Beachvolleyball-Duo
: Reckermann: Bitteres Ende einer Traum-Ehe

Sie hatten alles erreicht – und dennoch viel vor. Doch alle sportlichen Pläne des Beachvolleyball-Duos Brink/Reckermann sind nun Makulatur. Rückenprobleme zwingen Letzteren zum Aufhören.
Von
Dirk Preiß
Stuttgart
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  • Zusammen mit Partner Julius Brink (links) schrieb Jonas Reckermann europäische Sportgeschichte: Die beiden holten als erstes Paar den Weltmeistertitel und olympisches Gold für den Kontinent. Sehen Sie in unserer Bildergalerie die wichtigstens Stationen einer steilen Karriere.

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  • Seit 2009 spielt das Gewinner-Duo Julius Brink und Jonas Reckermann zusammen. Bereits in ihrer ersten gemeinsamen Saison holten sie den Weltmeister-Titel.

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  • Julius Brink (links) und Jonas Reckermann jubeln 2009 in ihrem Viertelfinalspiel gegen die Brasilianer Santos und Rego bei der Beach-Volleyball-WM in Stavanger Norwegen. Sie bleiben auf Erfolgskurs und gewinnen auch das Open-Turnier in Rom, das Masters in Berlin sowie die Grand Slams in Gstaad und in Moskau. Brink und Reckermann werden daraufhin FIVB Tour Champion und "Team of the year 2009".

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  • Jonas Reckermann beginnt seine Karriere erst als Volleyballspieler beim TV Jahn Rheine und wechselt 1997 zum USC Münster. Drei Jahre später geht er zum SV Bayer Wuppertal. Von 2001 bis 2005 spielt Reckermann mit seinem damaligen Beachvolleyball-Partner Markus Dieckmann. Zu den Erfolgen des Duos zählen Titel bei den Europameisterschaften 2002 in der Schweiz und 2004 in Deutschland.In den Jahren 2007 und 2008 spielt Reckermann mit Mischa Urbatzka, bevor er 2009 mit seinem letzten Beachvolleyball-Partnerr Julius Brink zusammen kommt.

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  • Julius Brink beginnt seine Karriere 1988 als Hallen-Volleyballer bei Bayer Leverkusen und wechselt erst 1999 zum Beachvolleyball. Mit seinem Partner Niklas Rademacher wird er Dritter bei der U19-EM. Der Erfolg stellt sich 2005 mit dem Partner Kjell Schneider beim World-Tour-Turnier in Espinho und bei der Weltmeisterschaft in Berlin ein. Gemeinsam mit Christoph Diekmann gewinnt er schließlich die deutsche Meisterschaft, wird in Den Haag Europameister und siegt bei der World Tour in Espinho und Vitória.

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  • Bei der Weltmeisterschaft 2011 in Rom holten Julius Brink und Jonas Reckermann die Bronze-Medaille.

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  • Bei der Beachvolleyball-Europameisterschaft 2011 gewinnen Brink und Reckermann im Finale gegen das ebenfalls deutsche Team Jonathan Erdmann und Kay Matysik.

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  • Brink und Reckermann können 2012 nicht nur ihren Titel bei der Beachvolleyball-EM in Scheveningen (Niederlande) erfolgreich verteidigen. Sie krönen ihren Erfolg bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London mit einer Goldmedaille.

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  • Damit sind Julius Brink und Jonas Reckermann die ersten Europäer, die eine Goldmedaille im Beachvolleyball bei Olympischen Spielen gewannen.

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  • Erschöpft aber glücklich feiert das Beachvolleyball-Duo den olympischen Erfolg.

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  • Auch am Flughafen in Köln ließen sich die Olympiasieger nach ihrer Rückkehr aus London feiern.

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  • Bei der Wahl zum "Sportler des Jahres" wird das Traumduo 2012 als "Mannschaft des Jahres" ausgezeichnet.

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  • Nach ihrer Wahl zur "Mannschaft des Jahres" haben Julius Brink und Jonas Reckermann zusammen mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein (ganz links) und Moderator Rudi Cerne (ganz rechts) gut lachen. Außerdem gewinnen die Beachvolleyballer 2012 einen Bambi in der Kategorie Sport.

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  • So sehen Sieger aus: Jonas Reckermann und Julius Brink feiern mit Cheerleadern ihren Sieg bei Olympia.

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  • Wegen Rückenschmerzen muss Olympiasieger Jonas Reckermann nun seine Beachvolleyball-Karriere beenden.

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Stuttgart/Köln - Bis zum vergangenen Sommer hatten sich ja nicht besonders viele Fernsehzuschauer dafür interessiert, erwachsenen Männern beim Spielen im Sand zuzusehen. Doch dann wurde das Olympiafinale im Beachvolleyball übertragen – und über neun Millionen Deutsche sahen zu, wie sich alles änderte. Julius Brink und Jonas Reckermann holten in London als erstes europäisches Beachvolleyballteam Gold, präsentierten sich fortan als freches und unterhaltsames Duo und machten viel Lust auf mehr: auf eine Fortsetzung 2013 und eine mögliche Wiederholung des Triumphs 2016 ausgerechnet am Strand von Rio de Janeiro. „Das wäre eine Riesensache gewesen“, sagte am Donnerstag Jonas Reckermann. In dem Wissen: Daraus wird nichts.

Schon einmal hatte der Zwei-Meter-Schlaks ein Jahr lang wegen Rückenproblemen pausieren müssen, im vergangenen Herbst war eine Schulter-Operation unumgänglich, dennoch plante der 33-Jährige die Fortsetzung der Karriere – bis eine erneute Untersuchung des lädierten Rückens ein Umdenken erforderte. Eine Zyste im Rückenmarkkanal drückt auf einen Nerv der Lendenwirbelsäule, Reckermanns Arzt Antonius Kass warnt vor „irreversiblen Schäden“, weshalb sich der Volleyballer für ein sofortiges Ende der Profilaufbahn entschied – wenn auch widerwillig. „Die Entscheidung fällt mir sehr schwer, ich hätte gerne mit Julius weitergespielt“, sagte Reckermann, „aber Gesundheit kann man nicht kaufen, und die geht vor.“ Damit stand das überraschende Ende einer sportlichen Traum-Ehe fest. Was allseits bedauert wurde.

Letzter Schritt eines gemeinsamen Weges

„Es ist eine betrübliche Nachricht für den gesamten deutschen Sport“, sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der das Duo als „Aushängeschild der Olympiamannschaft“ würdigte. Julius Brink erklärte: „Die Entscheidung ist bitter, aber ich habe vollstes Verständnis für diesen Schritt.“ Den vorerst letzten eines langen gemeinsamen Weges.

2009 entschieden sich die beiden Rheinländer für eine gemeinsame Karriere und schafften sich Rahmenbedingungen, die allerhöchsten Maßstäben genügen. Management, Mediziner, Athletikcoach, Volleyballtrainer, psychologische Betreuung – jeder Teilbereich des Projekts ist mit Experten besetzt. Was zu einer einzigartigen Karriere führte. Weltmeister, zweimal Europameister, als Höhepunkt Gold bei den Sommerspielen von London. „Es hat einfach alles gepasst“, sagte Reckermann und fügte hinzu: „Auch charakterlich.“

Getrennte Wege im Privaten

Der Block-Spezialist galt mit seiner ruhigen und besonnenen Art als Gegenpol zum emotionalen Julius Brink. Sportlich ergänzten sie sich sowieso, und abseits des Sandkastens gönnten sich die beiden trotz aller Sympathie füreinander viele Freiheiten und gingen sich auch immer wieder bewusst aus dem Weg. Umso intensiver war das Verfolgen gemeinsamer sportlicher Ziele. „Julius ist ein unglaublicher Kämpfertyp“, lobte Reckermann seinen Ex-Partner zum Abschied, „mit ihm ist es nie langweilig.“

Unterhaltsam soll das Leben des Rotschopfes auch nach Ende der aktiven Karriere bleiben. Privat sorgen Ehefrau Katja und der Ende 2012 geborene Sohn Emil dafür. Beruflich wird Reckermann dem Team um Brink und dessen neuem Partner Sebastian Fuchs erhalten bleiben – in welcher Form auch immer. Klar ist für Jonas Reckermann nur: „Wir werden keine getrennten Wege gehen.“ Es muss sich ja nicht schon wieder alles ändern.