Fan-Ausschluss in der Europa League
: Hochrisikospiel gegen Maccabi Tel Aviv – was plant der VfB?

Der englische Club Aston Villa hatte israelische Fans ursprünglich ausgeschlossen. Was plant der VfB Stuttgart – und wie bereitet sich die Polizei auf das Spiel im Dezember vor?
Von
Michael Bosch
Stuttgart

Am 11. Dezember gastiert Maccabi Tel Aviv in Stuttgart.

IMAGO/Anadolu Agency

Der VfB Stuttgart plant bisher keinen besonderen Maßnahmen im Hinblick auf das Heimspiel gegen Maccabi Tel Aviv am 11. Dezember (18.45 Uhr/MHP-Arena). Ein Fan-Ausschluss spielt in den Überlegungen des Clubs aus Cannstatt keine Rolle: „Der VfB Stuttgart möchte sich grundsätzlich und nach aller Möglichkeit nicht für den Ausschluss von Fans einer Gastmannschaft aussprechen“, teilt der Verein auf Nachfrage mit. „Als Verein stehen wir für gelebte Fankultur und für die verbindende Kraft des Fußballs.“

Anders hatte das ursprünglich der englische Club Aston Villa gehandhabt und israelische Fans drei Wochen vor der Partie ausgeschlossen. Begründet wurde die Entscheidung mit einer Empfehlung der sogenannten Sicherheitsberatungsgruppe (SAG). Die Entscheidung hatte in England für heftige Reaktionen gesorgt, der Verein aus Birmingham nahm den Fan-Ausschluss daraufhin wieder zurück. Maccabi Tel Aviv wird dennoch ohne Anhänger zum Auswärtsspiel bei Aston Villa fahren. Der Club teilte mit, er werde auf das Gästekontingent bei der Partie am 6. November verzichten und keine Tickets an die eigenen Fans weitergeben.

Demonstrationen am Rande der Partie durchaus möglich

Der 26-fache israelische Meister schrieb von einer „toxischen Atmosphäre“, die gegen seine Anhänger gerichtet sei. „Das Wohlergehen und die Sicherheit unserer Fans haben oberste Priorität“, hieß es. Das ist auch Anliegen der Polizei in Stuttgart, die die Begegnung mit dem VfB als Hochrisikospiel eingestuft hat. Die Einschätzung beruhe auf Erkenntnissen zur Fanszene von Maccabi, deren Mitglieder „teilweise gewaltätig auftreten“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Verein, die Uefa als ausrichtender Verband sowie Polizei und Stadt stünden in regelmäßigem Austausch.

Eine Besonderheit der Begegnung zwischen dem VfB und Maccabi Tel Aviv sind mögliche Proteste im Umfeld des Spiels. Zuletzt hatte es bei Sportereignissen mit israelischer Beteiligung immer wieder propalästinensische Demonstrationen gegeben. Hintergrund ist das israelische Vorgehen im Gazastreifen. „Diese politische Komponente haben wir sonst bei Fußballspielen eher nicht“, sagt Widmann, „das haben wir im Blick und darauf bereiten wir uns vor.“ Dementsprechend werde auch die Innenstadt in den Fokus genommen – und zwar nicht nur am Spieltag selbst. „Die Gästefans sind vermutlich nicht nur für einen Tag in Stuttgart“, sagt Widmann.

Maccabi-Fans im vergangenen Jahr in Amsterdam.

Foto: IMAGO/Anadolu Agency

So oder so: Die Erkenntnisse der Polizei reichten bei Weitem nicht aus, um einen Fan-Ausschluss der Maccabi-Anhänger zu begründen, so Widmann. Teile der Fanszene von Maccabi gelten als rechtskonservativ bis rechtsextrem, zuletzt war das Stadtderby mit Hapoel Tel Aviv wegen Krawallen abgesagt worden – die Schuld daran sei „vorschnell unseren Fans“ zugeschrieben worden, teilte der Club mit.

Krawalle bei Maccabi-Partie in Amsterdam

In der Europa League fielen die Maccabi-Fans im vergangenen Jahr bei Ajax Amsterdam auf. Die Aggressionen waren von beiden Fanlagern ausgegangen, wie sich im Nachhinein herausstellte. Einerseits sollen israelische Ultras unter anderem eine palästinensische Flagge verbrannt haben und seien mit provozierenden Slogans durch die Stadt gezogen. Andererseits wurden Maccabi-Fans teils regelrecht verfolgt, die Polizei musste die Gäste zu ihren Hotels begleiten, es gab mehrere Verletzte.

Wie der VfB Stuttgart im Stadion auf mögliche Unruhestifter reagieren will, stehe derzeit noch nicht fest. „Wir werden frühzeitig vor dem Spiel breitgefächert alle relevanten Informationen kommunizieren“, heißt es. Die Polizei jedenfalls bereitet sich darauf vor, dass am Spieltag im Dezember deutlich mehr Kräfte im Einsatz sein werden als bei einem „gewöhnlichen“ Bundesliga-Spiel – und zwar rund ums Stadion, aber auch in der Stuttgarter Innenstadt.

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