Kritik vom Nvidia-Chef: „So weit abgehängt“ – Tech-Größe warnt Deutschland vor KI-Rückstand

Kanzler Friedrich Merz dürfte auf dem Gipfel erneut zusagen, dass die Regierung ihren Reformkurs fortsetzt.
Carsten Koall/dpa- Bundesregierung wirbt beim „Invest in Germany Summit“ um mehr private Investitionen.
- Kanzler Friedrich Merz kündigt Reformkurs an – halbes Kabinett nimmt teil.
- Nvidia-CEO Jensen Huang ist Stargast, Kooperation mit Bundesregierung geplant.
- Ziele: Investitionen in KI, Energie, Netze, Verteidigung, Halbleiter und Verkehr.
- Hürden bleiben hohe Energiekosten, Steuern und Bürokratie – Investitionslücke besteht.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rollt den roten Teppich aus. Schließlich geht es um Milliarden, wenn sich am Montagabend Unternehmer aus dem In- und Ausland zum Investitionsgipfel „Invest in Germany“ in Berlin treffen.
Besonders bei Künstlicher Intelligenz (KI) hat Deutschland großen Nachholbedarf. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an einen prominenten Gast: Jensen Huang, Chef des US-Chipherstellers Nvidia. Die Bundesregierung hat ihn als „Stargast“ eingeladen, die schwarz-rote Koalition strebt eine Kooperation mit dem Technologiekonzern an.
Schon vor dem Gipfel fand Huang deutliche Worte für Deutschlands technologischen Rückstand. „Nichts schmerzt mich mehr, als zu sehen, dass eines der technologisch fortschrittlichsten Länder so weit abgehängt wird“, sagte der 63-Jährige laut dem US-Sender CNBC. Gemeint war Deutschland.
Nvidia-Chef als Stargast
Als möglichen Grund für den Rückstand sieht Huang die europäische Herangehensweise. „Vielleicht liegt es an der europäischen Art, alles zu sehr zu zerdenken“, erklärte der Nvidia-Chef. „Deutschland hat so viel, so viel Talent – macht euch einfach an die Arbeit.“ Ein Video mit seinen Äußerungen verbreitete sich am Wochenende in den sozialen Netzwerken.
Nach Informationen des „Handelsblatts“ wollen Merz und der Chef des wertvollsten börsennotierten Unternehmens der Welt bei dem Treffen in Berlin eine KI-Partnerschaft vorstellen. Demnach soll der Bund einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, während Nvidia Ingenieure und Chips beisteuert. Auch rund ein Dutzend deutscher Unternehmen, darunter Siemens und Audi, sollen sich an dem Vorhaben beteiligen.
Zum eigentlichen Konferenztag am Dienstag werden neben Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) zahlreiche weitere Kabinettsmitglieder erwartet. Eingeladen sind Vertreter großer Unternehmen, Investmentbanken und Fonds. Insgesamt sollen rund 200 Vorstandschefs aus Deutschland und dem Ausland teilnehmen.

Die Bundesregierung will mit Nvidia und ihrem CEO Jensen Huang enger zusammenarbeiten.
© Chiang Ying-ying/AP/dpaBundesregierung will private Investitionen ankurbeln
Hintergrund des Gipfels sind die milliardenschweren Investitionspläne der Bundesregierung. In den kommenden Jahren will der Bund mit zusätzlichen Schulden die Infrastruktur modernisieren und Unternehmen beim Umstieg auf klimafreundlichere Produktionsverfahren unterstützen. Die staatlichen Ausgaben gelten als wichtiger Treiber für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr.
Doch für einen dauerhaften Aufschwung reicht das nach Einschätzung von Ökonomen nicht aus. Auch in Regierungskreisen wird betont, dass sich Deutschland nicht allein mit öffentlichen Mitteln modernisieren lasse. Deshalb will die Bundesregierung deutlich mehr privates Kapital mobilisieren. Investitionen in Maschinen und Anlagen, Forschung und Entwicklung, moderne Produktionsstätten und Software sollen die Produktivität der Unternehmen erhöhen und damit das Wirtschaftswachstum langfristig stärken, heißt es aus Regierungskreisen.
Experten sehen in der geplanten Zusammenarbeit mit Nvidia eine Chance, Deutschlands Rückstand bei Künstlicher Intelligenz zu verringern. Patrick Glauner, Professor für Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Deggendorf, bewertet das Vorhaben positiv. „Ich halte die Kooperation grundsätzlich für interessant. Denn sie verschafft deutschen Unternehmen kurzfristig Zugang zu leistungsfähiger Technologie und kann insbesondere industrielle KI, Robotik und physische KI voranbringen.“ Nvidia sei ein führender Anbieter von KI-Chips, Software und der technischen Infrastruktur für KI-Modelle. Auf dessen Technologien vollständig zu verzichten, hält Glauner derzeit für unrealistisch.
Ähnlich argumentiert Björn Ommer, Leiter der Computer Vision & Learning Group an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). „Die Kooperation mit Nvidia ist ein wichtiger und aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt notwendiger Brückenschlag. Wer KI souverän gestalten will, muss leistungsfähige Recheninfrastruktur selbst betreiben können. Dafür ist aktuell US-amerikanische GPU-Technologie äußerst wichtig.“
Wer sich von der verfügbaren Spitzentechnologie abschotte, um bei KI-Chips unabhängig zu werden, riskiere den Anschluss bei der Entwicklung eigener KI-Systeme, warnt Ommer. Gerade das könne langfristig die angestrebte technologische Souveränität gefährden. Entscheidend sei deshalb nicht allein, woher die Chips stammen. „Entscheidend ist, dass wir die Kontrolle über Betrieb, Daten und Nutzung dieser Infrastruktur selbst in der Hand haben, auch wenn die Chips zunächst aus den USA kommen.“ (mit AFP/dpa)


