Fotografie
: Stadtrandidyll

Der Backnanger Fotograf Kurt-Joachim Kase lernt auf seinen Streifzügen durch die Kleingartenanlagen in der Region viel über das Zusammenleben von Menschen. Zur Sommerzeit trifft er auf Idylle-sehnsüchtige, glückliche Städter in und vor ihren Gartenhäusern.
Von
Simone Höhn
Stuttgart
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  • Der Backnanger Fotograf Kurt Joachim Kase hat ein Faible für ländliche Idylle. In den Kleingartenanlagen in der Region Backnang hat er die Oasen der Idylle-sehnsüchtigen Städter fotografiert: Gartenhäuschen.

     
  • Für die einen der Inbegriff der Spießigkeit, für die anderen Alltagsflucht und pures Glück: das Gartenhäuschen

    Kurt Joachim Kase
  • Der Backnanger Fotograf Kurt Joachim Kase freut sich auf seinen Streifzügen durch die Kleingartenanlagen in der Region über die glücklichen Menschen, die er dort sieht.

    Kurt Joachim Kase
  • Eine Radkappe als Verzierung – hier muss ein Autofan am Werk gewesen sein.

    Kurt Joachim Kase
  • Die Parzellen in den Kleingartenanlagen sind bis auf den Zentimeter genau abgemessen. Zäune begrenzen die Reiche der Garten- und -häuslebesitzer.

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  • Stilbruch: hier wollte jemand seine Holzhütte mit einer stattlichen Haustür aufpeppen.

    Kurt Joachim Kase
  • Verblichener Charme: ein morsches Häuschen mit Sitzbank

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  • Skandinavien lässt grüßen: ein Gartenhäuschen in Falunrot. Die vor allem in Schweden produzierte rote Dispersionsfarbe ziert hoch im Norden viele Häuser. Auch tief im Süden hat jemand daran Gefallen gefunden. Die Bezeichnung Falunrot bezieht sich auf den schwedischen Ort Falun.

    Kurt Joachim Kase
  • Gartenglück mit Schaukel

    Kurt Joachim Kase
  • In Deutschland nutzen laut des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde fünf Millionen Menschen einen Kleingarten in rund 14 000 Gartenvereinen.

    Kurt Joachim Kase
  • Kurt Joachim Kase hat schon als Schüler für die Zeitung „Schwarzwälder Bote“ fotografiert. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften hat er viele Jahre in der Modebranche in Paris gearbeitet. Heute widmet er sich als freier Fotograf der Landschafts- und Dokumentarfotografie.

    Kurt Joachim Kase
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Backnang - Mit dem Klischee vom Leben in der Kleingartenanlage ist es wie mit den meisten Klischees: Es handelt sich um ein auf Tatsachen beruhendes Missverständnis. Dieser Eindruck verstärkt sich wenn man mit dem Fotografen Kurt Joachim Kase über seine Faszination für Gartenhäuser spricht. Stehen die Begriffe Kleingarten und Kleingeist doch für viele in direktem Zusammenhang. Und die akkuraten, auf den Zentimeter genau bemessenen Parzellen gelten als Inbegriff der Spießigkeit.

Eigene kleine Welten

In Kurt Joachim Kases Wahrnehmung mutet das kleinbürgerliche Idyll ganz anders an. „Es ist gerade im Sommer unheimlich schön zu sehen, wie glücklich die Menschen in ihren Gartenanlagen und Häuschen sind“, sagt der gebürtige Brandenburger, der seit vielen Jahren in Backnang lebt. „Hier genießen Menschen, die meistens in Mietwohnungen ohne Außenbereich leben, ein Stück Freiheit, das sie mit in ihren Alltag nehmen.“ Die Kleingartenanlagen seien eigene kleine Welten, in denen das Zusammenleben auf engstem Raum mit anderen Menschen wunderbar funktioniere. „Die Gartenhäuser sind ein wesentlicher Punkt im Leben der Besitzer. Sie können sich keine teuren Reisen nach Taiwan oder Thailand leisten, sind aber mit dem, was sie haben, glücklich.“ Die Zahlen sprechen für sich: in Deutschland nutzen laut des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde fünf Millionen Menschen einen Kleingarten in rund 14 000 Gartenvereinen.

Harmonie und Widersprüchlichkeit

Kurt Joachim Kase, der übrigens keinen Kleingarten oder ein Gartenhaus besitzt, findet für seine fotografische Arbeit alles rund um das Thema ländliche Idylle spannend. „Gerade im Schwäbischen gibt es jede Menge davon“, sagt der Konzeptfotograf, der schon als Schüler für die Regionalzeitung „Schwarzwälder Bote“ fotografierte und sich heute als freier Fotograf der Landschafts- und Dokumentarfotografie widmet. Auf seinen Streifzügen in den Kleingartenanlagen in der Region Backnang betreibt er eine Art Milieustudie und lernt dort vielleicht mehr über das Zusammenleben von Menschen in all seiner Harmonie und Widersprüchlichkeit als man es woanders lernen könnte. Immer zwischen zehn und elf Uhr morgens, noch bevor die Sonne hoch am Himmel steht, hat Kase die Teilzeit-Behausungen Idylle-sehnsüchtiger Städter frontal mit seiner Nikon-Digitalkamera aufgenommen, stets der selbe Ausschnitt, möglichst wenig Hintergrund und Landschaft.

„Die Leute hier möchten nicht auffallen, sie suchen nichts Außergewöhnliches“, sagt Kase. „Im Gegenteil: sie suchen das Gemeinschaftsgefühl, ein kollektives Stückchen Freiheit.“ Ein Schrebergartenbesitzer hat in der „Zeit“ einmal über das Wesen ebensolcher philosophiert: „Jeder ist in der Schrebergartenkolonie mit seinen Eigenarten willkommen, wenn er nur die Fassade wahrt. Das nenne ich Verfassungspatriotismus!“