Inge Meysel zum 100.: "Mutter der Nation" wider Willen

"Falten? Ich mochte mein Gesicht immer. Gymnastik? Keine Zeit. Das beste Mittel, um fit zu bleiben, ist Arbeit." Und die hat Inge Meysel ihr Leben lang nicht gescheut. Am 30. Mai 2010 hätte sie ihren 100 Geburtstag gefeiert. Das Licht der Welt erblickt "die Meysel" in Berlin, als Tochter eines jüdischen Tabakhändlers und einer Dänin. Ihre Theaterkarriere beginnt 1930 in Zwickau, Berlin und Leipzig, wird mit der Machtergreifung der Nazis jedoch abrupt unterbrochen.
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Erst 1945 betritt sie erneut die Bühne und avanciert trotz des späten zweiten Starts zur beliebtesten Schauspielerin der deutschen Nachkriegszeit. Hier steht sie zusammen mit dem Schauspieler Christian Wolff 1996 vor der Kamera.
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Lange Zeit gehört sie zu den beliebtesten Frauen der Republik. In den 60er bis 80er Jahren wird sie zum Star: 1,56 Meter klein, Berliner Göre und Kämpfernatur, die sich nichts gefallen lässt. Hier ist sie im Studio Hamburg zu sehen, in dem zu Meysels 90. eine Geburtstagsgala aufgezeichnet wird.
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Ihren großen Durchbruch hat Meysel als Mutter Käthe Scholz in der Familienserie "Die Unverbesserlichen", die von 1965 bis 1971 jährlich zum Muttertag ausgestrahlt wurde. Fortan gilt sie als Fernsehmutter der Nation - ein Klischee, das die zweimal verheiratete und gewollt kinderlose Darstellerin zeitlebens bekämpft, dem sie aber nie ganz entkommt.
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"Zum Umgang mit ihrer Seele gehört ein Samthandschuh, zu dem mit ihrem Dickkopf eine eiserne Faust", schreibt Alice Schwarzer im berühmt gewordenen "Emma"-Interview 1987. Zusammen mit der Feministin Schwarzer klagt sie 1978 gegen das Magazin "Stern" wegen sexistischer Darstellungen auf dessen Titelblättern. In der Auseinandersetzung um den Paragrafen 218 bekennt sie sich dazu, abgetrieben zu haben und outet später auch ihre Bisexualität.
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"Bevor einer unverschämt zu mir wird, werde ich unverschämt zu ihm", sagte die Schauspielerin einst. Thomas Gottschalk wird also ganz handzahm, als die Meysel am 17. November 2001 neben ihm auf der "Wetten dass..."-Couch in der Sporthalle Böblingen Platz nimmt ...
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... und ganz Grande Dame dem Publikum mit einem Glas Champagner zuprostet.
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Zusammen mit der deutsche Opernsängerin Anneliese Rothenberger nimmt Inge Meysel (links) am 11. Februar 1971 in Monaco einen Bambi entgegen. Der soll nicht ihre einzige Auszeichnung bleiben.
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Die kämpferische Schauspielerin wird für ihre Arbeit mit zahlreichen Preisen geehrt: Fünf Bambis, die Goldene Kamera und der Ehrenpreis des Deutschen Fernsehpreises (Foto) sowie die Hamburger Medaille für Kunst und Wissenschaft und die Ernst-Reuter-Plakette ihrer Heimatstadt Berlin nimmt sie im Laufe ihres Lebens entgegen.
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Das Bundesverdienstkreuz lehnt sie - hier im Garten ihres Hauses in Bullenhausen - 1981 jedoch mit der Begründung ab, es sei keinen Orden wert, dass jemand "sein Leben anständig gelebt hat". Und "was so'n Ding wert ist, wenn's drauf ankommt, wusste ich ja: nichts, gar nichts. Außer einer Grabzeile: Träger des Bundesverdienstkreuzes."

Als 90-Jährige zeigt sie sich begeistert von den Niederlanden, die als erstes Land der Welt die aktive Sterbehilfe legalisiert hatten. "Ich finde das fabelhaft. Wir sollten das nachahmen. Es ist menschlich das Anständigste, was man sich nur vorstellen kann. Ich bin seit heute begeisterte Niederländerin", sagt Inge Meysel im April 2001.
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Zusammen mit Willy Millowitsch steht sie im Juli 1988 bei der Aufzeichnung für eine Sendung des WDR in Köln auf der Bühne
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Inge Meysel und Harald Juhnke unterhalten sich im Februar 1999 vor Beginn der NDR-Talk-Show Gala in Hamburg.
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Sie hat Spaß am Streit, will die Menschen aus der Ruhe bringen. "Oft hat sie Auseinandersetzungen vom Zaun gebrochen", sagt ihr enger Vertauter und ehemaliger Betreuer Peter Knuth, der die Schauspielerin vom Frühjahr 2002 bis zu ihrem Tod in Hamburg betreut.
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Inge Meysel stirbt am 10. Mai 2004 im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus in Bullenhausen. Ihre letzte Ruhe findet die "Mutter der Nation wider Willen" auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.
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Der Nachlass wird versteigert: Bilder, eine Schreibmaschine, Möbel und private Gegenstände aus dem Nachlass Meysels kommen nach dem Tod der Schauspielerin im Auktionshaus Schopmann in Hamburg unter den Hammer.
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Stuttgart - Forsche Kämpferin und resolute Kratzbürste, begnadete Selbstdarstellerin und "Mutter der Nation": Die Attribute für Inge Meysel sind vielfältig und oft auch widersprüchlich. "Ich bin doch überhaupt kein mütterlicher Typ", pflegte Deutschlands populärste Volksschauspielerin über ihr Image zu sagen. Am 30. Mai wäre die Dame mit Hut 100 Jahre alt geworden. Ein Blick auf ihr Leben in Bildern.