Bosch-Jubiläum
: Kein Platz für Murkser und Pfuscher

Seit 125 Jahren gibt es die Robert Bosch GmbH. An den Gründer erinnert noch vieles.
Von
Petra Otte
Stuttgart
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Stuttgarter Nachrichten

Stuttgart - "Lieber Geld verlieren als Vertrauen", hat Firmengründer Robert Bosch einst gesagt. Der Treuebonus für die Mitarbeiter anlässlich seines 150. Geburtsjahrs und des 125-jährigen Firmenbestehens wäre also wohl in seinem Sinne. Die Prämie von 50 Euro pro Jahr Betriebszugehörigkeit  ist aber nur der Anfang. Zudem plant der Elektronikkonzern dieses Jahr 250 Veranstaltungen für die 283.000 Beschäftigten, zwei neue Bücher, eine Gala für Prominente sowie ein Konzert von Bosch-Musikern heute abend in der Liederhalle. Letzteres läutet die Jubiläen, deren Gedenktage im September und November liegen, offiziell ein. Doch was genau feiert die Konzernfamilie eigentlich?

Robert Bosch, der Erfinder: Der am 23. September 1861 nahe Ulm geborene Firmengründer war seiner Zeit voraus. Am 15. November 1886 gründete er in der Stuttgarter Rotebühlstraße seine "Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik". Weil er die eigene Lehre zum Feinmechaniker als unzureichend empfand, bildete sich Bosch auf eigene Faust an der technischen Uni in Stuttgart, in Großbritannien und in New York in den USA fort. Bereits in den ersten Firmenjahren mietete sich der Jungunternehmer ein Telefon und besuchte Kunden mit dem Fahrrad statt mit der Kutsche - beides war damals extrem fortschrittlich. Ebenso wie die Erfindung der Magnetzündung für Autos, des laut Patentschrift "elektrischen Funkengebers zur Zündung des Explosivgemisches in Gasmaschinen und dergleichen". 1902 gelang Bosch mit dem Zündsystem der Durchbruch. 1913 zählte das Unternehmen 3000 Mitarbeiter, besaß eine eigene Lehrwerkstatt und hatte Niederlassungen von der USA bis nach Asien. Aus Platzgründen zog Bosch nach Stuttgart-Feuerbach um.

Im dortigen Dieselpumpen-Werk übt man bis heute seinen Erfindergeist. An fünf Montagelinien werden so genannte Common Rail Pumpen der vierten Generation (CP4) gefertigt, die die ab 2015 vorgeschriebene Abgasnorm Euro 6 erfüllen. 8000 Stück laufen täglich vom Band, zu den Kunden zählen fast alle Autohersteller. Die spritsparende Start-Stop-Technologie "konnte erst durch CP4 eingebaut werden", sagt der Fertigungsleiter Markus Zebisch. Die 830 Beschäftigten arbeiten in drei Schichten sechs Tage die Woche, wer heute bestellt, "hat morgen die gewünschte Pumpe", sagt Zebisch. Heißt der Kunde BMW, steht das Auto eine Woche später beim Händler.

Jedes Jahr meldet der Elektronikkonzern im Schnitt 3800 Patente an

3800 Patente meldet Bosch im Schnitt pro Jahr an, neben dem Händchen für Zukunftstechnologien ist der Qualitätsanspruch des Gründers geblieben. Pro Jahr gibt der Konzern für Weiterbildung in Deutschland rund 120 Millionen Euro aus, rechnerisch nimmt jeder Mitarbeiter zwei Mal jährlich an einer Schulung teil. Das hätte Robert Bosch gefallen, ein Mechaniker erinnerte sich Anfang des 20. Jahrhunderts so an seine Zeit in der Firma: "Jeder wurde bei seiner Einstellung von Herrn Robert Bosch persönlich auf Leistung uns saubere Arbeit geprüft. Murkser und Pfuscher wurden nicht geduldet."

Robert Bosch, der Visionär: Bosch hat zeitig erkannt, dass es unklug ist, von nur einer Branche abhängig zu sein. 1899 bot er zwölf Magnetzünder an, 100 Jahre später hatte die Firma über 350000 Auto-Komponenten im Sortiment. 1928 brachte Bosch den Forfex-Haarschneider heraus, 1932 folgte der Bosch-Bohrhammer. Heute bedient der Konzern die Sparten Kraftfahrzeug- und Industrietechnik sowie Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik. Die Produkte reichen vom Antiblockiersystem ABS über Kühlschränke bis zu Industrierobotern. Wie einst Robert Bosch investiert auch Vorstandschef Franz Fehrenbach heute verstärkt in neue Technologien - zum Beispiel in Solarzellen, Lithium-Ionen-Batterien und Windkraftanlagen. Knapp 60 Prozent der 47,3 Milliarden Euro Umsatz stammten 2010 noch aus der Fahrzeugtechnik.

Robert Bosch, der Förderer: "Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle." So erklärte der Technikpionier seinen Erfolg, stets galt er als sozial eingestellter Unternehmenslenker. Das begann bei der Einführung des Acht-Stunden-Tags, zudem spendete Bosch für Hochschulen, richtete einen Pensionsfonds für Mitarbeiter ein und half Kriegsopfern mit Geld und Gelenkprothesen. 1936, sechs Jahre vor seinem Tod, stiftete er das Robert-Bosch-Krankenhaus. Die heutige Bosch-Stiftung, der das Unternehmen zu 92 Prozent gehört, setzt sich weltweit für Völkerverständigung, Bildung und Gesundheitspflege ein.

Vier von fünf Beschäftigten sind stolz darauf  bei Bosch zu arbeiten

Robert Bosch und die Nachwelt: Vier von fünf Beschäftigten sind stolz bei Bosch zu arbeiten, der Betriebsrat schätzt die "intensive Gesprächskultur" mit der Geschäftsleitung. "Das hilft uns bei Konflikten immer wieder die Kurve zu kriegen, bevor es eskaliert", sagt der Gesamtbetriebsratschef Alfred Löckle. Allerdings sei dies eher Gewerkschaftskämpfen und dem Betriebsverfassungsgesetz zu verdanken - dagegen hat der Firmengründer demonstrierende Mitarbeiter 1920 sogar mit Polizeihilfe vom Werksgelände ausgeschlossen. Dass Robert Bosch in seinem Testament die finanzielle Unabhängigkeit der Firma festgeschrieben hat, freut Löckle: "Keiner stürzt sich in finanzielle Abenteuer." Das macht die Jobs ein Stück weit sicherer als woanders, technologischer Wandel und neue Märkte gefährden sie wieder. Dazu zählt Löckle etwa den Trend zum Elektroauto, der viele Bosch-Arbeitsplätze überflüssig macht. Und den Aufbau von Produktion und Forschung im Ausland.

Zwar ist die Bosch-Belegschaft binnen zehn Jahren bundesweit stetig auf nunmehr 113600 Beschäftigte gewachsen. Ohne Zukäufe und Gründung neuer Geschäftsfelder "würde die Beschäftigtenzahl aber zurückgehen", sagt der Bosch-Personalchef Wolfgang Malchow. Dafür baut der Konzern in Niedriglohnländern wie Tschechien Werke auf. "Unsere Stärke besteht darin, die Produktion von fertig entwickelten Produkten in Billiglohnländer zu verlagern, während man in Deutschland schon an der nächsten Generation forscht", sagt Malchow. Auch dieses Modell scheint jedoch endlich: China ist derzeit der drittwichtigste Absatzmarkt für Bosch, bis der Staat an Nummer 1 rücke, sei "nur eine Frage der Zeit", sagt Malchow. Dann würden zunehmend Chinesen vor Ort forschen und entwickeln.

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