Pokalendspiele gegen die Bayern
: Viele Tore – und zwei bittere VfB-Niederlagen

Die VfB-Legenden Karlheinz Förster und Guido Buchwald sowie Sportdirektor Christian Gentner erinnern sich an die Finals gegen den FC Bayern – und sind vor der Neuauflage optimistisch.
Von
Jochen Klingovsky
Stuttgart
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Führten ihre Teams 1986 als Kapitäne aufs Feld: Klaus Augenthaler (li.) und Karlheinz Förster. Im zweiten Pokalfinale zwischen dem VfB und dem FC Bayern trafen Christian Gentner und Franck Ribery (re.) aufeinander.

Baumann

Der FC Bayern ist nicht unbedingt der Lieblingsgegner des VfB Stuttgart. In dieser Saison gab es gegen den Meister schon drei Niederlagen (1:2 im Supercup, 0:5 und 2:4 in der Bundesliga), und auch die Historie der bisherigen Pokalendspiele gegen die Münchener taugt nicht als Mutmacher. Die zwei Finalduelle in Berlin gingen mit 2:5 (1986) und 2:3 (2013) verloren. Trotzdem sagt VfB-Legende Karlheinz Förster vor der Neuauflage an diesem Samstag (20 Uhr): „Unser Team hat sich in der Liga super präsentiert – eine Chance gibt es auf jeden Fall.“ Sofern sich Geschichte nicht wiederholt.

Karlheinz Förster hat keine guten Erinnerungen an den 3. Mai 1986. Der Vorstopper führte seine Mannschaft als Kapitän aufs Feld, doch wichtige Spieler fehlten. Torwart Helmut Roleder fiel kurzfristig aus, sein Bruder Bernd Förster, gerade von einer Verletzung genesen, wurde von Trainer Willi Entenmann nicht für das Pokalfinale gegen die Bayern nominiert. „Das war sicher ein Fehler“, sagt Karlheinz Förster im Rückblick, „am Ende hatten wir nicht genügend Akteure auf dem Platz, die eine überzeugende Leistung gezeigt haben.“ Dementsprechend war der Spielverlauf.

Karlheinz Förster erwartete keine Dankbarkeit

Eine Woche vorher hatte der VfB den FC Bayern durch zwei Tore von Karl Allgöwer und seinen 2:1-Sieg gegen Werder Bremen doch noch zur unverhofften Meisterschaft verholfen, Dankbarkeit gab es deshalb aber keine – was Karlheinz Förster auch gar nicht erwartet hatte: „Wir hatten sicher etwas gut bei den Bayern. Aber Profis wollen immer alles gewinnen. Ich habe in meiner ganzen Karriere nie etwas verschenkt, und ich habe auch nichts geschenkt bekommen.“ Erst recht nicht von den Bayern.

Duell im Pokalfinale 1986: VfB-Profi Guido Buchwald (re.) verfolgt Bayern-Stürmer Reinhold Mathy.

Foto: imago/Kicker/Eissner, Liedel

Der FCB ging durch zwei Tore von Roland Wohlfarth (34./40.) schon vor der Pause in Führung, in der zweiten Hälfte erhöhte Michael Rummenigge per Doppelschlag (65./72.) auf 4:0. Die restlichen Treffer von Guido Buchwald (75.) zum 1:4, erneut Roland Wohlfarth (78.) und Jürgen Klinsmann (85.) zum 2:5-Endstand waren nur noch Ergebniskosmetik. „Auch meine Erinnerungen an dieses Spiel sind alles andere als gut“, sagt Guido Buchwald, der Weltmeister von 1990, „wir sind kalt erwischt worden, das Spiel war schnell entschieden. Wir wurden damals klar unter Wert geschlagen.“ So sieht es auch Karlheinz Förster.

Karlheinz Förster: „Um den FC Bayern zu schlagen, braucht man elf Gute“

Der Vorstopper des VfB gewann sein Duell gegen FCB-Mittelstürmer Dieter Hoeneß zwar klar („Er hätte damals sicher lieber gegen jemand anderen gespielt, er bekam kaum einen Kopfball“), aber letztlich seien die Schwächen in der Defensive trotzdem zu groß gewesen. „Um den FC Bayern zu schlagen, braucht man elf Gute auf dem Feld“, sagt Förster, „wir waren an diesem Tag nicht gut genug.“

Diese 2:5-Pleite bedeutete die erste Niederlage des VfB in einem Pokalfinale (nach den beiden Siegen 1954 und 1958), und auch Roland Wohlfarth schrieb Geschichte: Er ist bis heute der einzige Bayern-Stürmer, der in einem Pokalendspiel drei Tore erzielt hat. „Es ist sicher keine Schande, gegen den FCB zu verlieren“, sagt Karlheinz Förster, „doch über die Art und Weise habe ich mich damals extrem geärgert.“

 Am 1. Juni 2013 waren die Rollen in Berlin noch eindeutiger verteilt als 27 Jahre zuvor. Vor dem Pokalendspiel gegen den VfB Stuttgart hatte der FC Bayern schon die Meisterschaft und die Champions League gewonnen, nun wollte Trainer Jupp Heynckes mit seinem Starensemble den dritten Titel holen. Es entwickelte sich ein Offensivspektakel auf Augenhöhe, in dem beide Mannschaften am Ende auf 17 Torschüsse kamen. Die besten Spieler beim VfB in diesem Pokalfinale waren Keeper Sven Ulreich (heute Ersatztorhüter beim FC Bayern) und Martin Harnik. Ebenfalls zum Finalteam des VfB, das zuvor die Bundesliga-Saison auf Rang zwölf beendet hatte, gehörte der heutige Sportdirektor.

VfB traf auf ein Ensemble aus Weltstars

„Die Bayern waren der klare Favorit, sie wollten als erste deutsche Mannschaft überhaupt das Triple perfekt machen“, erinnert sich Christian Gentner an das Duell gegen den scheinbar übermächtigen und mit etlichen Weltstars besetzten Gegner, „die Offensive der Bayern um Arjen Robben, Franck Ribery, Thomas Müller und unseren ehemaligen Mitspieler Mario Gomez hat enorm viel Druck gemacht.“

Obwohl Torwart Sven Ulreich eine starke Partie zeigte, sah der FCB nach Treffern von Müller (37./Foulelfmeter) und Ex-VfB-Torjäger Gomez (48./61.) nach einer guten Stunde schon wie der sichere Sieger aus. Doch der Außenseiter schlug zurück. Nach einem Doppelpack von Martin Harnik (71./80.) zum 2:3 war die Partie plötzlich wieder offen – das 3:3 gelang dem von Bruno Labbadia trainierten VfB indes nicht mehr. „Am Ende haben wir alles nach vorne geworfen und hatten tatsächlich noch die Chance zum Ausgleich, der Kopfball von Shinji Okazaki verfehlte aber leider das Tor“, sagt Christian Gentner, „direkt nach dem Spiel ist die Enttäuschung natürlich groß gewesen. Im Nachhinein betrachtet aber war die Endspielteilnahme dennoch ein besonderes Erlebnis.“ Und trotzdem gibt es Möglichkeiten, es noch besser zu machen.

Erfolgreiches VfB-Gespann: Sportdirektor Christian Gentner (li.), Trainer Sebastian Hoeneß.

Foto: Baumann

An diesem Samstag (20 Uhr) hat der VfB die Chance, erstmals ein Pokalfinale gegen den FC Bayern zu gewinnen. Christian Gentner muss allein schon aufgrund seines Jobs optimistisch sein, doch auch die beiden VfB-Legenden sind durchaus zuversichtlich. „Die Mannschaft hat in der vergangenen Saison großen Biss, Einsatz und Willen gezeigt, Trainer Sebastian Hoeneß macht einen hervorragenden Job“, sagt Karlheinz Förster, „der FC Bayern ist zwar eine Art Angstgegner, aber wenn die Jungs gut drauf sind, wovon ich ausgehe, dann kann im Kampf um einen Titel, der in einem Spiel vergeben wird, viel passieren.“ Ähnlich sieht es Guido Buchwald.

Der ehemalige Mittelfeld-Star ist in Berlin und sicher, dass er einen VfB sehen wird, der alles aus sich herausholt. „Der FC Bayern hat eine Saison lang schönen, tollen Fußball gespielt. Und trotzdem wäre es für den Club ein mäßiges Jahr, sollte es nun eine Niederlage gegen den VfB geben. Der ganze Druck liegt beim FC Bayern, denn er muss endlich mal wieder Pokalsieger werden“, sagt Guido Buchwald, „wenn der VfB ekelhaft spielt, in den Zweikämpfen aggressiv ist und schnell kontert, dann gibt es eine Chance, erneut den Pokal zu holen.“

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