Mehr als Hälfte des Einkommens geht an den Staat
: Von einem Euro Einkommen bleiben 47 Cent

Verkehrsinfrastruktur, Rentensystem, politische Institutionen: Der Staat übernimmt vieles, was Einzelne nicht leisten könnten. Das kostet die Steuerzahler in Deutschland mehr als in vielen anderen Ländern.
Von
Markus Brauer/AFP/dpa
Stuttgart
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Formulare für die Einkommenssteuererklärung mit Anlagen liegen auf einem Schreibtisch: Der Bund der Steuerzahler kritisiert die staatliche Abgabenlast in Deutschland als zu hoch.

Martin Schutt/dpa/Martin Schutt

Steuerzahler führen durchschnittlich mehr als die Hälfte ihres Einkommens durch Steuern und Beiträge an öffentliche Kassen ab. Von einem Euro Einkommen bleiben nach Abzug aller Abgaben einer Berechnung des Steuerzahlerbundes zufolge im Schnitt 47 Cent.

Exakt 47,4 Cent bleiben Arbeitnehmern in Deutschland von 1 Euro Einkommen.

Foto: Bund der Steuerzahler

53,6 Prozent-Abgaben für eine Single

  • Single-Haushalte sind demnach mit rund 53,6 Prozent überdurchschnittlich belastet. 
  • Bei Mehrpersonen-Haushalten fällt die Belastung mit 52,3 Prozent im Vergleich etwas niedriger aus.
  • Steuerzahlerbund: Abgabenlast zu hoch

    Insgesamt sei die Steuer- und Abgabenbelastung in Deutschland im internationalen Vergleich zu hoch, moniert der Steuerzahlerbund. Europaweit sei diese bei Single-Haushalten hinter Belgien die zweithöchste, bei Mehrpersonen-Haushalten die dritthöchste.

    „Wir brauchen eine sehr dringliche und tiefgreifende Diskussion über unseren Einkommenssteuertarif, insbesondere zugunsten der Mittelschicht“, sagt Steuerzahlerbund-Präsident Reiner Holznagel. Außerdem sollten die Umsatzsteuersätze auf alle lebensnotwendigen Güter des täglichen Bedarfs, also auch Strom und Heizung, auf sieben Prozent sinken.

    Kritik am Steuerzahler-Berechnung

    Kritiker bemängeln, dass bei diesen Berechnungen die Gegenleistung des Staates für gezahlte Steuern und Sozialabgaben nicht berücksichtigt werde. Ohne diese müssten die Bürger viel Geld etwa für die Krankheitsvorsorge ausgeben. Sozialabgaben flössen etwa in Form von Rente später wieder an die Zahler zurück.

    Vereins-Präsident Holznagel betont, es solle nicht der Eindruck entstehen, dass Steuern und Abgaben verschwendet oder falsch ausgeben würden. „Durch die Zahlungen von Steuern und Abgaben finanzieren wir Bürger ein starkes und soziales Sicherungssystem. Deshalb fließt ein erheblicher Teil direkt durch staatliche Leistungen, durch Versorgungsansprüche und Wohlfahrt direkt an die Bürger zurück.“

    Allerdings sei hier einiges an „Effizienzgewinn“ möglich. Zunächst einmal gehe es dem Bund der Steuerzahler darum, Transparenz herzustellen. Es müsse aber auch viel mehr über steuerliche Entlastungen gesprochen werden. Es müsse alles dafür getan werden, dass die Belastungsquote unter 50 Prozent sinke.

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