„Sardflation“: Warum gibt es bei Aldi, Lidl & Co. keine Sardinen?

Sardinenfang in Südafrika.
RAJESH JANTILAL/afp- In Discountern und Supermärkten fehlen Sardinen, teils sind Regale komplett leer.
- Ursache sind schwierige Fangbedingungen in Marokko und an der Westsahara-Küste.
- Die Anlandungen sanken von rund 965.000 auf etwa 525.000 Tonnen – Exporte wurden beschnitten.
- Gleichzeitig treibt ein Social-Media-Hype die Nachfrage, Preise steigen spürbar.
- Alternativen mit ähnlichen Nährwerten: Hering, Makrele sowie heimische Süßwasserfische.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer in den letzten Wochen vor dem Fischkonservenregal bei Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka stand, hat sich vermutlich verwundert die Augen gerieben. Wo sich früher die handlichen, bunten Dosen mit Sardinen in Sonnenblumenöl, Tomatensoße oder Chili stapelten, herrscht gähnende Leere. Die kleine Silberfischkonserve, jahrzehntelang der Inbegriff des günstigen und unkomplizierten Vorratsklassikers, ist plötzlich zur Mangelware geworden. Während Hering oder Thunfisch meist noch problemlos zu haben sind, ist die Sardine vielerorts komplett vergriffen. Wo noch Dosen auftauchen, sind die Preise drastisch gestiegen oder günstige Eigenmarken wurden zum Teil durch teurere Feinkostvarianten ersetzt. Was steckt hinter dem plötzlichen Sardinenmangel?
Leere Sardinen-Regale bei Lidl, Aldi & Co.
Die Ausfälle sind kein lokales Logistikproblem, sondern betreffen den gesamten Lebensmittelhandel:
- Aldi Nord räumt ein, dass die Verfügbarkeit aufgrund schwieriger Fangbedingungen stark eingeschränkt sei.
- Rewe spricht von einer europaweit angespannten Rohwarensituation, die sowohl Eigenmarken als auch Markenhersteller treffe.
- Auch Lidl, Kaufland und Lieferdienste wie Picnic melden punktuelle Ausfälle und Lieferverzögerungen.
Klimawandel führt zu Sardinenmangel
Dass die Sardine knapp wird, liegt an einem Zusammentreffen mehrerer Faktoren. Der mit Abstand wichtigste Lieferant für den europäischen Sardinenmarkt sind Marokko sowie das Küstengebiet der Westsahara. Doch die Bestände sind in den letzten Jahren dramatisch eingebrochen. Wurden 2022 in Marokko noch rund 965.000 Tonnen Sardinen angelandet, waren es 2024 nur noch etwa 525.000 Tonnen, was einem Rückgang um fast die Hälfte entspricht. Die Gründe dafür sind steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel, veränderte Meeresströmungen und ein jahrelanger hoher Befischungsdruck.
Um die eigenen Fischbestände zu schonen und vor allem die Versorgung der heimischen Bevölkerung sicherzustellen, hat die marokkanische Regierung restriktive Fangquoten verhängt und die Exporte von gefrorenen Sardinen drastisch eingeschränkt. Den europäischen Konservenfabriken in Ländern wie Spanien und Portugal fehlt schlichtweg der günstig importierte Rohfisch.
Fitness-Trend um Sardine als „Superfood“
Ausgerechnet in Zeiten sinkender Fangmengen explodierte dann weltweit die Nachfrage. Auf Plattformen wie TikTok und Instagram machten Trends wie SardineGirlSummer oder SardinenMaxxing die Runde. Sardinen wurden von Fitness- und Food-Influencern als das ultimative Superfood gefeiert: vollgepackt mit Omega‑3-Fettsäuren, Eiweiß und Vitamin D, dazu weniger mit Schwermetallen belastet als große Raubfische wie Thunfisch. Sardinen landeten plötzlich in stylishen Bowls, auf Avocado-Toast und Hüttenkäse, wodurch die Nachfrage sprunghaft anstieg.
„Sardflation“ im Supermarkt
Das Aufeinandertreffen von sinkendem Angebot und wachsender Nachfrage führt zum Phänomen der „Sardflation“ – eine Wortschöpfung von „Business Insider“: Aus dem einstigen Arme-Leute-Essen und Notvorrat entwickelt sich die Dosensardine zunehmend zum hochpreisigen Feinkostprodukt.
Eine schnelle Entspannung im Discounterregal ist vorerst nicht in Sicht. Wer aktuell auf der Suche nach gesunden Meeresproteinen ist, muss sich wohl vorübergehend nach Alternativen umsehen: Hering, Makrele oder heimische Süßwasserfische bieten ähnliche Nährwerte und sind derzeit noch gut zu bekommen.
