Kirchen-Blog: Was darf der Papst?
: Knigge für Päpste

Was darf, kann, soll ein Papst? Eigentlich alles, wozu er Lust und Laune hat – Hauptsache es geschieht im rechten Glauben.
Von
Markus Brauer
Stuttgart
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  • Der Papst als Popstar: Aus den ehrwürdigen, entrückten Kirchenoberhäuptern von früher sind Kultfiguren und Sacro-Pop-Ikonen geworden.

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  • Päpstlicher Scherzkeks: Baden-Württembergs Ministerpräsdent Winfried Kretschmann wird am 2. September 2016 in Rom im Apostolischen Palast von Papst Franziskus zu einer Privataudienz empfangen.

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  • Selfie mit dem Pontifex: Anna Szargiej macht ein Foto, als Franziskus am 30. Juli 2016 den erzbischöflichen Palast in Krakau besucht.

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  • „Touch me, if you can“: Franziskus beim Besuch in der US-Metropole Philadelphia am 27. September 2015.

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  • „Papa Pop“: Franziskus ziert 2014 das Cover des Januar-Heftes des Musik-Magazins „Rolling Stone.

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  • Menschenfischer: Franziskus versucht 2014 bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz ein Kind zu trösten – sichtlich ohne großen Erfolg.

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  • Päpste unter sich: Eher bieder als luxuriös ist das Wohnzimmer von Benedikt XVI, in dem er sich mit Nachfolger Franziskus am 23. Dezember 2013 trifft.

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  • PR-Profi: Jugendliche mit dem Papst am 28. August 2013 im Petersdom.

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  • Sportfan: Franziskus am 25. Juli 2013 mit einem Trikot der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

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  • Absolut entspannt: Franziskus während einer Audienz im Vatikan am 29. Mai 2013.

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  • „Brüder und Schwestern. Guten Abend!“ So begrüßt der frisch gewählte Papst Franziskus bei seiner Amtseinführung am 13. März 2013 die auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen.

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  • Benedikt XVI. liebt feuerrote Schuhe (hier bei einer Audienz in Rom am 1. September 2010 in Castel Gandolfo).

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  • Frommer Genesungsspaziergang: Benedikt XVI mit seinem Privatsekretär Georg Gänswein am 28. Juli 2009 Les Combes (Valle d’Aosta).

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  • Menschenfischer: Benedikt bei einer Generalaudienz am 11. Februar 2009 im Vatikan.

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  • Mode von oben: Die mit Hermelin besetzte, rote Fellmütze namens „Camauro“ ist ein Accessoire, auf das Benedikt bei (früheren) Ausflügen an kalten Tagen nicht verzichtete.

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  • Ausflug im Cabrio: Benedikt während seiner aktiven Amtszeit in einem seiner Dienstwagen. Das Kennzeichen „SCV “ steht für „Stato della Città del Vaticano“ (Vatikanstadt-Staat). „SCV 1“ ist das dem „Papamobile“ vorbehaltene Kfz-Schild.

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  • Mann mit Hut: Der goldgebordete rote, breitgerandete Hut gehört zum Dresscode der Päpste.

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  • Interview über den Wolken: Gottes multimedialer Stellvertreter auf Erden gibt am 13. Juli 2008 ein Steh-Interview.

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  • Grafitti statt Michelangelo: Benedikt XVI. nimmt am 27. Mai 2006 auf den Blonie-Wiesen von Krakau an einer Begegnung mit einer halben Million Jugendlichen teil.

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  • Hoch hinaus: Benedikt macht Urlaub auf dem Mont Blanc, Europas höchstem Berg (21. Juli 2005).

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  • Der Hirte hütet seine Schäflein: Benedikt spricht im Sommerurlaub in Val D´Aost am 19. Juli 2005 mit einem Jungen.

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  • Auch das ist ein papstgeschichtliches Unikum: Auf der Seite des Internet-Auktionshauses eBay wurde 2005 der „Papst-Golf“ von Benedikt versteigert.

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  • „Wir sind Papst“: Auch dieses Bild ist Teil der päpstlichen Ikonografie. Es zeigt den neugewählten Papst Benedikt XVI., der am 19. April 2005 die Gläubigen vom Balkon des Petersdoms im Vatikan grüßt.

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  • Ein Papst darf alles – auch öffentlich gähnen: Johannes Paul II. während einer Messe 2001 in der Ukraine.

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  • Seine Heiligkeit: Johannes Paul II. stützt sich am 19. September 1999 bei einer Messe in Maribor/Slowenien auf seinen Hirtenstab. Das Bild ist zu einer Ikone päpstlicher Selbstdarstellung geworden.

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  • Reisepapst: Das Küssen des Bodens, den er betrat, wurde zum Markenzeichen von Johannes Paul II. (hier 1998 bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Angola).

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  • Der Papst und der Popstar: Bob Dylan mit Johannes Paul II. bei einem Treffen 1997 in Bologna.

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  • Urlaub im Schnee: Johannes Paul II. (ganz links) im schwarzen Ski-Anzug in den Dolomiten 1984.

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  • „Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“: Papst Johannes Paul II. reicht am 27. Dezember 1983 im römischen Gefängnis Ribibbia dem Türken Mehmet Ali Agca die Hand. Bei einem Attentat hatte Agca den Papst am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom mit mehreren Schüssen schwer verletzt.

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  • Sombrero olé: Päpste lieben Hüte, was Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Mexiko 1979 einmal mehr unter Beweis stellte.

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  • Pontifikale Pracht: Papst Johannes XXIII. 1958 im vollem Ornat (mit der Tiara, der päpstlichen Krone). Paul VI. war 1963 der letzte Papst, der sich traditionell mit der Tiara zum Papst krönen ließ. Er verschenkte seine modern gestaltete Tiara 1964 zugunsten bedürftiger Römer.

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  • Absoluter Herrscher: Pius XII. hält während einer Audienz 1954 zwei Friedenstauben. Er gilt als eine der zwiespältigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und ist umstritten wie nur wenige andere Päpste in der an Wirren und Irrungen reichen Geschichte des Vatikans. Der Pontifex starb am 9. Oktober 1958 in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo.

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  • Der „Unfehlbare“: Papst Pius XII. bei einer Audienz im September 1945.

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Stuttgart - Wie verhält man sich während einer Papst-Rede? Welches ist die richtige Anrede für den Heiligen Vater? Wie äußert sich der Respekt gegenüber dem Kirchenoberhaupt? Benimmregel-Ratgeber für Vatikan-Gäste gibt es reichlich. Doch wie sieht es mit einem Knigge für Päpste aus? In der Fernsehserie „The Young Pope“ läuft der Papst mit Flipflops durch die Gegend, raucht und redet gotteslästerlich daher. Doch wie sieht es in der Wirklichkeit mit einem Knigge für Päpste aus? Hier einige Hinweise aus der pontifikalen Etikette.

Päpstliche Etikette

Dem Papst kommt im katholischen Kirchenrecht die zentrale Rolle zu. Als Bischof von Rom führt er das dem Apostel Petrus von Jesus übetragene Amt fort. Er hat den Ehrenvorrang vor allen Bischöfen, ist Haupt der Kirche und Träger der Höchstgewalt. Im Prinzip darf und kann er alles, was er will – soweit seine Worte und Taten mit den kirchlichen Dogmen übereinstimmen und er im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte handelt.

Er kann von seiner Universalgewalt frei Gebrauch machen. Das bedeutet: Nichts und niemand, keine kirchliche Instanz kann ihn daran hindern, das zu tun und zu sagen, was er für richtig und rechtens hält. Seine Vollgewalt erstreckt sich auf alle kirchlichen Sachgebiete – Exekutive, Judikative, Legislative. Der Papst ist quasi ein absolutistischer Herrscher.

Aber auch für Päpste gibt es Grenzen des Anstands: Grelle Irokesenfrisur statt weißem Scheitelkäppchen („Pileolus“), abgerissene Jeans statt seidener Soutane, laute Rülpser während der Predigt – all das ist mit dem höchsten Kirchenamt schlecht vereinbar. Aber nur weil ein Papst lacht und scherzt, Kinder herzt und mit Bediensteten zu Tische sitzt, riskiert er nicht gleich seine Unfehlbarkeit. Auch Päpste sind nur Menschen.

Päpste sind Frühaufsteher. Johannes Paul II. war kurz nach sechs Uhr in seiner Privatkapelle. Auch Benedikt XVI. und Franziskus sind nicht als Langschläfer bekannt. Gebet, Morgentoilette, Frühstück, Audienzen, Korrespondenz, Essens- und Kaffeezeit, und immer wieder Beten. Der katholische Spitzenjob gibt einen strengen Rhythmus vor. Faulenzen, Sofa-Hocken und Kino-Besuche sind dem Papst protokollarisch nicht untersagt. Aber er hat schlicht keine Zeit für Zerstreuung und Muße.

Das vatikanische Hofzeremoniell stammt aus Zeiten, als noch Kaiser, Könige und Fürsten regierten. Es ist streng und bis ins kleinste Detail festgelegt. In der Regel fügen sich Päpste in das Prozedere. Der derzeitige Amtsinhaber Franziskus ist bekannt für seine protokolarische Widerspenstigkeit und seinen öffentlichen Eigensinn. Was die vatikanische Etikette gebietet, sind Verhaltensregeln (ehrwürdiges Auftreten, sorgsam gewählte Ansprache, nobles Wesen) und Kleidungsvorschriften, die sich in der Kirchengeschichte herausgebildet haben.

Folgender Dresscode ist Päpsten vorgeschrieben: Soutane (ein mit engen Ärmeln versehenes knöchellanges Obergewand), Mozetta (Schulterumhang), Pileolus (Scheitelkappe). Bis auf die rotbraunen Kalbslederschuhe (der Farbton wechselt, Benedikt XVI. liebte feuerrote Edeltreter) ist die Kleidung schneeweiß. Wie sich der Amtsinhaber darunter kleidet – bunte Shorts, bedruckte T-Shirts, gestreifte Socken – dürfte (wenn überhaupt) nur seinem Kammerherrn und den Ordensschwestern, die den päpstlichen Haushalt führen, bekannt sein.

Die Zeiten ändern sich – auch für Päpste. Jorge Mario Bergoglio hat bei seiner Amtseinführung am 13. März 2013 die Gläubigen mit einem charmanten „Brüder und Schwester. Guten Abend!“ begrüßt. Franziskus ist für seine Eigenheiten bekannt: Er speist in der Kantine, wohnt in einer schlichten Suite und entsagt allem Prunk. Mit dem 266. Nachfolger Petri ist ein unprätentiöser Stil in den herrschaftlichen Vatikan eingezogen.

Papst zu sein ist ein echter Knochenjob. Deshalb müssen die Amtsinhaber auch mal entspannen und ausgiebig Urlaub machen. In den heißen Sommerwochen entfliehen sie traditionell dem römischen Glutofen nach Castel Gandolfo.

Johannes Paul II. war zudem begeisterter Skifahrer und Wanderer. Benedikt XVI. steht mehr auf Spaziergänge und Bücherschreiben. Franziskus ist ein Stadtneurotiker. Auch in den Ferien zieht er sein Drei-Zimmer-Appartement im Gästehaus Santa Marta der päpstlichen Sommerresidenz mit den herrlichen Gärten in den kühleren Albaner Bergen vor.

Päpste reden öffentlich nicht über Persönliches. Franziskus ist da die große Ausnahme. „Noch nie hatte ich so viele angebliche Freunde wie jetzt“, sagte er in einem Interview. Viele der vorgeblichen Freunde habe er nicht öfter als ein- oder zweimal gesehen. „Sie machen das zu ihrem eigenen Vorteil. Freundschaft unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit, so etwas schmerzt mich“, klagte er. Freundchaft sei „heilig“.

Der beste Freund von Benedikt XVI. ist sein großer Bruder Georg Ratzinger. Johannes Paul II. war seit Anfang der 1970er Jahre bis zu seinem Tod 2005 mit der polnischen Philosophin Anna-Teresa Tymieniecka befreundet. Franziskus hat ein inniges Verhältnis zu seinen Geschwistern und zu Weggefährten aus Argentinien.