Revolution vs Restauration: Bisher sind sozialistische Träumereien noch immer an der Realität zerschellt

Geschichte ist keine Zugfahrt, die man einfach beschleunigen (progressiv), anhalten (konservativ) oder umkehren (reaktionär) kann. Sie ist ein Prozess, in dem man das Zusammenleben mit anderen durch Interaktion mit seiner sozialen und natürlichen Umwelt erlernt.
Imago/Shotshop- Der Text diskutiert: Ist der Mensch eher konservativ oder progressiv geprägt?
- Geschichte verläuft als Lernprozess – nicht als Zugfahrt mit Stopp, Rück- oder Vorspulen.
- Utopien kippen oft in ihr Gegenteil; Beispiel: Gewalt der Bolschewiki bei der Umsetzung.
- Naturzustand bleibt Fiktion, betonen Hobbes und Rousseau auf unterschiedliche Weise.
- Menschen vereinen Bewahren und Wandel – Hannah Arendt: Revolutionäre werden später konservativ.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Mensch hegt und pflegt seine Traditionen und strebt zugleich nach revolutionären Umwälzungen. Sein Leben entfaltet sich im Spannungsfeld von Kontinuität und Fortschritt, Identität und Bilderstürmerei.
- Konservative haben sich die Bewahrung bestehender Ordnungen zum Ziel gesetzt.
- Sozialisten propagieren den permanenten Fortschritt.
- Utopisten glauben an die Vision einer perfekten Gesellschaft. Das Tragische ist, dass Utopien sich in ihr Gegenteil verkehren, sobald man versucht sie zu verwirklichen.
Utopie und Realität
Das kommunistische Paradies, von dem Karl Marx (1818-1883) einst träumte, ist hierfür das beste Beispiel. Da sich die Utopie der klassenlosen Gesellschaft in Russland nicht auf friedlichem Wege verwirklichen ließ, griffen die Bolschewiki unter Führung von Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924) zur Gewalt.

Karl Marx
Foto: Imago/H.Tschanz-HofmannDas führte zu einer dramatischen Verschlechterung der Lebensverhältnisse und zu noch mehr Gewalt, um den Widerstand in der Bevölkerung zu brechen. Aus Revolutionären wurden linke Reaktionäre, die mit allen Mitteln versuchten das Eroberte zu bewahren und gegen jede Veränderung zu verteidigen.
Zivilisation und Urzustand
Die Frage, ob der Mensch von Natur aus konservativ ist, setzt voraus, dass es einen Naturzustand gibt. In der Philosophiegeschichte hat man darüber immer wieder nachgedacht.

Thomas Hobbes
Foto: Imago/Heritage Images
Leben und Lernen
Dieser Zustand, der am Anfang der Menschheitsgeschichte steht, ist jedoch genauso Fiktion wie eine lineare geschichtliche Entwicklung. Die Zukunft ist keine verlängerte Gegenwart. Was geschehen wird, ist weder vorhersehbar oder logisch zu ergründen, noch kann es aus der Historie erschlossen werden.
Geschichte ist keine Zugfahrt, die man einfach beschleunigen (progressiv), anhalten (konservativ) oder umkehren (reaktionär) kann. Sie ist ein Prozess, in dem man das Zusammenleben mit anderen durch Interaktion mit seiner sozialen und natürlichen Umwelt erlernt.
Bewahren und Entdecken
Der Begriff konservativ kommt vom Lateinischen „conservare“ (erhalten, bewahren). Wäre der Mensch von Natur aus konservativ, würde ihn dies hindern, die Welt zu entdecken und von ihr zu lernen.

Büste des deutschen Philosophen Ernst Bloch im Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen.
Foto: Imago/epdDer Mensch ist von Natur aus beides: konservativer Rebell und revolutionärer Konservativer. Konservativ und progressiv, rechts und links sind reziproke Begriffe und bedingen sich wechselseitig. Der Mensch befindet sich in einem lebenslangen Lernprozess mit der ihn umgebenden Gesellschaft – von der er selbst ein Teil ist – , die ihn prägt und die er prägt.
Links und Rechts
Was Menschen voneinander unterscheidet, ist der Grad der Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen:
- Der Konservative duldet Fortschritt häppchenweise und nur dann, wenn Strukturen, Werte und Zustände sich vorsichtig und schrittweise verändern.
- Der Progressive drückt aufs Tempo und will den Lauf der Geschichte beschleunigen.
- Der Reaktionär will die Uhr zurückdrehen und den „Status quo ante“, einen idealisierten Zustand, wiederherstellen.

Hannah Arendt
Foto: Imago/Bridgeman ImagesWelcher Typ man ist, hängt ab von der genetischen Disposition und Persönlichkeitsentwicklung, dem sozialen Umfeld, Intelligenzgrad oder Bildungsniveau. Ob der Einzelne eine Abneigung gegenüber Revolutionen hegt oder alles radikal zum Besseren wenden will, wird ihm nicht in die Wiege gelegt. Seine Haltung und Einstellung entwickeln und verändern sich, werden erlernt und erprobt, überprüft und verworfen. Sobald er seine Ziele erreicht hat, wird er versuchen das Erworbene abzusichern.
Egal, ob er sich das Etikett Linker oder Rechter zulegt. „Der radikalste Revolutionär“, sagt die Philosophin Hannah Arendt (1906–1975), „wird ein Konservativer am Tag nach der Revolution.“
