Frank Laufenberg: Das Rocklexikon der Nation

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Stuttgarter NachrichtenDen Vertrag auf dünnem gelbem Papier hat Frank Laufenberg aufgehoben. Eine Überweisung in Höhe von 250 Mark kündigt ihm darauf die Abteilung Honorare und Lizenzen des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart (SDR) für Zusammenstellung, Ansage und Produktion der Sendung "Oldies - But Goodies" an, die am 5. August 1969 um 19 Uhr ausgestrahlt wurde. "Ich war stolz wie Bolle", erinnert sich Frank Laufenberg auf seiner Homepage an seine erste eigene Rundfunksendung. "Immerhin: von der Bruchbude in Köln-Ehrenfeld zum SDR nach Stuttgart!"
Diese Sendung wurde damals zwar noch nicht live ausgestrahlt, sondern von dem damals 24-Jährigen in Köln vorproduziert, auf Band aufgenommen und dann per Post nach Stuttgart geschickt. Trotzdem steht sie am Anfang einer beispiellosen Moderatorenlaufbahn. Mit der Jugendsendung "SWF3 Popshop" hat Frank Laufenberg das moderne Popradio miterfunden, während er sich in der Sendung "SWF3 Radioclub" gleich- und frühzeitig als Musikexperte einen Namen machte.
Laufenberg ist zudem - wenn auch eher zufällig und unfreiwillig - ein Vordenker des Deutsch-Rap. Lange bevor die Fantastischen Vier mit "Die da?!" die deutschen Charts stürmten, hatte er mit seinen Kollegen Manfred Sexauer und Thomas Gottschalk - der sich damals als New-Wave-Mann bezeichnete - Anfang der 80er Jahre als GLS-United mit der deutschen Version des Hip-Hop-Klassikers "Rapper's Delight" einen Riesenhit. Von den Beatles, den Stones, den Searchers, den Kinks und den Who schwärmte Laufenberg damals in der Nummer und verrät so nebenbei, wo seine musikalischen Vorlieben bis heute liegen.
Laufenberg verstand sich als Pophistoriker
Weil der Hitparadenerfolg einige Fernsehauftritte mit sich brachte, kannte man jetzt nicht nur Frank Laufenbergs Stimme, sondern auch sein Gesicht. Da war es nur konsequent, dass er Mitte der 80er Jahre auch Fernsehmoderator wurde und für das damalige SWF-Fernsehen die bundesweit ausgestrahlten Musik-Show "Ohne Filter" übernahm.
Laufenberg probierte sich als TV-Moderator immer wieder auch auf anderen Gebieten aus. So moderierte er rund 400-mal die schräge Vorabendserie "WWF Club", präsentierte die Kinder-Nachrichtensendung "Pinnwand" oder die Gameshow "Super-Grips", verirrte sich Anfang der 90er Jahre sogar einmal zum Sender Sat1. Aber immer wieder kehrte zu seinem Fachgebiet, der Musik, zurück. Bis heute ist er einer, den Kollegen und Hörer wegen seiner unaufgeregten und sachlichen Art schätzen, und gilt als wandelndes Rock- und Poplexikon. Seine Vorliebe fürs Enzyklopädische, die er mit dem "SWF 3 Radioclub" erstmals unter Beweis gestellt hatte, führte er in vielen Veröffentlichungen weiter. Inzwischen gibt es sein "SWR1 Hitlexikon" als Podcast.
Zwischen 1996 und 1999 hatte er einen Lehrauftrag zum Thema Popmusik an der Musikhochschule Karlsruhe. Im Februar 2008 erlitt Laufenberg einen Schlaganfall. Er ließ sich aber davon nicht abhalten, weiter zu moderieren. Laufenberg hat sich immer mehr als Pophistoriker verstanden denn als einer, der aktuellen Trends nachspürt. Schließlich hieß die Sendung, mit der er 1969 im Radio debütierte, "Oldies - But Goodies" - und aus heutiger Sicht fragt man sich, welche Songs zu jener Zeit als Oldie gelten konnten. Die Beatles und die Stones ja wohl kaum.
In seiner Sendung mit den "Größten Hits aller Zeiten", die er seit 2002 samstags von 22.10 Uhr bis 24 Uhr auf SWR1 präsentiert, tauchen eher die Songs auf, die brandneu waren, als er seine Karriere begann. Am Mittwoch (5. August) widmet SWR1 Frank Laufenberg ab 22.30 Uhr ein 90minütiges "Kopfhörer Spezial", in dem das Radio-Urgestein mit SWR-1-Moderatorin Annett Lorisz auf Höhepunkte seiner Karriere zurückblickt.