Familie Fonda
: Im Schatten eines übermächtigen Vaters

Henry Fonda herrschte als Patriarch über einen der erfolgreichsten Familienclans Hollywoods: Nicht nur seine Kinder Peter und Jane haben als Schauspieler versucht, seinen strengen Anforderungen gerecht zu werden, sondern auch seine Enkeltochter Bridget.
Von
Reimund Abel
Stuttgart
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Stuttgarter Nachrichten

Er war unnahbar, streng, herzlos, abweisend und fast nie zu Hause. Dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - wurde Henry Fonda für seine Kinder Peter und Jane zur übermächtigen Figur.

Die Geschichte der Dynastie der Fonda böte Stoff für ein Hollywooddrama: Das Drehbuch schreibt das Leben, vor allem das von Henry Fonda. Er sieht seine Berufung und seine Erfüllung immer in der Schauspielerei. Ich-bezogen wie er ist, bleibt für Zuneigung zu Kindern kein Platz.

1905 geboren, gehört Henry Fonda zur alten Riege der Hollywood-Haudegen wie John Wayne oder James Stewart. Ein Charakterdarsteller wie aus dem Bilderbuch, mit einem Gesicht wie aus Holz geschnitzt. Er feiert einen Kinoerfolg nach dem anderen, wird zu einem Star der Traumfabrik. Er verkörpert den aufrechten, unbestechlichen und anständigen Amerikaner - wie in "Die zwölf Geschworenen" aus dem Jahre 1957. In vielen Western ist er als unbeugsamer Kämpfer für das Gute zu sehen.

So unbeugsam scheint er auch abseits der Filmstudios zu sein. Als sich seine zweite Frau Frances Seymour, die Mutter seiner Kinder, mit Rasierklingen die Pulsadern aufschlitzt und stirbt, steht er noch am selben Abend wieder am Broadway auf der Bühne. Und im gleichen Jahr heiratet er bereits ein drittes Mal: diesmal Susan Blanchard, die Stieftochter des Musicalmoguls Oscar Hammerstein II. Gemeinsam adoptieren sie ein Mädchen, Amy, die 1953 geboren wurde, lassen sich aber bereits 1956 wieder scheiden.

Und die Kinder? Sie werden hineingeboren in eine öffentliches Existenz - Jane Fonda 1937 und Bruder Peter zwei Jahre später. Die Tochter verzehrt sich jahrzehntelang nach der Anerkennung des Übervaters. Dennoch bewegt sie viel in ihrem Leben als öffentliche Frau, sie ist viel mehr als nur Schauspielerin: Sexbombe in den 60ern wie im Film "Barbarella", Ikone der Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg in den 70ern, Aerobic-Vorturnerin in den 80ern und wohltätige Kapitalistin an der Seite von CNN-Chef Ted Turner in den 90ern. Und doch bleibt da immer diese Sehnsucht nach der Liebe des Vaters.

In ihrer 2005 erschienenen Autobiografie "My Life So Far" beschreibt Jane Fonda anrührend, dass sie 1981 erstmals Emotionen von ihm gespürt habe, bei den Dreharbeiten zu "Am goldenen See". Es ist der letzte Film Henry Fondas - und der erste überhaupt, in der Vater und Tochter gemeinsam vor der Kamera standen. Jane Fonda spielt die Tochter eines alternden Professors. In einer Szene habe sie ihren Dad am Arm berührt und gesagt: "Ich möchte dein Freund sein." Für einen kurzen Moment ist die Mauer durchbrochen, die ihn umgibt, in seine Augen steigen Tränen.

Peter Fonda ist lange Jahre vor allem eines - der Sohn eines Superstars. Er tut sich noch schwerer als Jane mit dem langen Schatten des Vaters. Seine Rolle ist die des des Trotzkopfs, des Rebellen. Er experimentiert als junger Mann mit Drogen, wie es viele in den Sixties tun. Als Schauspieler ist er wenig erfolgreich - obwohl er bis heute in mehr als 60 Filmen mitgewirkt hat.

An den Vater, der gleich mehrere Meilensteine der Filmgeschichte abgeliefert hat, kommt er nie heran. Doch dafür gelingt dem Sohn als Produzent und Hauptdarsteller mit "Easy Rider" ein Klassiker der Flower-Power-Bewegung. Anfang der 70er Jahre gibt es in Deutschland vermutlich kein einziges Jugendzimmer, in dem nicht das Plakat mit Peter Fonda und Dennis Hopper auf ihren Harleys an der Wand hängt. Henry Fonda soll den Film übrigens entsetzlich gefunden haben.

Bleibt noch Bridget Fonda, Peters 1964 geborene Tochter. Sie repräsentiert die dritte Generation des Clans. Ihr ist das Talent in die Wiege gelegt worden. Doch der Nachname ist, wie bei vielen anderen berühmten Familien auch, mehr Hypothek als Türöffner, sie muss für den Erfolg hart arbeiten. Bereits im Alter von sieben Jahren wird sie von ihrem Vater getrennt, weil sich die Eltern scheiden lassen.

Die Tochter zieht zur Mutter, der Schauspielerin Susan Brewer. Die Beziehung zu ihrem Vater ist dennoch immer sehr intensiv. Dass Bridget auf der Leinwand Karriere machen will, wird früh klar. In der High School beginnt sie mit der Schauspielerei, nach dem Studium geht sie ans New Yorker Lee-Strasberg-Institut. 1987, mit 23 Jahren, hat sie ihr Kinodebüt. In dem Kostümschinken "Aria" gönnt ihr der Regisseur eine siebenminütige Szene - nackt. Großvater Henry, der 1982 starb, wäre schockiert gewesen, wenn er erfahren hätte, wie die Enkelin ihre Hollywoodkarriere startet.