VfB Stuttgart gegen FC Bayern
: Pokalfinale spaltet das „Sax“: VfB-Heimat mitten in Bayern

In einer Münchner Sportsbar fiebern Stuttgart-Fans dem Endspiel entgegen. In der schwäbischen Oase herrscht Ausnahmezustand – und eine Freundschaft wird auf die Probe gestellt.
Von
Rainer Roth
Stuttgart

In der Münchner Sportsbar „Sax“ herrscht stets beste Stimmung.

Privat

Im „Sax“ ist an diesem Samstag alles ein bisschen anders als sonst. Normalerweise treffen sich in der Münchner Sportsbar VfB-Fans aus dem Exil, schauen gemeinsam die Partien, diskutieren, leiden, feiern. Diesmal aber steht mehr auf dem Spiel: DFB-Pokalfinale, VfB Stuttgart gegen den FC Bayern München. Ein Duell, das den schwäbisch geprägten Treffpunkt mitten in der bayerischen Landeshauptstadt in einen Ausnahmezustand versetzt – und eine Geschäftsbeziehung auf die Probe stellt.

Denn das „Sax“ ist längst mehr als eine Sportsbar: Für viele VfB-Fans in München ist es ein Stück Heimat, ein schwäbischer Anker in der bayerischen Landeshauptstadt. Geprägt wird der Ort seit fast drei Jahrzehnten von Friedel Bulach, selbst glühender VfB-Fan und damit Gastgeber in einem selbst erklärten Stuttgarter Revier mitten in München. An seiner Seite arbeitet Wolfi Strigl – ein überzeugter Bayern-Fan, der den sportlichen Gegenpol im Herzen dieses VfB-Treffpunkts verkörpert.

Riesige Nachfrage

„Es herrscht eine Riesenaufregung. Alles ist ausgebucht, wir hätten die Plätze auch an 2000 Leute vermieten können“, sagt Bulach, dessen Lokal aber nur Raum für 250 Leute bietet, vor dem Finale. Es ist alles angerichtet für den Südklassiker, den es in Berlin zuletzt vor 13 Jahren gab: Schwäbische Küche mit Linsen und Maultaschen, VfB-Beflaggung, drei zusätzliche Bedienungen, die sich um die Gäste kümmern werden.

Bei diesen handelt es sich allerdings keineswegs nur um VfB-Anhänger. „Viele unserer Stammgäste fahren nach Berlin, sodass am Samstag wahrscheinlich genauso viele Bayern- wie Stuttgart-Fans da sein werden“, verrät Bulach. Neu ist das für ihn aber nicht. Denn obwohl sich sein Lokal als „schwäbische Oase“ versteht, sind Fans von allen Mannschaften willkommen.

Zu Problemen führe das nicht. „Während dem Spiel kochen die Emotionen zwar schon mal hoch und wir singen ‚zieht den Bayern die Lederhosen aus’. Aber danach trinken wir alle zusammen ein Bier oder einen Schnaps“, skizziert Bulach die Stimmung während vergangener Duelle gegen den Rekordmeister.

Unterstützung von Bayern-Ultras

Überhaupt sei kein Platz für Rivalitäten in der Kneipe, die wie ein Dorf wirkt, in der sich jeder kennt. So kamen in der vergangenen Spielzeit sogar regelmäßig Bayern-Ultras ins „Sax“, um den VfB während seiner Spiele in der Europa League zu unterstützen, berichtet der 62-Jährige, der die Kneipe schon seit 1996 leitet. Entsprechend ziert am Samstag auch eine Bayern-Fahne den Biergarten, im Anschluss spülen die beiden Fanlager oft sogar zusammen ihre Gläser. „Wenn man die Welt anschaut, dann sieht man überall nur Stress. Aber bei uns ist alles gechillt“, fasst der in Hechingen aufgewachsene Gastronom die Atmosphäre vor Ort zusammen.

„Die schlafen fast ein“

Ganz ohne Frotzeleien geht es aber doch nicht. So kann sich auch Bulach die ein oder andere Spitze gegen den Rekordmeister nicht verkneifen. „Wenn Stuttgart einen Eckball bekommt, ist das wie wenn Bayern die Meisterschaft gewinnt“, schildert er die Stimmung unter den Bayernfans. „Die sind so verwöhnt, die schlafen fast ein.“

Gleichzeitig sei ihm vergangenes Jahr eine VfB-Fahne aus dem Garten entwendet worden – mutmaßlich von Bayern-Fans. Weshalb er einen neuen Fahnenmast mit 600 Kilo Beton in den Boden eingelassen und die neue, vier Meter hohe Fahne verschlossen hat. „Die ist jetzt nicht mehr greifbar“, grinst er.

Und dann ist da auch noch die besondere persönliche Konstellation in der im Münchner Glockenbachviertel gelegenen Lokalität. Auf der einen Seite Friedel Bulach, Exilschwabe und Geschäftsführer. Auf der anderen Seite Betriebsleiter Wolfgang Strigl, Münchner Original und Bayernfan.

Friedel Bulach (links) und seine Söhne Moritz und Luca. Rechts Betriebsleiter Wolfgang Strigl.

Foto: Privat

„Wir haben ihn etwas geärgert, als Bayern aus der Champions League rausgeflogen ist und ihm danach ein VfB-Trikot geschenkt“, erzählt Bulach von der Beziehung zu seinem Geschäftspartner. Der nahm die Aktion jedoch gelassen – und freute sich sogar über das Geschenk, das er anlässlich des Stuttgarter Gastspiels beim Bundesliga-Spiel in München am 19. April erhielt.

Besuch von Tasci und Wehrle

„Das ganze Präsidium des VfB sowie der Vorstandschef Alexander Wehrle und der Aufsichtsrat Serdar Tasci waren da und der Präsident Dietmar Allgaier hat mir persönlich das Trikot überreicht. Das hat mich natürlich gefreut, weil ich auch selbst VfB-Sympathisant bin“, erklärt Strigl, der zudem anmerkt: „Ich habe mittlerweile mehr Schwaben als Bayern in meinem Freundeskreis.“

Auswirkungen auf seine Allianzen für das Pokalfinale hat die Zuneigung jedoch nicht. Denn, so der 55-Jährige: „Wenn die beiden Vereine gegeneinander spielen, bin ich natürlich trotzdem für Bayern.“ Bulach dagegen bleibt seinem VfB treu – und schaut trotz allem Realismus den Dingen mit einer Mischung aus Hoffnung und Augenzwinkern entgegen. „Wenn sich Bayern dumm anstellt, gewinnt der VfB im Elfmeterschießen.“

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