Marode Infrastruktur: Zustand von Deutschlands Brücken? Einfach nur erbärmlich!

Schilder weisen vor der Moseltalbrücke der Autobahn A61 auf Brückenschäden hin.
dpa/Thomas FreyViele Autobahnbrücken in Deutschland sind nach einer Datenauswertung von Bauexperten in einem bedenklichen Zustand. 43 Autobahnbrücken mit einer Länge von mehr als 50 Metern hätten einen „ungenügenden“ Zustand, heißt es in einer Analyse der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken. Das bedeute, die Standsicherheit, die Verkehrssicherheit oder beides seien erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben.
Die Politik und die Autobahngesellschaft des Bundes müssten jetzt handeln, fordert Marco Götze, Vorsitzender der Bundesgütegemeinschaft. „Gerade bei Autobahnbrücken dürfen wir uns nicht darauf verlassen, dass das nächste Unglück so glimpflich verläuft wie der Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden.“
Daten von rund 3800 Brücken analysiert
Die Bundesgütegemeinschaft hat nach eigenen Angaben von 3786 Autobahnbrücken mit mindestens 50 Meter Länge diejenigen identifiziert, die deutschlandweit die schlechtesten Zustandsnoten haben. Die Untersuchung stützte sich auf die regelmäßig von der Bundesanstalt für Straßenwesen veröffentlichte Brückenstatistik.
Demnach stehen von den 100 am schlechtesten bewerteten Brücken mit einer Länge von mindestens 50 Metern die meisten in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Diese Länder zählen mit Niedersachsen zu den Bundesländern mit den meisten Autobahnbrücken insgesamt.
Die Bewertung basiert auf Zustandsnoten, die akute Schäden und Abnutzungserscheinungen angibt. Zudem gibt es den sogenannten Traglastindex, der die Leistungsfähigkeit der Brücke gemessen an Alter und Material bewerte.
Jede zehnte Brücke „nicht ausreichend“
Viele marode Brücken in Baden-Württemberg
Bundesregierung plant Brücken-Sanierung

Die Autobahnbrücke Rahmede an der Sauerlandlinie (A45) wurde wegen schwerer Schäden gesperrt und inzwischen gesprengt.
Foto: dpa/Dieter MenneBundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte im März 2022 ein Maßnahmenpaket für eine schnellere Brückenmodernisierung vorgelegt. Bei vielen Brücken hat die intensive Beanspruchung in den vergangenen Jahrzehnten Spuren hinterlassen, vor allem durch den zunehmenden Schwerverkehr.
In den kommenden Jahren sollen 400 Brücken pro Jahr saniert werden. Überregional wurde etwa die Autobahnbrücke Rahmede an der Sauerlandlinie (A45) bekannt. Sie wurde wegen schwerer Schäden gesperrt und wurde inzwischen gesprengt. Geplant ist ein Neubau.
Wie viele Brücken gibt es in Deutschland?
Wie werden Schäden an Brücken eingeteilt?
Die Zustandsnote bildet nach BAST-Angaben die Grundlage für die weitere Erhaltungsplanung der jeweiligen Brücken:
Ab wann besteht Sanierungsbedarf?
Der Bundesbehörde zufolge besteht in solchen Fällen „dringender Handlungsbedarf“, um eine Sperrung zu verhindern. Wenn etwa bei einer routinemäßigen Bauwerksprüfung Mängel festgestellt werden, so würden sofort entsprechende Maßnahmen getroffen, um die erforderliche Sicherheit für den Verkehr auch weiterhin zu gewährleisten.
Die meisten der rund 140.000 Straßenbrücken sowie kapp 40.000 Fernstraßenbrücken in Deutschland stammen noch aus den 1960er und 1970er Jahren. Mittlerweile ist das Problem der maroden Brücken-Infrastruktur erkannt und Bund und Länder investieren jetzt mehr Geld, um Fahrbahnen und kaputte Brücken auf Vordermann zu bringen.
Wie wird eine Brücke geprüft?
Wie lange dauert eine solche Überprüfung?
Das kann länger dauern, je nachdem wie schwer die Schäden an der Konstruktion sind. Wenn gravierende Schäden vorhanden sind, muss geklärt werden, inwieweit die Standsicherheit der Brücke beeinträchtigt ist. Solche Prüfungen gehören zu den normalen Aufgaben von Ingenieurbüros, die sich mit Stahl und anderen Materialien befassen.
Der Sachverständige muss klären, ob eine Gefahrensituation vorliegt und wie gravierend sie ist. Dafür muss klar sein, wie stark die Wucht des Aufpralls war. Das kann man auch etwa anhand der Schäden an einem havarierten Schiff feststellen.
Möglicherweise wird die Brücke dann für den Autoverkehr gesperrt, aber Schiffe dürfen weiterhin durchfahren. Diese Entscheidung kann nur der Gutachter vor Ort treffen. Der Sachverständige hat auf jeden Fall zu klären, ob und welche Schäden entstanden sind, die den Schiffs- und Autoverkehr gefährden.
Wie oft werden Brücken kontrolliert?
In Deutschland existiert ein ausgeklügeltes Prüfsystem für Brücken. Die Bauwerksprüfung hat einen hohen Stellenwert, so dass niemand Angst haben muss, über eine Autobahnbrücke zu fahren.
Die Brücken in Deutschland werden intensiv begutachtet. Alle sechs Jahre gibt es eine Hauptprüfung, dazwischen nach drei Jahren eine einfache Prüfung. Es gibt laufende Beobachtungen und Besichtigungen. Die Bauwerke sind also unter ständiger Kontrolle von Bauwerksprüfingenieuren. Wenn irgendwo die Gefahr besteht, dass etwas passieren könnte, wird die betroffene Brücke sofort gesperrt.
Wer ist für die Sicherheit von Brücken zuständig?
Das sind die Straßenbauverwaltungen der Länder, Kommunen und Gemeinden. Die zuständigen Behörden haben eigene Prüfer. Es gibt aber auch externe Prüfer (ungefähr 2000 Experten), die sich um die Brücken in Deutschland kümmern.
Das Bundesverkehrsministerium hat die Verwaltung der Brückenbauwerke der Bundesfernstraßen, also der Bundesautobahnen und Bundesstraßen, in die Hoheit der Länder und deren Landesbehörden für Straßenbau und Verkehr abgegeben. Hinzu kommt das gesamte Netz der Kreisstraßen, Kommunalstraßen und so weiter. Für diese Bauwerke sind ebenfalls Baulastträger zuständig, die für all das sensibilisiert sind, was die Sicherheit von Brücken betrifft.