Literaturnobelpreis
: Anne Carson hat auch in Berlin gewirkt

Die Autorin  verbindet  griechische Mythen mit Liebe, Verlust und Gegenwart. Nun erhält die Kanadierin den wichtigsten Literaturpreis.
Von
Christian Gottschalk
Stuttgart
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SWEDEN-NOBEL-AWARD-LITERATURE: (ALTERNATIVE CROP) - Canadian writer Anne Carson attends the 75th National Book Awards at Cipriani Wall Street on November 20, 2024 in New York City. The Nobel Prize in Literature was awarded to Canadian poet Anne Carson, an essayist and classicist who brings a modern twist to mysticism and antiquity in her writings about love, desire and despair. The 76-year-old was honoured "for her bold and inventive oeuvre that, in playful dialogue with the classical tradition, has created new forms for contemporary literature," the Swedish Academy said. (Photo by Dimitrios Kambouris / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / AFP)

Die kanadische Schriftstellerin Anne Carson

DIMITRIOS KAMBOURIS/afp
  • Anne Carson erhält den Literaturnobelpreis für ein kühnes, erfinderisches Werk.
  • Die Kanadierin verbindet griechische Mythen mit Liebe, Verlust und Gegenwart.
  • Sie studierte Antike, lehrte in Nordamerika und war Fellow in Berlin.
  • Dort übersetzte sie Aischylos’ „Der gefesselte Prometheus“ in eine zeitgenössische Fassung.
  • Carlberg zitierte Carson: Sie sei überrascht und höre in Island dem Wind zu.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist eine Kandidatin, die bei den Buchmachern ganz vorne gelegen ist. Anne Carson galt in den Wettbüros als eine der Top-Favoritinnen für den Literaturnobelpreis, nun hat sie die Ehrung auch tatsächlich erhalten. Das Nobelkomitee in Stockholm ist somit einer Art inneren Logik treu geblieben. In den letzten Jahren wurden die Auszeichnungen immer abwechselnd einem Mann und einer Frau zu Teil. Carson ist allerdings die erste Preisträgerin in diesem Jahr – die zuvor vergebenen Nobelpreise in den Naturwissenschaften gingen allesamt an Männer.

Aus Kanada nach Berlin

Carson wurde 1950 in Toronto geboren. Sie studierte dort Literatur der Antike und war anschließend Professorin an verschiedenen nordamerikanischen Universitäten. Deutschland ist ihr nicht unbekannt: Vor 20 Jahren war Carson Fellow an der American Academy in Berlin. Während ihres Aufenthalts fertigte sie eine zeitgenössische Übersetzung von Aischylos’ Tragödie „Der gefesselte Prometheus“ an. Aischylos“, schreibt sie auf der Webseite der Akademie, „ist vielleicht der am schwierigsten zu vermittelnde griechische Tragödiendichter für ein modernes Publikum, aufgrund des ungemein originellen Wagemuts seiner Sprache, verbunden mit einer extrem archaischen Brutalität des Denkens.“

„Kühnes und erfinderisches Werk“

Die 76-Jährige bekommt die Auszeichnung für ihr „kühnes und erfinderisches Werk, das im spielerischen Dialog mit der klassischen Tradition neue Formen für die zeitgenössische Literatur geschaffen hat“, wie die Ständige Sekretärin der Akademie, Ingrid Carlberg, bei der Verkündung sagte. Sie habe kurz mit der Preisträgerin am Telefon sprechen können, sagte Carlberg. „Sie war sehr überrascht. Wir hatten nicht viel Zeit zu sprechen, aber sie hat mir erzählt, dass sie gerade in Island ist, um dem Wind zuzuhören.“

Anne Carson erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, darunter den Lannan Award, und den Pushcart Prize for Poetry. Für ihr 2001 erschienenes Werk „Die Schönheit des Ehemanns“ wurde sie mit dem T.S. Eliot Prize for Poetry ausgezeichnet. Der Literaturnobelpreis ist wie die anderen Nobelpreise in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen und damit einer Million Kronen mehr als in den Vorjahren dotiert. Umgerechnet entspricht das Preisgeld mehr als einer Million Euro.