Eifel, Rottweil, Westerwald
: Wo es aktuell in Deutschland lichterloh brennt

Feuerschein am Horizont, Wiesen werden mit Wasser getränkt – Monschau in NRW kämpft gegen das nahende Inferno. Was die Einsatzkräfte jetzt unternehmen, um die Häuser zu schützen. Wie ist die Lage in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz? Ein Überblick in Bildern, Videos und Karten.
Von
Markus Brauer
Monschau/Hürtgenwald/Schramberg
Jetzt in der App anhören
Blick auf verbrannte Vegetation und verbrannten Waldboden. Weite Teile des Hohen Venn an der Grenze zu Deutschland sind von den Flammen betroffen.

Blick auf verbrannte Vegetation und verbrannten Waldboden. Weite Teile des Hohen Venn an der Grenze zu Deutschland sind von den Flammen betroffen.

Thomas Banneyer/dpa
  • Große Waldbrände in Eifel, Rottweil und Westerwald – Evakuierungen und Löschaktionen laufen.
  • Monschau in NRW evakuiert 17 Häuser, Wiesen als Brandschutz wurden mit Wasser getränkt.
  • Belgien: Feuer im Hohen Venn auf rund 3000 Hektar, drehender Wind erschwert den Einsatz.
  • Hürtgenwald: Großbrand unter Kontrolle, Aufklärung aus der Luft überwacht Glutnester weiter.
  • Schramberg: 10–12 Hektar Wald brennen, schwieriges Gelände; Wasser auch aus Freibad genutzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wieder müssen Menschen in der Eifel in Nordrhein-Westfalen wegen eines großen Waldbrandes ihre Häuser verlassen. Das mächtige Feuer im Naturschutzgebiet Hohes Venn rückt aus Belgien kommend auf die erste Wohnbebauung auf deutschem Gebiet vor.

Nordrhein-Westfalen: Evakuierungen in Monschau

Die Flammen stünden etwa 300 Meter vor den Gebäuden, die am späten Sonntagabend (16. August) evakuiert worden sind, sagt Monschaus Feuerwehrsprecher Tobias Schell in der Nacht. Die 17 Häuser in den Ortslagen Ruitzhof und Geisberg mit rund 30 Bewohnern waren gegen 22 Uhr evakuiert worden.

Die Brandbekämpfer hoffen, die Häuser retten zu können: „Zwischen dem Feuer und den Häusern liegen Wiesen, die wir in den vergangenen Stunden komplett mit Wasser getränkt haben.“ Gegen 16 Uhr sei am Sonntag die Anforderung aus Belgien gekommen, bei der Brandbekämpfung zu helfen.

Evakuierung von Anwohnern

Im Minutentakt rauschen in der Nacht Transporter mit Wassertanks durch Kalterherberg, das zu Monschau gehört, ins Einsatzgebiet. Auf der nächsten Anhöhe war Feuerschein zu sehen. Nicht nur die Wiesen würden gewässert, sondern auch große Wassertanks ständig aufgefüllt für die Löschfahrzeuge.

Die allermeisten Bewohner der evakuierten Straßenzüge in Monschau seien bei Verwandten oder Freunden untergekommen, berichtet der Stellvertreter der Bürgermeisterin, Franz-Karl Boden. Die eingerichtete Notunterkunft in einer Schule werde zumindest von ein paar Betroffenen genutzt, heißt es weiter.

Zunächst war die Evakuierung von zwei Ortsteilen in Monschau mit rund 5000 Einwohnern erwogen worden. In der Nacht zu Sonntag waren die Bewohner der Ortsteile aufgerufen worden, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten.

Blick von dem Ortsteil Monschau-Kalterherberg auf die belgische Seite, wo das Hohe Venn in Flammen steht. Weite Teile des Hohen Venn an der Grenze zu Deutschland sind von den Flammen betroffen.

Blick von dem Ortsteil Monschau-Kalterherberg auf die belgische Seite, wo das Hohe Venn in Flammen steht. Weite Teile des Hohen Venn an der Grenze zu Deutschland sind von den Flammen betroffen.

Thomas Banneyer/dpa

Ständig drehender Wind erschwert Löscharbeiten

Der Kampf gegen die Flammenfront im Hohen Venn, der im Osten Belgiens liegt, bereitet den Einsatzkräften weiter große Mühe. Besonders zu schaffen mache ihnen der vergleichsweise starke und ständig drehende Wind, teilt der belgische Innenminister Bernard Quintin mit.

Auf rund 3000 Hektar Fläche lodert jenseits der Grenze der größte Waldbrand in der Geschichte Belgiens. Am Sonntag kamen auch deutsche Einsatzkräfte aus der Region Aachen zu Hilfe, die ins belgische Küchelscheid ausrückten, einem Nachbarort von Monschau. Auch andere europäische Länder helfen.

Die zerklüftete Landschaft des Hohen Venn erschwert die Löscharbeiten, da es nur wenige Zufahrten gibt und ausgedehnte Torfmoore die Brandbekämpfung erschweren. Das Hochmoor gilt als ökologisch besonders wertvoll.

Großbrand im Hürtgenwald unter Kontrolle

Erst am Freitag (14. August) mussten wegen des größten Waldbrandes der NRW-Geschichte im Hürtgenwald etwa 2000 Menschen ihre Häuser oder Wohnungen verlassen. Der von Flammen bedrohte Ortsteil Gey der Gemeinde Hürtgenwald wurde gegen 4 Uhr evakuiert. Tagelang kämpfte ein Großaufgebot unterstützt von Löschhubschraubern und Bergepanzern gegen den Waldbrand, der inzwischen unter Kontrolle ist. Seit Samstagabend (15. August) können Bewohner nach Gey zurück.

Im Hürtgenwald dauern die Löscharbeiten weiter an. Bis alles endgültig gelöscht sei, werde noch einige Zeit vergehen, teilt Dürens Landrat Ralf Nolten (CDU) mit. Die Zahl der Einsatzkräfte sei deutlich reduziert worden. Ein Aufklärungshubschrauber mit Wärmebildkamera beobachte aber nach wie vor, ob sich die vereinzelten Glutnester auf dem 300 Hektar großen Areal wieder entzünden. Zwei Löschhubschrauber blieben ebenfalls vor Ort.

Baden-Württemberg: Brandherd in Schramberg

Der zuletzt deutlich größer gewordene Brand in einem steilen Waldstück bei Schramberg (Landkreis Rottweil) lässt sich nach Angaben der Feuerwehr nur schwer löschen. „Die Einsatzkräfte können nicht näher an die Brandherde rücken, weil das Gelände es nicht zulässt“, berichtet der Landkreis mit. „Die Sicherheit unserer Feuerwehrleute geht vor.“ Insgesamt sind derzeit laut Feuerwehr 250 Einsatzkräfte am Ort des Brandes.

Es gebe inzwischen in Richtung Lauterbach eine „statische Flanke“, an der sich das Feuer nicht mehr weiter bewege. Richtung Tennenbronn und Richtung Schramberg hingehen seien die Ränder dynamisch.

Eine Rauchwolke ist über einer Waldfläche im Bereich Schramberg zu sehen. Eine etwa zwei Hektar große Waldfläche brennt dort. Wegen der Wetterlage und starken Windes rechnen die Einsatzkräfte mit einer schnellen Ausbreitung des Brandes, wie die Feuerwehr mitteilte.

Eine Rauchwolke ist über einer Waldfläche im Bereich Schramberg zu sehen. Eine etwa zwei Hektar große Waldfläche brennt dort. Wegen der Wetterlage und starken Windes rechnen die Einsatzkräfte mit einer schnellen Ausbreitung des Brandes, wie die Feuerwehr mitteilte.

Christian Klemm/Blaulichtreport Rottweil/dpa

Löschwasser aus dem Freibad

Das Feuer hatte sich in der Nacht deutlich ausgebreitet. Nach Angaben eines Polizeisprechers brennen inzwischen rund zehn bis zwölf Hektar Waldfläche, das ist etwa so groß wie 14 Fußballfelder. Am Sonntagabend hatten zunächst noch etwa zwei Hektar in Flammen gestanden.

Die Feuerwehr versucht einen Waldbrand bei Schramberg im Landkreis Rottweil zu löschen.

Die Feuerwehr versucht einen Waldbrand bei Schramberg im Landkreis Rottweil zu löschen.

Christian Klemm/dpa

Zahlreiche Landwirte unterstützten die Löscharbeiten mit ihren Gülle- und Wasserfässern. „Um die Wasserversorgung in Schramberg-Stadt auch weiterhin sicherzustellen, kann nur begrenzt Wasser aus dem Trinkwassernetz gezogen werden“, teilt der Landkreis mit. Wasser komme auch aus einem Löschteich und aus dem Freibad im Stadtteil Tennenbronn.

Die Bevölkerung soll im Bereich Schramberg-Tal, Sulgen, Tennenbronn und Lauterbach vorsorglich Fenster und Türen geschlossen halten und Klima- sowie Lüftungsanlagen vorerst abschalten.

Rheinland-Pfalz: Flammen in Altenkirchen unter Kontrolle

Nach dem Waldbrand bei Gebhardshain in Rheinland-Pfalz läuft der Einsatz am Montag weiter. „Die Einsatzkräfte sind auch am heutigen Morgen weiter vor Ort“, teilt die Gemeinde mit. „Im Laufe des Morgens wird der Kräfteeinsatz nochmals verstärkt, um die weiteren Arbeiten im betroffenen Waldgebiet durchzuführen.“

Bereits am Sonntagabend war der Brand unter Kontrolle gebracht worden, wie der Landkreis Altenkirchen mitteilte. Für die Nacht waren Nachlöscharbeiten geplant. Am Montagmorgen sollten die Flächen nochmals kontrolliert werden.

Zuvor waren es bange Stunden im Westerwald: Die Flammen des Waldbrandes hatten sich am Sonntagabend bis auf etwa 20 Meter an erste Gebäude herangefressen, bis die Entwarnung kam. Die Lage war zwischenzeitlich so brenzlig, dass eine Straße mit 20 Haushalten rasch evakuiert werden musste. Später durften die Anwohnerinnen und Anwohner wieder zurück in ihre Häuser.

Einsatzbereich soll gemieden werden

Doch auch am Montag wurde gebeten, den Bereich zu meiden. „Bitte ermöglicht den Einsatzkräften, ihre Arbeit ungehindert und sicher durchzuführen.“ Eine Schule blieb zum Wochenanfang geschlossen, weil Gebäudeteile stark verraucht waren.

Insgesamt hatten mehr als 300 Einsatzkräfte auch aus anderen Kreisen am Sonntag versucht, die Flammen einzudämmen, Hubschrauber löschten aus der Luft. Vier Einsatzkräfte erlitten Verletzungen, einer kam ins Krankenhaus. Besonders gefährdet war zwischenzeitlich eine Schule – der Unterricht musste am Montag ausfallen, weil Gebäudeteile stark verraucht waren.

Bereits am Sonntagabend war der Brand unter Kontrolle gebracht worden, wie der Landkreis Altenkirchen mitteilte. Für die Nacht waren Nachlöscharbeiten geplant. Am Montagmorgen sollten die Flächen nochmals kontrolliert werden.

Bereits am Sonntagabend war der Brand unter Kontrolle gebracht worden, wie der Landkreis Altenkirchen mitteilte. Für die Nacht waren Nachlöscharbeiten geplant. Am Montagmorgen sollten die Flächen nochmals kontrolliert werden.

Sascha Dietscher/dpa

Großeinsätze in Rheinland-Pfalz und Nachbarländern

Für Feuerwehrleute in Rheinland-Pfalz war es der zweite Großeinsatz binnen weniger Tage: Erst am Freitag waren in der Vordereifel, bei Langscheid, Wald und Wiese in Flammen aufgegangen, auf einer Fläche von rund 50 Hektar. Die letzten Arbeiten – Glutnester aufspüren und löschen – dauerten am Sonntag noch an.

Die neue Woche könnte etwas Entspannung bringen: Das Risiko für Waldbrände in Rheinland-Pfalz schwächt sich in den kommenden Tagen voraussichtlich ab. Laut dem Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes wird am Montag an den meisten Stationen eine mittlere bis geringe Gefahr erwartet. Ab Mittwoch  (19. August) soll sogar überall nur noch Stufe 1 gelten, was bedeutet, dass die Gefahr sehr gering ist. (dpa-/AFP-Agenturmaterial)