Fünf konkrete Ideen
: Fluch der Catch-up-Culture: Wie Freundschaften wieder tiefer werden

Monatelang kein Treffen, dann ein schneller Austausch über alles, was seitdem passiert ist: Die sogenannte Catch-up-Culture prägt heutzutage viele Freundschaften und lässt sie oberflächlich werden. Fünf konkrete Ideen, wie Beziehungen wieder mehr Tiefe bekommen.
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(mia/spot)
Stuttgart
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Ein Pfeiler einer tiefen Freundschaft: Dinge gemeinsam erleben, nicht nur über Erlebtes sprechen.

istock/ViewApart / iStock via Getty Images

Es ist ein Problem, das viele kennen: Wochen oder sogar Monate vergehen, bis man eine gute Freundin oder einen guten Freund endlich wiedersieht. Dann sitzt man endlich zusammen und versucht, in zwei Stunden das ganze Leben der vergangenen Monate nachzuerzählen. Job, Beziehung, Urlaub, Familiengeschichten - und schon ist das Treffen wieder vorbei.

Genau dieses Phänomen wird in sozialen Netzwerken zunehmend als "Catch-up-Culture" diskutiert. Gemeint sind Freundschaften, die sich fast nur noch um gegenseitige Updates drehen. Statt gemeinsam Zeit zu verbringen, tauscht man vor allem Informationen aus. Das kann auf Dauer dazu führen, dass Beziehungen oberflächlicher wirken und echte Nähe verloren geht.


Besonders häufig tritt dieses Phänomen im Erwachsenenalter auf. Während Freundschaften in der Schulzeit, im Studium oder während der Ausbildung oft ganz selbstverständlich Teil des Alltags sind, verändern sich später die Lebensumstände. Besonders die Durch-Optimierung unseres täglichen Lebens sorgt dafür, dass man sich seltener sieht. Wo früher gemeinsame Erlebnisse im Mittelpunkt standen, geht es zunehmend darum, entstandene Lücken zu schließen.

Dabei müssen tiefe Freundschaften nicht an aufwendigen Wochenendtrips oder perfekt geplanten Dinner-Abenden hängen. Oft sind es gerade die kleinen Momente, die Menschen dauerhaft verbinden. Fünf Ideen, wie das wieder gelingen kann.

1. Den Alltag teilen

Viele Freundschaften leiden darunter, dass jedes Treffen zu einem kleinen Event werden muss. Erst wenn alle Kalender abgeglichen sind, kommt ein Termin zustande.

Dabei entsteht Nähe oft viel leichter im Alltag. Gemeinsam einkaufen gehen, Pakete zur Post bringen, Sport machen, den morgendlichen Kaffee holen oder einen Feierabendspaziergang durch den Park drehen: Solche unkomplizierten Treffen nehmen den Druck raus und sorgen dafür, dass man häufiger Teil des Lebens des anderen bleibt.

2. Gemeinsame Erlebnisse

Wer sich selten sieht, verbringt oft die gesamte Zeit damit, Vergangenes nachzuholen. Für neue gemeinsame Erinnerungen bleibt kaum Raum.

Dabei stärken gerade neue Erfahrungen eine Freundschaft. Ein Kochkurs, ein Konzert, eine Wanderung oder auch nur der Besuch eines bislang unbekannten Cafés schaffen gemeinsame Erlebnisse, über die man noch lange spricht. Freundschaften leben nicht von den Geschichten, die man außerhalb der Freundschaft erlebt, sondern von denen, die man zusammen begeht.

3. Regelmäßigkeit schlägt Perfektion

Ein großer Fehler vieler Erwachsener: Treffen werden so lange verschoben, bis endlich ein "perfekter" Termin gefunden ist.

Oft funktioniert das Gegenteil besser. Ein fester Spaziergang am Donnerstagabend, ein monatliches Frühstück oder ein regelmäßiger Videoanruf schaffen Verlässlichkeit. Wer sich häufiger sieht oder hört, muss nicht jedes Mal das komplette Leben der vergangenen Monate aufarbeiten.

4. Die Technik nutzen

Sprachnachrichten können eine überraschend große Wirkung haben. Die Stimme des anderen zu hören, vermittelt Nähe und macht es leichter, Gedanken spontan zu teilen. Gerade bei Freundschaften über größere Entfernungen kann das helfen, sich stärker am Alltag des anderen beteiligt zu fühlen.

5. Gemeinsam nichts tun

Tiefere Freundschaften entstehen nicht immer durch intensive Gespräche. Manchmal reicht es, einfach Zeit miteinander zu verbringen.

Zusammen einen Film schauen, auf dem Sofa sitzen, lesen, arbeiten oder nebeneinander durch Social Media scrollen - ohne Programm und ohne Erwartungen. Solche entspannten Momente vermitteln oft das Gefühl von Vertrautheit, das viele Menschen vermissen.

Natürlich haben auch klassische Catch-up-Treffen ihren Platz. Es spricht nichts dagegen, bei einem Glas Wein die neuesten Geschichten auszutauschen. Problematisch wird es erst, wenn Freundschaften ausschließlich daraus bestehen. Menschen brauchen Wegbegleiter, die nicht nur die Höhepunkte kennen, sondern auch die kleinen Kapitel dazwischen.