EZB-Abstimmung
: So können Bürger über die neuen Euro-Scheine mitentscheiden

Die Euro-Banknoten sollen neu gestaltet werden. Bis September können Bürgerinnen und Bürger online ihre Einschätzung zu den Vorschlägen abgeben.
Von
Katrin Jokic
Berlin
Jetzt in der App anhören
Euro-Banknoten

Die Euro-Banknoten sollen ein neues Design bekommen. (Symbolbild)

Hendrik Schmidt/dpa

Die Euro-Banknoten sollen erstmals seit ihrer Einführung im Jahr 2002 vollständig neu gestaltet werden. Die Europäische Zentralbank hat dafür zehn Entwürfe in die Endauswahl aufgenommen. Bis zum 21. September 2026 können Bürgerinnen und Bürger in einer Online-Umfrage ihre Einschätzung zu den Vorschlägen abgeben.

Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine klassische Abstimmung, bei der ein einzelner Favorit gewählt wird. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen vielmehr angeben, welche Entwürfe ihnen gefallen oder nicht gefallen und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind. Die Ergebnisse fließen neben technischen Prüfungen und der Einschätzung einer Fachjury in die Entscheidung des EZB-Rats ein.

Zwei Themen für die neuen Euro-Banknoten

Die Entwürfe basieren auf zwei Themenwelten: „Europäische Kultur“ sowie „Flüsse und Vögel“. Beide sollen die europäische Identität auf unterschiedliche Weise darstellen.

Beim Thema „Europäische Kultur“ sind bekannte Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft, Literatur und Friedensbewegung den einzelnen Banknotenwerten zugeordnet:

StN Kompakt - Der Abend
Montag - Samstag um 17.00 Uhr
Die wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht - mit unserem Newsletter gewinnen Sie abends schnell den Überblick über das Tagesgeschehen.
  • 5 Euro: Maria Callas, griechische Opernsängerin
  • 10 Euro: Ludwig van Beethoven, deutscher Komponist und Pianist
  • 20 Euro: Marie Skłodowska-Curie, polnische Physikerin und Chemikerin
  • 50 Euro: Miguel de Cervantes, spanischer Schriftsteller
  • 100 Euro: Leonardo da Vinci, italienischer Maler und Bildhauer
  • 200 Euro: Bertha von Suttner, österreichische Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin
Gestaltungsentwurf, Design E, der griechischen Designerin Myrsini Vardopoulou. Entwurf für die 5-Euro-Note mit Opernsängerin Maria Callas.

Gestaltungsentwurf, Design E, der griechischen Designerin Myrsini Vardopoulou. Entwurf für die 5-Euro-Note mit Opernsängerin Maria Callas.

EZB

Das zweite Thema verbindet europäische Flusslandschaften mit charakteristischen Vogelarten. Für die Vorderseiten der Scheine sind folgende Vögel vorgesehen:

  • 5 Euro: Mauerläufer
  • 10 Euro: Eisvogel
  • 20 Euro: Bienenfresser
  • 50 Euro: Weißstorch
  • 100 Euro: Säbelschnäbler
  • 200 Euro: Basstölpel

Damit könnten die bislang auf den Euro-Scheinen abgebildeten, frei erfundenen Brücken, Tore und Fenster durch reale Persönlichkeiten oder Naturmotive ersetzt werden. Die gegenwärtigen Architekturmotive wurden bewusst so gestaltet, dass sie keinem bestimmten europäischen Land zugeordnet werden können.

Gestaltungsentwurf zur 5-Euro-Note, Designvorschlag B, der österreichischen Agentur "PunktFormStrich".

Gestaltungsentwurf zur 5-Euro-Note, Designvorschlag B, der österreichischen Agentur "PunktFormStrich".

EZB

Mehr als 1.200 Bewerbungen aus ganz Europa

Die zehn Vorschläge stammen aus einem europaweiten Designwettbewerb. Nach Angaben der EZB hatten sich mehr als 1.200 Grafikdesignerinnen und Grafikdesigner beworben. 25 von ihnen wurden eingeladen, konkrete Gestaltungsvorschläge zu einem oder beiden Themen auszuarbeiten.

Eine unabhängige Jury wählte anschließend die zehn Entwürfe für die Endrunde aus. Das Gremium bestand aus 21 Fachleuten, unter anderem aus den Bereichen Grafikdesign, Kommunikation, Geschichte und Neurowissenschaft. Die Mitglieder waren von den nationalen Zentralbanken des Euroraums nominiert worden.

Die EZB weist darauf hin, dass die Entwürfe auf den kreativen Interpretationen der beteiligten Designerinnen und Designer beruhen. Einzelne Elemente können sich deshalb im weiteren Verfahren noch verändern. Auch ist nicht garantiert, dass alle derzeit dargestellten Motive später in derselben Form auf den fertigen Banknoten erscheinen.

Entscheidung voraussichtlich Ende 2026

Parallel zur öffentlichen Online-Umfrage lässt die EZB eine repräsentative Befragung im Euroraum durchführen. Beide Ergebnisse sollen dem EZB-Rat als Entscheidungsgrundlage dienen. Hinzu kommen die Empfehlungen der Fachjury und eine technische Bewertung der Entwürfe.

Die endgültige Auswahl soll voraussichtlich gegen Ende des Jahres 2026 erfolgen. Danach wird das gewählte Konzept weiter ausgearbeitet und umfassend getestet. Bis die neuen Euro-Scheine tatsächlich ausgegeben werden, dürften noch mehrere Jahre vergehen.

Die derzeitigen Banknoten bleiben auch nach Einführung der neuen Serie gültig. Sie behalten ihren Wert und sollen zunächst parallel zu den neu gestalteten Scheinen im Umlauf bleiben.

Neue Sicherheitsmerkmale und bessere Barrierefreiheit

Bei der Neugestaltung geht es nicht nur um das äußere Erscheinungsbild. Die kommende Banknotenserie soll auch neue und verbesserte Sicherheitsmerkmale erhalten. Damit will die EZB die Fälschungssicherheit erhöhen und die Überprüfung der Echtheit erleichtern.

Zudem sollen die Scheine für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen besser nutzbar werden. Auch die Umweltbilanz spielt eine Rolle: Geplant sind haltbarere Banknoten sowie nachhaltigere Materialien und Produktionsverfahren.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde bezeichnete die Euro-Banknoten als eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas. Ein neues Design solle die gemeinsame europäische Identität stärken. Welches der beiden Themen und welcher konkrete Entwurf künftig das Erscheinungsbild des Euro prägen wird, entscheidet sich nach Abschluss der Befragungen und Prüfungen.