ist gut fürs Klima.
  • Durch das Fermentieren im Bokashi-Eimer entsteht auch stark konzentrierter Flüssigdünger.
  • Bokashi funktioniert besonders schnell, denn organischer Müll wird innerhalb weniger Wochen zu Dünger verarbeitet.

Was sind die Nachteile von Bokashi?

  • Das fertige Produkt ist keine Erde, sondern fermentierte Küchenabfälle. Es muss im Boden erst noch humifiziert werden.
  • Der Arbeitsaufwand bei Bokashi ist regelmäßiger als beim klassischen Komposthaufen. Denn der Eimer muss regelmäßig gepflegt, der Müll gut abgedichtet und die Flüssigkeit abgelassen werden. Der Komposthaufen hingegen muss alle Paar Monate umgeschichtet werden.
  • Das fertige Produkt ist sauer und darf nicht direkt an Pflanzenwurzeln gegeben werden.
  • Man muss EM zukaufen, um Küchenabfälle fermentieren zu können.
  • Wer beispielsweise größere Mengen Pflanzenreste kompostieren möchte, stößt mit dem Bokashi vermutlich an Grenzen. Größere Mengen Gartenabfälle eignen sich dann doch eher für den Komposthaufen.

Wer Bokashi beispielsweise im Gemüsebeet verwenden möchte, zieht eine Rille im Beet und hält ausreichend Abstand zu den jungen Wurzeln, damit diese nicht verbrennen. Der saure Dünger sollte auch im Balkonkasten nicht direkt mit den Wurzeln in Berührung kommen.