Zukunft des Reisens
: Urlaubsgefahren: Klimawandel macht Sommerurlaub risikanter

Von Mücken übertragene Viren, gefährliche Bakterien im Meer, Extremhitze in Städten: Der Klimawandel wirkt sich konkret auf den Sommerurlaub aus.
Von
Markus Brauer
Berlin
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Der Strand in der Nähe der Stadt Elias auf der griechischen Insel Mykonos im Mittelmeer.

Der Strand in der Nähe der Stadt Elias auf der griechischen Insel Mykonos im Mittelmeer.

Sven Hoppe/dpa
  • Klimawandel erhöht Reiserisiken: Hitze, neue Krankheitsüberträger und veränderte Gewässer.
  • Tigermücke breitet sich bis Süddeutschland aus, Chikungunya erstmals im Elsass übertragen.
  • Warmes Wasser fördert Blaualgen und Vibrionen – Behörden warnen vor Badestellen bei Gefahr.
  • In Alpen mehr Steinschlag und unberechenbares Wetter, alte Toureninfos taugen oft nicht.
  • Städte heizen sich stark auf, Waldbrandrauch und mehr UV erhöhen Gesundheitsbelastung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Europa erwärmt sich seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Es ist der Kontinent mit der stärksten Erwärmungsrate weltweit. Das bleibt nicht ohne Folgen für Millionen Urlauber. Tropische Krankheitserreger dringen nach Norden vor, Badeseen und Küstengewässer verändern sich, Hitzewellen treffen Städte härter als je zuvor. Sieben Fragen und Antworten zu wachsenden Reiserisiken durch den Klimawandel:

Sind Dengue oder Chikungunya in Europa ein Thema?

Ja. Die exotisch klingenden Virus-Erkrankungen werden von der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) übertragen, die sich seit Jahren auch in Europa rasch ausbreitet. Vor zehn Jahren war sie in 114 EU-Regionen nachgewiesen, inzwischen sind es 384 – in 16 EU-Ländern. Dazu zählt auch der Süden Deutschlands, wie die zuständige EU-Agentur ECDC im April meldete.

Eine Frau sprüht in der chiensischen Stadt Nanning Pestizide gegen Moskitos.

Eine Frau sprüht in der chiensischen Stadt Nanning Pestizide gegen Moskitos.

Imago/VCG

Im vergangenen Sommer wurde Chikungunya erstmals im Elsass nahe der deutschen Grenze lokal übertragen – die bislang nördlichste dokumentierte Übertragung in Europa. Mückenschutz sollte deshalb vor allem bei Mittelmeerreisen so selbstverständlich werden wie Sonnencreme, rät die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR).

Sind die Badegewässer sicher?

Insgesamt hat sich die Qualität von Badegewässern seit 2010 eher verbessert, wie eine Auswertung der EU zeigt.

Wärmere Gewässer bieten aber Cyanobakterien – umgangssprachlich Blaualgen genannt, auch wenn es keine Algen sind – ideale Wachstumsbedingungen. In der Natur sieht das oft grün aus und kann an Erbsensuppe oder Entengrütze erinnern.

Ein Schild warnt an einem See in Baden-Württemberg wegen giftigen Blaualgen vor dem Baden.

Ein Schild warnt an einem See in Baden-Württemberg wegen giftigen Blaualgen vor dem Baden.

Imago/Steinach

Cyanobakterien bilden Giftstoffe, die bei Hautkontakt reizen und beim Verschlucken zu Übelkeit, Erbrechen und in schweren Fällen zu Leberschäden führen können. Betroffen sind zunehmend auch Badeseen in Deutschland und Mitteleuropa, nicht nur im Mittelmeerraum. Werden gesundheitsgefährdende Konzentrationen von Blaualgen-Toxinen an Badestellen gemessen, erlassen die örtlichen Behörden Warnungen und auch Badeverbote.

Ist Baden an der Ostsee gefährlich geworden?

Die Ostsee erwärmt sich nach Aussage von Forschern des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel schneller als die meisten Meeresökosysteme der Welt. Das begünstigt die Ausbreitung von Vibrionen, Bakterien, die sich bei Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad Celsius stark vermehren.

Vibrionen sind in der Ostsee jedes Jahr im Sommer einen ernstzunehmende Gesundheitsgefahr.

Vibrionen sind in der Ostsee jedes Jahr im Sommer einen ernstzunehmende Gesundheitsgefahr.

Imago/Marc Stinger

Für gesunde Menschen ist das Risiko gering. Ältere Menschen und solche mit geschwächtem Immunsystem oder offenen Wunden können beim Kontakt mit Vibrionen aber schwere Wundinfektionen und im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung davontragen. Auch die Nordsee sei vereinzelt betroffen, meldet das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Was hat sich für Bergwanderer in den Alpen verändert?

Gletscherschmelze, auftauende Permafrostböden und häufigere Extremwetterereignisse machen Bergtouren unberechenbarer. Routen, die früher im Sommer problemlos begehbar waren, haben dem Deutschen Alpenverein zufolge inzwischen nur noch im Frühjahr oder Herbst sichere Verhältnisse.

Felsstürze und Steinschlag nehmen zu, Wetterlagen sind schwerer vorherzusagen. Auf Informationen aus älteren gedruckten Karten und Wanderführern könne man sich nicht verlassen, so die Warnung.

Das Wandern in den Alpen ist vielerorts durch den Klimawandel beeinträchtigt. So führt etwas das Auftauen des Permafrosts zu mehr Steinschlag.

Das Wandern in den Alpen ist vielerorts durch den Klimawandel beeinträchtigt. So führt etwas das Auftauen des Permafrosts zu mehr Steinschlag.

Imago/Imagebroker

Sind Städtereisen im Hochsommer noch möglich?

Europäische Metropolen heizen sich durch dichte Bebauung, versiegelte Flächen und wenig Grün stark auf und kühlen nachts kaum ab – der sogenannte Hitzeinseleffekt, wie ihn der EU-Klimawandeldienst Copernicus beschreibt. Prognosen zufolge werden Städte wie etwa Madrid, Athen, Rom und Budapest immer häufiger von extremen Hitzeereignissen betroffen sein.

Für ältere Menschen, Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen, Schwangere sowie Säuglinge kann das die Gesundheit gefährden. Die DFR-Reisemediziner empfehlen deshalb, Reisezeiten und Reiseziele anzupassen, Städtetrips also vor allem außerhalb der Hochsommermonate zu unternehmen.

Ohne Sonnenschutz geht in Athen im Sommer nichts mehr.

Ohne Sonnenschutz geht in Athen im Sommer nichts mehr.

Imago/Anadolu Agency

Inwieweit betreffen Waldbrände die Gesundheit?

Durch längere Dürreperioden und ausgetrocknete Böden infolge steigender Temperaturen steigt die Gefahr großflächiger Waldbrände vor allem in Südeuropa und rund ums Mittelmeer.

Aber auch in Deutschland schafft die Trockenheit Bedingungen, unter denen sich Feuer schnell ausbreiten können. Rauch und Feinstaub aus Waldbränden verunreinigen die Luft weiträumig und belasten so die Atemwege, auch wenn das Feuer selbst weit entfernt ist.

Für Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen kann dies Probleme verursachen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind auch Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Personen mit Herz‑ oder Lungenerkrankungen besonders gefährdet.

Ein Wald brennt in Carcastillo, Navarra, in Spanien (Archivbild).

Ein Wald brennt in Carcastillo, Navarra, in Spanien (Archivbild).

Eduardo Sanz/EUROPA PRESS/dpa

Steigt das UV- und Hautkrebs-Risiko im Urlaub?

Höhere Temperaturen verleiten zu längerem Aufenthalt im Freien, oft ohne ausreichenden Sonnenschutz. Hinzu kommt, dass die Zahl der Sonnenstunden in vielen Regionen zugenommen hat - auch in Deutschland.

Ein Bad in der prallen Sonne am Strand ist mittlerweile hochriskant.

Ein Bad in der prallen Sonne am Strand ist mittlerweile hochriskant.

Imago/Zoonar

„Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) lassen deutlich erkennen, dass sich die Anzahl an Sonnenscheinstunden aufs Jahr gesehen im linearen Trend erhöht - von 1951 bis 2021 um 132 Stunden“, schreibt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

„Mehr Sonnenscheinstunden bedeuten mehr Zeit, in der UV-Strahlung ungehindert die Erdoberfläche erreichen kann.“ Damit könne die individuelle UV-Strahlungsbelastung steigen. Dies wirkt sich wiederum auf das Hautkrebs-Risiko aus. (dpa-Material, Katja Räther)