Großer Postzugraub 1963
: Die Gentleman bitten zur Kasse - die spektakulärsten Diebstähle

Spektakulärer Diebstahl im Louvre: Da war doch was? Eine Gruppe von Kriminellen führt am 8. August 1963 einen minutiös geplanten Überfall auf einen Postzug von Glasgow nach London aus. Sie machen Millionenbeute und werden zur Legende. Wir stellen Ihnen einige der größten und spektakulärsten Diebstähle der Verbrechensgeschichte vor.
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Markus Brauer/dpa
Stuttgart
  • 8. August 1963 – The Great Train Robbery: Eine Gruppe von Kriminellen führt einen minutiös geplanten Überfall auf einen Postzug von Glasgow nach London aus. Sie machen Millionenbeute und werden zur Legende.

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  • 8. August 1963 – The Great Train Robbery, London-Glasgow/England: Ein beschädigter Waggon des Postzugs, der von Glasgow nach London unterwegs war und am 8. August 1963 überfallen und ausgeraubt wurde.

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  • Postsäcke der Post Office Mail, die bei dem Überfall auf den Zug von Glasgow nach London geraubt wurden, sind von der Polizei sichergestellt worden.

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  • Der englische Posträuber Ronald „Ronnie“ Biggs wird nach der Urteilsverkündung in London von einem Polizisten abgeführt. Er überfiel am 8. August 1963 mit 14 anderen Männern den Postzug von Glasgow nach London und erbeutete 2,6 Millionen Pfund. Deren Wert wird in heutiger Kaufkraft auf 45 bis 60 Millionen Pfund (52 bis 70 Millionen Euro) geschätzt. Nach seiner Verurteilung flieht Biggs aus dem Gefängnis und stellt sich erst 2001 der britischen Justiz.

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  • 16. Juli 1976 – Überfall auf die Société Générale, Nizza/Frankreich: Eine Gruppe von Verbrechern stiehlt Geld und Wertpapiere in Höhe von etwa 60 Millionen Franc (53,2 Millionen Euro). Die Gruppe, deren Kopf Albert Spaggiari ist, bricht in den Tresorraum der Bank Société Générale in Nizza ein und öffnet rund 400 Tresorfächer.

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  • Die Polizei kann die Täter im Oktober 1976 fassen. Spaggiari gelingt während der Anhörung die Flucht. Bis zu seinem Tod im Jahr 2008 wird er nicht gefasst.

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  • 8. März 1990 – Isabella Stewart Gardner Museum, Boston/USA: Zwei als Polizisten verkleidete Männer erbeuten 13 wertvolle Gemälde, darunter Werke niederländischer und französischer Meister wie Rembrandt, Vermeer, Degas und Manet (Innenhof des Museums).

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  • Die Kunstwerke, im Schätzwert von fast 500 Millionen Dollar (455 Millionen Euro) sind bis heute nicht gefunden worden. Auch die Hintergründe der Tat sind unklar. Das FBI wertet den Raub als einen der größten Kunstraube aller Zeiten (Bild: eines der gestohlenen Bilder, ein Selbstporträt von Rembrandt).

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  • 27. Juni 1995 – Banküberfall in Zehlendorf, Berlin/Deutschland: In der „Polizeihistorischen Sammlung“ in Tempelhof ist ein Teil des Tunnels, den die Bankräuber für ihre Flucht genutzt haben, nachgebaut. Die Vorgehensweise der Täter war spektakulär: Sie graben einen unterirdischen Tunnel zur Commerzbank in der Breisgauer Straße 8. Zwei der Täter kommen durch das Kellergeschoss in die Bank, vier weitere durch die Fronttür.

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  • Die Täter nehmen 16 Geiseln und fordern 17 Millionen Mark (etwa 8,5 Millionen Euro) Lösegeld sowie einen Helikopter und einen Fluchtwagen. Die Polizei zahlt die Summe und stürmt das Gebäude. Die Täter flüchten durch den Tunnel. Mehrere der Täter werden später festgenommen (Bild: Filiale der Commerzbank in Berlin-Steglitz).

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  • 1. September 1997 – Postraub von Zürich, Schweiz: Dieser Raubüberfall ging in die Geschichte des Verbrechens ein. Mit Spielzeugpistolen bewaffnet erbeuten acht Männer 53 Millionen Franken (rund 47 Millionen Euro) von der Zürcher Fraumünsterpost.

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  • Sie sind als Telekom-Mitarbeiter verkleidet und transportieren das Geld in Kisten mit in einem weißen Kastenwagen ab. Später werden sieben der Täter gefasst und verurteilt. Bemerkenswert ist, dass der Überfall völlig gewaltfrei ablief.

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  • 25. Februar 2002 – Frankfurter Bankraub, Deutschland: Er sollte als einer der größten Bankdiebstähle in die deutsche Kriminalgeschichte Geschichte eingehen – und als einer der dilettantischsten. Die Täter sind Mitarbeiter der Sicherheitsfirma (Symbolbild), deren Transporter sie fahren. Zudem hinterlassen sie einen Teil ihrer Beute und Ausweispapiere. Sie werden schnell gefasst, doch fünf der mehr als acht Millionen Euro Beute bleiben bis heute verschollen.

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  • 18. März 2003 – Überfall auf die irakische Zentralbank, Bagdad/Irak: Wenige Tage bevor Ende März 2003 die US-Truppen in Bagdad einmarschierten, ereignete sich der größte Raubüberfall aller Zeiten. Zahlungsmittel im Wert von über 920 Millionen Dollar (1,07 Milliarden Euro) – ein Viertel der irakischen Währungsreserven – wurden der irakischen Zentralbank gestohlen.

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  • Diktator Saddam Hussein hatte den Auftrag selbst seinem Sohn Qusay erteilt. Laut US-Angaben waren drei Sattelschlepper nötig, um das Geld wegzuschaffen. Ein Teil der Summe soll später bei der Durchsuchung eines der Paläste Saddams wieder aufgetaucht sein.

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  • 19. Dezember 2004 – Northern Bank, Belfast/Nordirland: Räuber dringen als Polizisten verkleidet in die Wohnungen zweier Bankmanager der Northern Bank ein. Ihre Familien werden als Geiseln gehalten und die Manager wurden gezwungen, am nächsten Tag wie gewohnt zur Arbeit zu gehen. Am Ende des Arbeitstages müssen sie den Hauptsafe der Bank öffnen und Geldsäcke zu zwei Lieferwagen bringen, die vor der Bank parken. Die Beute besteht aus britischen Pfund und Fremdwährungen im Wert von umgerechnet 41 Millionen US-Dollar (37,4 Millionen Euro).

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  • Der größte Banküberfall der irischen Geschichte ist bis heute nicht aufgeklärt. Insgesamt sollen über 20 Verbrecher an der Tat beteiligt gewesen sein. Verdächtigt wurde die Provisorische IRA, die eine Tatbeteiligung jedoch bestritt. Auch einer der Bankmanager wurde verhaftet, jedoch aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen.

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  • 25. Februar 2005 – Diamantenraub von Schiphol, Amsterdam/Niederlande: Die Täter erbeuten m Amsterdamer Flughafen Schiphol Diamanten und Schmuck im Wert von geschätzten 66 Millionen Euro. Sie bringen einen Transporter der Fluglinie KLM in ihre Gewalt, der die Ware transportiert. Bis heute ist der Verbleib von Schmuck im Wert von 40 Millionen Euro unklar. 2017 kommt es zu mehreren Verhaftungen.

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  • 22. Februar 2006 – Raub von Tonbrigde, England: Es war der größte Raubüberfall in der britischen Geschichte: Eine Verbrecherbande überfällt Securitas-Geld-Depot im südenglischen Tonbridge in der Grafschaft Kent. Mit dem Direktor des Depots, seiner Frau und seinem Sohn als Geisel verschaffen sie sich Zugang zum Depot und erbeuten rund 78 Millionen Euro. Die Täter werden später gefasst und verurteilt.

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  • 24. April 2017 – Paraguay-Raub, Ciudad del Este/Paraguay: Die Polizei spricht von einem „Jahrhundertraub“. Mehr als 50 schwer bewaffnete Angreifer stehlen bei einer koordinierten Attacke auf einen Tresor des Geldtransportunternehmens Prosegur rund 40 Millionen Dollar (47 Millionen Euro). Die brasilianische Polizei stößt einige Stunden später bei Itaipulândia, 50 Kilometer nördlich von Ciudad del Este, auf eine Gruppe der Bande. Bei einem Schusswechsel werden drei Verbrecher getötet und weitere vier festgenommen.

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Nach dem spektakulären Museumseinbruch in den weltberühmten Pariser Louvre läuft die landesweite Großfahndung nach den Tätern auf Hochtouren. Bis zum frühen Montagmorgen konnten die Ermittler der Diebesbande und ihrer Beute aus historischen Juwelen von unschätzbarem Wert nicht habhaft werden. Regierungspolitiker reagierten zutiefst empört über den Raubzug durch den Louvre, die kulturelle Seele Frankreichs, und kündigten an, die Einbrecher mit allen nötigen Mitteln zur Strecke bringen zu lassen.

"Die Gentleman bitten zur Kasse"

Der Diebstahl im Louvre wird in die Annalen der Verbrechensgeschichte eingehen. Wie jener legendäre Postzugraub „The Great Train Robbery“ auf einen Zug der British Royal Mail in Großbritannien am 8. August 1963. Erinnern Sie sich noch? "Die Gentleman bitten zur Kasse". Mehrere Millionen Pfund Beute, Fingerabdrücke an einem Monopoly-Brett und Flucht nach Rio de Janeiro an die Copacabana: Die Verbrechensstory ist zum Stoff von Kriminalfilmen, Songs und Hörspielen geworden. Ein Rückblick in Text und Bildern.

Bildergalerie und Karte zu einigen der größten Diebstählen der Verbrechensgeschichte:

In unserer Bildergalerie präsentieren wir Ihnen einige der größten und spektakulärsten Diebstähle der Verbrechensgeschichte, die Sie auch auf unserer Karte lokalisieren können:

So lief der Große Eisenbahnraub ab

Eine Bande von 15 Kriminellen legt sich an dem Tag im Jahr 1963 nach minutiöser Planung an einer Eisenbahnbrücke in der Grafschaft Buckinghamshire auf die Lauer. Ihr Ziel: der Postzug von Glasgow nach London, der säckeweise Banknoten transportiert werden. Insgesamt 2,6 Millionen Pfund, nach heutiger Kaufkraft 45 bis 60 Millionen Pfund (52 bis 70 Millionen Euro).

Die Verbrecher manipulieren die Signalanlage. Der Lokführer bringt den Zug an der Eisenbahnbrücke bei Ledbrun nahe Mentmore in Buckinghamshire zum Stehen. Mit einem Schlag auf den Kopf wird er überwältigt. Danach laden die Gangster die Säcke in Fluchtfahrzeuge und machen sich auf und davon. Ein alter Bauernhof nicht weit vom Tatort dient ihnen als Versteck. Dort teilen sie die Beute auf.

Der Tatort: die Eisenbahnbrücke bei Ledburn nahe Mentmore in Buckinghamshire, am 9. August, einen tag nach dem Raub.

Foto: Imago//UIG

Vom Verbrechen zur Legende

Der Coup wird schnell zur Legende. Trotz ihres Verbrechens genießen die Räuber bald eine Art Robin-Hood-Status. Die Story von der tollkühnen Bande macht auch in Deutschland Schlagzeilen. Schon drei Jahre nach der Tat läuft im deutschen Fernsehen die dreiteilige TV-Serie „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ mit Horst Tappert in der Hauptrolle. Zum 50. Jahrestag 2013 sendet die BBC eine zweiteilige Neuverfilmung des Postzugraubes.

Schauspieler Horst tappert (links) mit den ehemaligen Bandenmitgliedern Jim Hussey (Mitte) und Buster Edwards bei einer Buchpräsentation in München im Jahr 1978.

Foto: Imago//Zuma/Keystone

Mehreren Verurteilten gelingt die Flucht

Ronald Biggs nach seiner Verhaftung auf einem Polizeifoto.

Foto: Imago/UI/G

Für die meisten Räuber währt die Freude über den Geldsegen nicht lange. Zwölf von ihnen werden schon bald gefasst und zu bis zu 30 Jahren Haft verurteilt. Der größte Teil des Geldes taucht aber nie wieder auf.

Mehreren Verurteilten gelingt später die Flucht aus dem Gefängnis. Vor allem Ronald „Ronnie“ Biggs erlangt eine gewisse Berühmtheit. Beim Raub spielt er nur eine kleinere Rolle, trotzdem wird er zu 30 Jahren Haft verurteilt. 1965 bricht er aus dem Gefängnis aus und flieht erst nach Australien, dann nach Brasilien. 2001 kehrt Biggs in seine alte Heimat zurück und wird 2008 – bereits schwer krank – aus der Haft entlassen. 2013 stirbt er in London.