Fußball und Politik: Fifa-Liebling Argentinien mit Falkland-Revanchismus

Argentinische Spieler wollen offenbar die Falkland-Inseln von Großbritannien „zurück“ haben.
THOMAS COEX/afpDas argentinische Team hat den Sieg im WM-Halbfinale gegen England auf dem Rasen mit einem politischen Plakat mit Bezug auf den Krieg um die Falklandinseln gefeiert. „Las Malvinas son argentinas“ («Die Malvinas sind argentinisch») war in Versalien in dunkler Schrift auf einem weißen Laken zu lesen, das unter anderem Mittelfeldspieler Giovani Lo Celso in der Hand hielt. Das Banner war auch auf den Zuschauerrängen zu sehen gewesen. Argentinien erreichte mit dem 2:1 das WM-Endspiel gegen Spanien.
„Und sie werden immer argentinisch sein“, erklärte Mittelfeldspieler Leandro Paredes, als er auf das Plakat angesprochen wurde. „Wir waren uns bewusst, was dieses Spiel für dieses Land bedeutete. Wir haben versucht, unser Land und all jene, die diesen traurigen Moment unserer Geschichte miterlebt haben, zu repräsentieren, damit sie sich mit uns identifizieren und wir ein positives Bild vermitteln konnten“, sagte der Argentinier weiter.

Fanatische Anhänger vermischen Fußball und Nationalismus.
Rebecca Blackwell/AP/dpaFIFA verbietet politische Botschaften
Mit dem Spruch auf dem Plakat will Argentinien seine vermeintlichen Besitzansprüche auf die sogenannten Malvinas, wie die Inseln in Argentinien heißen, erklären. Argentinien und Großbritannien hatten 1982 mehr als 70 Tage lang Krieg um die Falklandinseln vor der Küste Argentiniens geführt. Dabei starben rund 1000 Soldaten. Die Inseln sind seit 1833 britisches Überseegebiet. Bis heute weigert sich Großbritannien, über den Anspruch auf die Malvinas zu verhandeln.
Schweiz und Ägypten – Schiedsrichter für Argentinien?
Der Weltverband FIFA verbietet Spielern und Offiziellen rund um die WM-Spiele, politische Botschaften zu präsentieren. Dem argentinischen Team könnte damit Ärger drohen, auch wenn es ansonsten als Liebling des Weltverbands gilt und zumindest nach Auffassung von einigen Ägyptern und Schweizern auch manche Schiedsrichter auf seiner Seite haben soll.
Schon vor der Partie war die Erinnerung an den Falkland-Krieg sehr präsent gewesen. Argentiniens Trainer Lionel Scaloni hatte vor einer Vermischung des WM-Halbfinals mit dem Krieg gewarnt. Der auf Mallorca lebende und mit einer Spanierin verheiratete Scaloni hat eine Sensibilität dafür, dass Argentinien oft auch von anderen lateinamerikanischen Ländern als ausgesprochen arrogant wahrgenommen wird.
Anders die argentinische Vize-Präsidentin: „Wir spielen gegen die Piraten-Usurpatoren. Das ist kein Spiel wie jedes andere“, schrieb Victoria Villarruel auf X und kündigte an: „Ich werde nicht politisch korrekt sein oder mich zurückhalten. Gegen die Engländer geht es um mehr.“ Villarruels Vater hatte im Krieg um die Falklandinseln für Argentiniens Militärdiktatur gekämpft.
Verkauftes Argentinien-Spiel 1978?
Bei der WM 1978, die Argentinien im eigenen Land gewonnen hatte, war übrigens von mutmaßlicher Schiebung zu Gunsten des Regimes die Rede gewesen. Ein mit 6:0 gegen Peru gewonnenes Spiel steht bis heute unter Verdacht, da die Argentinier mindestens ein 4:0 brauchte. Die Diktatoren Videla (Argentinien) und Morales Bermúdez (Peru) sowie US-Außenminister Henry Kissinger sollen damals die Finger im Spiel gehabt haben. Dass das aktuelle Halbfinale gegen England verschoben worden sei, kann man indes nicht behaupten: Laut Beobachtern hat Argentinien verdient gewonnen.
