Wie einst "Blair Witch Project": Auf "Backrooms" folgt "Obsession": Der Triumph von Low-Budget-Horror

"Backrooms" (l.) und "Obsession" haben zusammen schon über 600 Millionen Dollar eingespielt.
imago images/Landmark Media/Supplied by LMK / © 2026 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.Filmbudgets jenseits der 200 Millionen Dollar sind in den vergangenen Jahren eher zur Regel als zur Ausnahme geworden - hinzu kommen oft ähnlich hohe Marketingkosten. Viele Blockbuster schreiben also mitunter erst schwarze Zahlen, wenn die Einnahmen eine halbe Milliarde Dollar überschreiten. Dass es auch anders geht, beweisen derzeit zwei Horrorstreifen, die international schon seit Wochen für Furore sorgen.
Am 18. Juni war hierzulande "Backrooms", das hochgelobte Debüt des jungen Regisseurs Kane Parsons (21), angelaufen. Bei einem Budget von rund zehn Millionen Dollar spielte die Story über unheimliche und karge Räume, die jenseits unserer Realität existieren, bereits 272 Millionen Dollar ein.
Noch extremer verhält es sich mit Curry Barkers (26) "Obsession - Du sollst mich lieben", der in Deutschland ab dem 26. Juni im Kino zu sehen ist. Der Film, in dem für einen jungen Mann ein verhängnisvoller Wunsch in Erfüllung geht, kostete in der Produktion nicht einmal eine Million Dollar - fuhr aber bereits 332 Millionen Dollar ein.
Übersättigt mit einfallslosem Mainstream?
Dass beide Werke so unfassbar gut performen, könnte mit einem gewissen Verdruss des Publikums zusammenhängen. Zuletzt konnte der Comic-Bombast von Franchises wie Marvel oder DC nicht mehr überzeugen, auch "Star Wars" schwächelte in Form von "The Mandalorian and Grogu". Viele Zuschauerinnen und Zuschauer lechzen geradezu nach innovativen Leinwand-Geschichten, die einem nicht die ewig gleichen Konflikte und Schauwerte bieten. Und wie vor allem die Horror-Historie zeigt, müssen frische Ideen nicht teuer sein.
Hexen, Geister, Kettensägen
Ein frühes Beispiel hierfür ist der Kultfilm "Texas Chainsaw Massacre" von 1974. Schätzungen nach belief sich dessen Budget auf nur rund 140.000 Dollar. Über rasante Mund-zu-Mund-Propaganda entwickelte sich die Story über das Scheusal Leatherface aber zum Kassenschlager und sägte sich zu 30 Millionen Dollar an den Kinokassen. Für damalige Verhältnisse ein Vermögen.
1999 folgte ein noch wesentlich beeindruckenderes Phänomen: "The Blair Witch Project" hatte das Found-Footage-Genre zwar nicht erfunden, doch revolutionierte es die Filmgattung. Mit einfachsten Mitteln, herausragendem Marketing und einem Budget von angeblich nur 60.000 Dollar erzeugte der Streifen eine derartig dichte Grusel-Atmosphäre, dass einfach jeder Kinofan ihn sehen musste. Knapp 250 Millionen Dollar standen am Ende zu Buche.
Rund acht Jahre später gelang "Paranormal Activity" ein vergleichbares Kunststück: Der Horrorfilm, der es meisterhaft verstand, mit den Erwartungen des Publikums zu spielen, kostete lächerliche 15.000 Dollar und machte daraus rund 194 Millionen.
Dagegen wirkten die 4,5 Millionen Dollar, die Jordan Peele für "Get Out" zur Verfügung standen, geradezu fürstlich. Der sozialkritische und mit einem Oscar fürs beste Drehbuch ausgezeichnete Film spielte weltweit etwa 255 Millionen Dollar ein.