Van Agtmael geht: Führungswechsel bei Breuninger

Fallback Image STN
Stuttgarter NachrichtenStuttgart - Den Zeitpunkt hat das Unternehmen denkbar schlecht gewählt: Nur zwei Tage nachdem das Modehaus Breuninger wegen eines fragwürdigen Arbeitszeitmodells in den Schlagzeilen stand, gibt der Unternehmenschef den Führungswechsel bekannt. Willem van Agtmael, Chef der Stuttgarter Modekette Breuninger, wird sich im September aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Das teilte das Unternehmen am Freitag mit.
Der Zeitpunkt, zu dem van Agtmael den Chefposten aufgeben möchte, habe schon lange festgestanden, heißt es in Unternehmenskreisen. Van Agtmael wird am 19. September 65 Jahre alt. Mit Erreichen der Altersgrenze laufe van Agtmaels Vertrag aus, so das Unternehmen. Die Kritik an dem fragwürdigen Arbeitszeitmodell im Unternehmen habe bei der Entscheidung „nicht die geringste Rolle gespielt“.
Die Modekette steht aktuell wegen eines Modells in den Schlagzeilen, das Verkäufern kapazitätsorientierte Arbeitszeiten zwischen 2 und 40 Stunden anbietet.
Als Nachfolger nennt Breuninger Willy Oergel, der seit 28 Jahren im Unternehmen ist und als rechte Hand van Agtmaels gilt.
Breuninger trennt Management- und Eigentümerfunktion
Dementsprechend gemischt fallen die Reaktionen bei den Beschäftigten des Modehauses aus. „Wir glauben nicht, dass durch den Führungswechsel eine andere Unternehmenskultur in der Firma Einzug hält“, heißt es aus Mitarbeiterkreisen mit Verweis auf die Kritik an den Arbeitsbedingungen im Unternehmen.
Breuninger hat bereits angekündigt, dass rechtlich fragwürdige Arbeitsverträge angepasst werden sollen. Katrin Altpeter, baden-württembergische Arbeitsministerin (SPD), erhofft sich von der neuen Unternehmensleitung, dass sie arbeitsrechtliche Fehltritte künftig von vornherein unterbindet: „Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen möchte ich Herrn Oergel mit auf den Weg geben, dass sich Breuninger künftig an die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestvorgaben hält, wenn es um die Arbeitszeiten geht“, sagt Katrin Altpeter unserer Zeitung.
Im Zuge des Führungswechsels trennt Breuninger Management- und Eigentümerfunktionen. Das Unternehmen setzt jetzt auf ein familienfremdes Management; die Eigner konzentrieren sich auf die Tätigkeit im Beirat, der ähnliche Kompetenzen hat wie der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft. Dieser Beirat wird neu geordnet. Willem van Agtmael wechselt in den Beirat, wird aber nur einfaches Mitglied. Den Vorsitz übernimmt sein Sohn Jeroen zusammen mit Harald Meilicke. Die Meilickes sind ebenso wie die Familie van Agtmael mit 40 Prozent an Breuninger beteiligt.
Agtmael ist seit 1980 an der Unternehmensspitze
Van Agtmael ist seit 1980 an der Firmenspitze des Unternehmens. „Ich habe damals einen Vertrag auf den September 2012 hin gemacht, weil ich gesagt habe, mit 65 Jahren möchte ich mich anderen Dingen widmen. So sieht mein Vertrag aus, und ich werde den Vertrag erfüllen“, sagte van Agtmael der „Stuttgarter Zeitung“.
Für das Bauprojekt Dorotheenquartier habe sein Rückzug keine Konsequenzen, teilt das Unternehmen mit.
Das Unternehmen hat inzwischen bundesweit zehn Kaufhäuser und Einkaufszentren mit 5500 Mitarbeitern. Der Umsatz ist im vorigen Jahr auf netto 510 Millionen Euro gestiegen.