Trockenheit in Deutschland
: Warum regnet es nicht?

Die Natur in Deutschland braucht dringend Regen. Doch warum kommt er nicht? Das sind die Ursachen.
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Trockenheit: ARCHIV - 19.06.2023, Bayern, Coburg: Der Boden auf einer Wiese hat Risse bekommen und das Gras ist trocken. Die Wasserwirtschaft in Bayern steht unter Druck.  (zu dpa: «Grundwasser in Bayern wird weniger») Foto: Daniel Vogl/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Deutschland braucht dringend Regen.

Daniel Vogl/dpa

Deutschland erlebt erneut eine ausgeprägte Trockenphase. Besonders im Süden, Südwesten und Westen fehlt seit Monaten Niederschlag. Felder trocknen aus, Flüsse führen wenig Wasser und die Waldbrandgefahr steigt. Doch warum bleibt der Regen eigentlich aus?

Der entscheidende Grund liegt in der großräumigen Wetterlage über Europa: Regenbringende Tiefdruckgebiete erreichen Deutschland derzeit zu selten. Stattdessen bestimmen immer wieder Hochdruckgebiete das Wetter.

Hochdruck hält den Regen fern

Damit es in Deutschland über längere Zeit flächendeckend regnet, müssen feuchte Luftmassen und Tiefdruckgebiete vom Atlantik nach Mitteleuropa gelangen. Genau dieser Mechanismus funktioniert während ausgeprägter Trockenperioden nur eingeschränkt.

Ein stabiles Hochdruckgebiet sorgt dafür, dass Luft großräumig absinkt. Dabei erwärmt sie sich und Wolkenbildung wird erschwert. Gleichzeitig können solche Hochdruckgebiete die Zugbahnen atlantischer Tiefs verändern.

Der US-Meteorologe Brian Shields beschreibt dieses Muster in seinem Video „What Happened to the Rain in Europe?“ als einen wesentlichen Grund für die Trockenheit in weiten Teilen Europas: Ein dominantes Hoch halte die eigentlichen Sturm- und Tiefdruckbahnen weiter nördlich.

Damit zieht ein erheblicher Teil der regenbringenden Wetterfronten über den Nordatlantik in Richtung Island oder Skandinavien. Mittel-, West- und Teile Südeuropas bleiben dagegen häufiger unter Hochdruckeinfluss.

Der Jetstream verläuft zu weit im Norden

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Jetstream. Dieses Starkwindband in mehreren Kilometern Höhe beeinflusst maßgeblich, auf welchen Wegen Hoch- und Tiefdruckgebiete über den Atlantik und Europa ziehen.

Verläuft der Jetstream weit nördlich, werden auch viele Tiefdruckgebiete nach Norden gelenkt. Deutschland gerät dann seltener unter den Einfluss ausgedehnter Regengebiete.

Problematisch wird es vor allem, wenn sich eine solche Wetterlage über längere Zeit kaum verändert. Dann kann aus einigen trockenen Tagen eine mehrwöchige oder sogar monatelange Trockenphase werden.

Dass Deutschland derzeit tatsächlich ein erhebliches Niederschlagsdefizit aufgebaut hat, zeigen die Daten des Deutschen Wetterdienstes. Seit März 2026 liegen die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland unter dem Durchschnitt. In Teilen Süddeutschlands fiel bis Ende Juli nicht einmal die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge.

Auch das Umweltbundesamt beschreibt das Frühjahr 2026 als deutlich zu trocken: Deutschlandweit fielen lediglich 126 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das waren nur rund 74 Prozent des Mittels der Referenzperiode 1991 bis 2020. In Bayern wurden sogar lediglich 45 Prozent der sonst üblichen Regenmenge erreicht.

Gewitter lösen das Problem nicht

Ganz ohne Regen ist Deutschland allerdings nicht. Immer wieder entstehen lokale Schauer und Gewitter. Doch genau darin liegt ein weiterer Teil des Problems.

Gewitter können innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen bringen, treffen aber oftmals nur kleine Gebiete. Wenige Kilometer entfernt kann praktisch kein Regen fallen. Für die großflächige Bodenfeuchte sind solche Ereignisse deshalb kein Ersatz für mehrere Stunden oder Tage anhaltenden Landregen.

Der Deutsche Wetterdienst berichtet, dass sich seit Ende Juni einzelne Schauer und Gewitter mit längeren trockenen Phasen abwechseln. Vor allem im Westen, Südwesten und in der westlichen Mitte blieben die Niederschlagsmengen trotzdem gering. Gleichzeitig sorgte die Hitze für eine sehr hohe Verdunstung.

Hinzu kommt: Sind Böden bereits stark ausgetrocknet, können intensive Niederschläge schlechter genutzt werden als länger anhaltender mäßiger Regen. Ein Teil des Wassers fließt oberflächlich ab, während hohe Temperaturen gleichzeitig die Verdunstung erhöhen.

Die Trockenheit hat sich über Monate aufgebaut

Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie viel es an einem einzelnen Tag regnet. Die aktuelle Dürre ist das Ergebnis eines über Monate entstandenen Defizits.

Schon der Winter 2025/26 war deutlich zu trocken. Nach Angaben des Umweltbundesamtes erreichte die Niederschlagsmenge lediglich rund 71 Prozent des Mittels der Jahre 1991 bis 2020. Danach folgte ein ebenfalls trockenes Frühjahr. Dadurch konnten sich die Wasservorräte in Böden und Grundwasser vielerorts nicht ausreichend regenerieren.

Im Juli verschärfte sich die Situation weiter. Deutschlandweit fiel nur wenig mehr als die Hälfte der für den Monat üblichen Niederschlagsmenge. Besonders extrem war die Lage im Westen und Südwesten. In Nordrhein-Westfalen war es sogar der trockenste Juli seit Beginn der Messungen im Jahr 1881.
Damit reicht selbst ein einzelnes kräftiges Regenereignis inzwischen kaum noch aus, um das Defizit auszugleichen.

Klimawandel verschärft die Folgen

Ein einzelnes Hochdruckgebiet ist zunächst Wetter und nicht automatisch Klimawandel. Allerdings verändert die globale Erwärmung die Bedingungen, unter denen solche Trockenperioden stattfinden.

Höhere Temperaturen steigern die Verdunstung. Böden verlieren damit schneller Wasser, Pflanzen benötigen mehr Feuchtigkeit und Trockenperioden wirken stärker als unter kühleren Bedingungen.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Abnahme der Bodenfeuchte in Deutschland ein langfristiger Prozess ist, der vom Klimawandel beeinflusst wird. Bei vergangenen Hitzesommern wurden zudem Zusammenhänge zwischen ungewöhnlichen Jetstream-Mustern und lang anhaltenden Extremwetterlagen untersucht.

Auch der Deutsche Wetterdienst verweist für die aktuelle europäische Dürre auf Attributionsstudien. Demnach sind landwirtschaftliche Dürren durch den menschengemachten Klimawandel in West- und Osteuropa inzwischen deutlich wahrscheinlicher geworden.