Sturzflut im Grand Canyon: Video zeigt die Zerstörungskraft des Wassers

Sturzflut im Grand Canyon: 29.08.2026, USA, Grand-Canyon-Nationalpark: Der Bright Angel Creek in der Nähe der Phantom Ranger Station im Grand Canyon, Arizona, nach einer Sturzflut infolge von Unwettern. Foto: Parth Desai/Parth Desai/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Parth Desai/AP/dpaEine schwere Sturzflut hat Teile des Grand-Canyon-Nationalparks im US-Bundesstaat Arizona verwüstet. Besonders betroffen sind der Bright Angel Canyon und das Gebiet rund um die Phantom Ranch tief im Inneren des Canyons. Dutzende Menschen mussten evakuiert werden, mehrere Wanderwege und Brücken wurden schwer beschädigt oder zerstört. Inzwischen suchen die Behörden zudem nach rund 15 Menschen, deren Aufenthaltsort noch nicht geklärt werden konnte.
Die Sturzflut setzte am Samstag, 29. August, gegen 14.30 Uhr Ortszeit ein. Nach Angaben des National Park Service waren bis Sonntagmorgen 62 Menschen aus der Phantom Ranch und vom unteren Abschnitt des North Kaibab Trail evakuiert worden. Weitere Personen sollten aus dem Cottonwood Campground und der Phantom Ranch ausgeflogen werden. Die Evakuierten wurden zum South Rim gebracht, wo das Amerikanische Rote Kreuz Unterstützung organisierte.
Rund 15 Menschen werden noch vermisst
Wie CBS News unter Berufung auf die Parkverwaltung berichtet, galten am frühen Montagmorgen rund 15 Personen weiterhin als vermisst beziehungsweise noch nicht als sicher lokalisiert. Die Zahl kann sich nach Angaben der Behörden noch verändern, wenn weitere Wanderer und Besucher erreicht werden. Der National Park Service bittet deshalb Menschen um Hinweise, die wissen, wer sich am Samstagnachmittag im Bright Angel Canyon, auf dem North Kaibab Trail, am Bright Angel Campground oder im Gebiet „The Box“ nördlich der Phantom Ranch aufgehalten hat.
Am Sonntagabend wurde zudem die Leiche eines 46 Jahre alten Mannes in der Nähe der Crystal Rapids am Colorado River geborgen. Nähere Angaben zu den Umständen seines Todes machte der National Park Service zunächst nicht.
Fußgängerbrücken von Flut zerstört
Das Ausmaß der Schäden im Canyon ist erheblich. Nahezu alle Fußgängerbrücken über den Bright Angel Creek wurden nach Angaben der Parkverwaltung zerstört. Dadurch ist es Wanderern an zahlreichen Stellen nicht mehr möglich, den Bach zu überqueren. Mitarbeiter des Nationalparks untersuchen weiterhin Schäden an Wegen, Brücken, Gebäuden und Versorgungseinrichtungen.
Meteorologe Justin Johndrow vom National Weather Service in Flagstaff sagte laut CBS News, in dem Gebiet seien innerhalb von ungefähr 30 Minuten etwa ein halber bis ein ganzer Zoll Regen gefallen – umgerechnet rund 13 bis 25 Millimeter. Wegen des steilen und felsigen Geländes sei ein großer Teil des Wassers praktisch sofort abgeflossen.
Auch große Felsbrocken, Metallteile und weitere Trümmer wurden von den Wassermassen mitgerissen und gelangten teilweise bis in den Colorado River. Die Parkverwaltung sperrte deshalb zeitweise auch den Flussverkehr in dem betroffenen Bereich.
Wichtige Wasserleitung beschädigt
Die Flut beschädigte außerdem die Transcanyon Waterline schwer. Die Leitung transportiert Wasser aus dem Canyon und ist für die Versorgung des Nationalparks von großer Bedeutung. Nach Angaben des National Park Service ist sie derzeit außer Betrieb. Dadurch stehen am South Rim nur begrenzte Wasservorräte zur Verfügung.
Als Folge gelten ab Montag, 31. August, besonders strenge Wassersparmaßnahmen. Übernachtungen in Hotels innerhalb des Parks am South Rim werden vorerst eingestellt. Betroffen sind unter anderem El Tovar, Bright Angel Lodge, Maswik Lodge, Yavapai Lodge und Trailer Village. Der Nationalpark bleibt jedoch für Tagesbesucher geöffnet. Unterkünfte außerhalb des Parks in Tusayan sind von der Maßnahme nicht betroffen.
Phantom Ranch und North Kaibab Trail geschlossen
Die Phantom Ranch, der Bright Angel Campground und der gesamte North Kaibab Trail zwischen dem nördlichen Ausgangspunkt und der Phantom Ranch bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Auch für mehrere weitere Bereiche im Inneren des Canyons gelten Einschränkungen. Einen Termin für die Wiedereröffnung der besonders stark betroffenen Abschnitte gibt es bislang nicht.
Die Gefahr ist zudem noch nicht vollständig vorüber. Für Teile Arizonas wurden weitere Gewitter und starke Regenfälle erwartet. Gesättigte Böden und die feuchte Monsunluft erhöhen das Risiko weiterer Sturzfluten. Auch Geröllströme, Steinschläge und kurzfristig veränderte Bedingungen auf Wanderwegen und am Colorado River sind möglich. Besucher sollten deshalb vor einer Tour unbedingt die aktuellen Warnungen und Sperrungen des National Park Service prüfen.
