Märtha Louise: Norwegens Prinzessin klagt gegen engsten Kreis

Prinzessin Märtha Louise von Norwegen und ihr Ehemann Durek Verrett bei der Beerdigung von Norwegens Prinzessin Astrid.
OLE BERG-RUSTEN/afpNur wenige Tage nach der Beerdigung von König Harald haben Prinzessin Märtha Louise und ihr Ehemann Durek Verrett in den USA einen umfangreichen Rechtsstreit begonnen. Das Paar wirft mehreren früheren Vertrauten unter anderem Verleumdung, Vertrauensbruch und Verstöße gegen Geheimhaltungsvereinbarungen vor. Insgesamt geht es um Forderungen von mehr als 80 Millionen US-Dollar.
Die Klage wurde am 14. September 2026 beim Superior Court des Los Angeles County eingereicht. Nach Angaben der norwegischen Zeitung „VG“, die die Gerichtsunterlagen eingesehen hat, umfasst die Klageschrift 242 Seiten sowie zahlreiche Anlagen.
Als Kläger treten Durek Verrett, Prinzessin Märtha Louise und Verretts US-Unternehmen Ohana Productions LLC auf.
Vier frühere Vertraute und weitere unbekannte Personen im Visier
Die Klage richtet sich gegen vier namentlich genannte Privatpersonen aus Verretts früherem Umfeld. Dazu gehören eine ehemalige Partnerin, seine Halbschwester Demetria de La Nuit, ein früherer Manager und Geschäftspartner sowie ein ehemaliger Freund und Geschäftspartner.
Darüber hinaus werden zehn bislang nicht identifizierte Personen oder Organisationen als weitere Beklagte aufgeführt.
Im Kern werfen Märtha Louise und Verrett den Beschuldigten vor, über Jahre hinweg falsche und rufschädigende Behauptungen verbreitet zu haben. Zwei der Beklagten sollen nach Darstellung der Kläger zusätzlich gegen zuvor geschlossene Geheimhaltungsvereinbarungen verstoßen haben.
Mehr als 80 Millionen Dollar Schadenersatz gefordert
Die geltend gemachten Forderungen summieren sich laut den Gerichtsunterlagen auf mehr als 80 Millionen US-Dollar.
Nach Darstellung der Kläger hatten die Veröffentlichungen und Anschuldigungen erhebliche wirtschaftliche Folgen.
Verrett macht geltend, dass die Einnahmen in einzelnen Geschäftsbereichen um bis zu 96 Prozent eingebrochen seien. Einkünfte aus bezahlten Vorträgen seien nahezu vollständig weggefallen. Außerdem seien ihm nach eigener Darstellung Fernsehprojekte, Sponsoringverträge und weitere geschäftliche Möglichkeiten entgangen.
Auch Märtha Louise habe infolge der öffentlichen Berichterstattung an kommerziellem Wert verloren und deutlich weniger berufliche Perspektiven gehabt, heißt es in den Unterlagen.
Veröffentlichungen von „Se og Hør“ spielen zentrale Rolle
Ein Teil der Aussagen, gegen die sich Verrett nun juristisch wehrt, war zuvor im norwegischen Magazin „Se og Hør“ veröffentlicht worden.
Bereits 2025 hatte Verrett zwei Veröffentlichungen beim norwegischen Presserat PFU beanstandet. Dabei ging es unter anderem um die Veröffentlichung eines Nacktfotos sowie um schwere Vorwürfe gegen ihn. In beiden Fällen wurde „Se og Hør“ vom Presserat kritisiert.
Der heutige Chefredakteur von „Se og Hør“, Niklas Kokkinn-Thoresen, bezeichnete die neue Klage gegenüber „VG“ als bemerkenswerte Entwicklung und erklärte, er sei gespannt auf die konkrete rechtliche Grundlage des Verfahrens.
Klage nur wenige Tage nach König Haralds Beerdigung
Besonders auffällig ist der Zeitpunkt des juristischen Vorgehens. Die Klage wurde fünf Tage nach der Beisetzung von König Harald und drei Tage nach dem Tod von Prinzessin Astrid eingereicht.
Auch Märtha Louise und Verrett selbst bezeichnen diesen Zeitpunkt in den Gerichtsunterlagen als ungünstig.
Eigentlich hätten sie diese Phase ihrer Gesundheit, ihrer Familie, ihrer Trauer und der persönlichen Erholung widmen wollen, heißt es sinngemäß. Wegen gesetzlicher Fristen habe das Verfahren jedoch zu diesem Zeitpunkt eingeleitet werden müssen, um mögliche Ansprüche nicht zu verlieren.
In der Klageschrift verweisen die Kläger zudem auf erhebliche persönliche Belastungen der vergangenen Jahre. Genannt werden unter anderem Verretts schweres Nierenversagen, die Dialysebehandlung, seine gesundheitliche Verschlechterung und eine inzwischen erfolgte Nierentransplantation. Hinzu komme für Märtha Louise der Verlust ihres Vaters.
Paar verlangt Entscheidung durch Jury
Märtha Louise und Durek Verrett wollen den Streit offenbar umfassend vor Gericht austragen. In den Unterlagen verlangen die Kläger ausdrücklich, dass alle dafür geeigneten Ansprüche und Streitfragen von einer Jury entschieden werden.
Für Dezember ist nach Angaben von „VG“ am Los Angeles Superior Court eine erste Planungssitzung vorgesehen. Dort soll unter anderem festgelegt werden, wie das Verfahren weitergeführt wird.
Bis zu einer gerichtlichen Entscheidung handelt es sich bei den Vorwürfen um Behauptungen der Kläger. Mehrere der Beschuldigten haben sich bislang nicht öffentlich zu den Anschuldigungen geäußert.



