Päpstlicher Schumacher
: Die roten Schuhe des Fischers

Bei Schuhmacher Antonio Arellano geht Josef Ratzinger seit Jahren ein und aus.
Von
Thomas Migge
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Traditionell trägt der Papst rote Schuhe.

epa

Rom - "Ich muss immer wieder lachen, wenn ich diesen Unsinn höre!", sagt Antonio Arellano (42) und fasst sich an den Bauch: "Der Heilige Vater hat doch mit Mode nichts im Sinn." Der Peruaner weiß, wovon er redet. Bei dem Schuhmacher geht Josef Ratzinger seit Jahren ein und aus - als Kunde.

Immer wenn der Kardinal neue Schuhe brauchte oder alte flicken ließ, kam er zu Arellano. Heute kommt Benedikt XVI. nicht mehr selbst. "Aber einmal durfte ich ihm seine neuen Schuhe persönlich bringen." Für diesen großen Tag kaufte sich Antonio nicht nur einen weißen Anzug, er legte den neuen Schuhen des Fischers auch ein Geschenk hinzu: einen mit feinstem Leder bespannten Schuhlöffel. "So wird der Heilige Vater einen weiteren Grund haben, jeden Tag an mich zu denken."

Das letzte Paar Schuhe für Benedikt XVI. fertigte er aus zartem Ziegen-Saffian, "ganz in Rot". Dass die Medien weltweit behaupteten, diese Schuhe stammten von Prada, "war einer der besten Witze, die ich je gehört hatte". Arellano ist einer der letzten Handwerker im Viertel beim Vatikan. "Immer öfter treten Immobilienmakler an mich heran, um mir den Laden abzuluchsen und da eine Kaffeebar reinzubauen", sagt er. Aber der päpstliche Schuhmacher denkt gar nicht daran, seinen Laden aufzugeben.

"Er zahlt immer, das ist doch Ehrensache"

Dass der Papst Schuhe bei Arellano in Auftrag gibt, hat sich herumgesprochen. Kardinäle und Bischöfe, vor allem wenn sie in Italien geboren sind, legen Wert auf korrekte Kleidung. Auch die Priesteramtskandidaten der päpstlichen Akademien tragen oftmals nur maßgeschneiderte Schuhe. "Die Italiener im Vatikan sind immer sehr schick und lassen sich nicht lumpen", weiß Arellano, dessen Vater bereits Schuhmacher war. Das Credo der Arellanos gilt bis heute: Gute Schuhe für alle! Und so sind die Kosten für seine Kreationen im Vergleich zu anderen römischen Kollegen relativ niedrig.

"Da sehen Sie", sagt er und zeigt auf ein paar Stühle, "da sitzen manchmal meine Kunden, wenn sie wollen, dass eine Reparatur sofort erledigt wird. Und da sitzen dann auch schon mal hohe Geistliche aus dem Vatikan." So lernte er auch Josef Ratzinger kennen, "einen ganz lieben, geduldigen und sympathischen Mann". Antonio findet es "ganz toll und beispielhaft, dass er nicht seinen Schuster wechselte, nur weil er ein ganz Mächtiger wurde". Bei anderen Kunden sei das nicht so: "Sobald die mehr Geld haben, gehen die zur Luxuskonkurrenz." Der Papst und das Geld? "Er zahlt immer, das ist doch Ehrensache."

Schuhmacher Antonio Arellano unterscheidet sich von den meisten anderen Papst-Ausstattern. Um den Unterschied zwischen ihm und einem offiziellen Vatikanausstatter zu erkennen, sollte man Gamarelli in der Via Santa Chiara hinter dem Pantheon aufsuchen. Gamarelli kleidet seit Jahrzehnten die Päpste ein. Das Schaufenster zeigt elegante und kostbar verzierte Gewänder und Kopfbedeckungen. Drinnen gibt es alles, was modebewusste Kirchenfürsten erfreut.

Bei Arellano geht es volkstümlicher zu. Auch er ist zwar nicht unbedingt redselig, wenn es um "meinen liebsten Kunden geht", aber Arellano ist freundlich, offen und trinkt auch mal gern einen Kaffee mit seinen Kunden. "Ich behandle alle gleich, ob Papst oder Arbeiter", sagt er stolz - und drückt mir seine Visitenkarte in die Hand.