"Didi" wird 75
: Nonstop Nonsens vom "Jubelgreis"

Einer der bekanntesten deutschen Komiker wird 75 - wir gratulieren Dieter Hallervorden.
Von
Daniela Eichert
Stuttgart
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  • Er macht den Slapstick-Humor fernsehtauglich: Dieter Hallervorden, einer der grimassieren kann, wie wohl kaum ein anderer, feiert am 5. September seinen 75. Geburtstag. Wir gratulieren und zeigen Ausschnitte aus dem Leben des wohl mit bekanntesten deutschen Komikers in der folgenden Bilderstrecke.

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  • Unverkennbar: Mit Schlips und Kragen zwischen seine beiden Schwestern gekuschelt, hat der noch sehr junge Dieter Hallervorden mit den charakteristischen Segelohren bereits den Schalk des späteren Film-, Fernseh- und Bühnenstars in den Augen.

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  • Hallervorden (links), wird 1935 im sächsischen Dessau geboren und wächst als Sohn einer Arzthelferin und eines Ingenieurs ...

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  • ... in diesem Haus in Dessau auf. Einen Teil seiner Kindheit, während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg auf seine Geburtsstadt, verbringt Dieter Hallervorden in Quedlinburg im Harz.

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  • Nach dem Ende des Krieges kehrt er in seine Heimatstadt zurück und schließt dort 1953 seine Schulausbildung mit dem Abitur an der Oberschule Philanthropinum ab. Als Sohn eines Flugzeugingenieurs bei Junkers steigt Dieter Hallervorden zwar nicht in die Fußstapfen seines Papas. Doch der Überflieger sollte bald schon im für ihn richtigen Metier landen.

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  • Er beginnt ein Studium der Romanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und will eigentlich Korrespondent werden. Doch es kommt anders. Um seine Meinung frei äußern zu können, flieht der Mann mit dem scheinbar immerwährenden Schmunzeln im Gesicht 1958 nach West-Berlin. Er schreibt sich an der Freien Universität der heutigen Bundeshauptstadt ein und studiert fortan auch noch Publizistik und Theaterwissenschaften.

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  • Von da an ist er fasziniert von den Brettern, die die Welt bedeuten. "Ich will - und ich kann!", ist Hallervordens Lebensmotto. Und er will ans Theater. Von kleinen Rückschlägen lässt er sich nicht aufhalten. Wie Hallervorden in seiner 2005 erschienenen Autobiografie "Wer immer schmunzelnd sich bemüht" schreibt, rasselt er durch die Aufnahmeprüfung am Max-Reinhardt-Seminar. "Mangels Begabung abgelehnt", ist das niederschmetternde Urteil der Leiterin Hilde Körber. Auch das etablierte Kabarett "Die Stachelschweine" will ihn nicht in der Truppe.

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  • Statt den Traum von der Bühne ob der vielen Zurückweisungen an den Nagel zu hängen, gibt Hallervorden jetzt erst richtig Gas. Als Laienspieler an der Studentenbühne in ausschließlich französischen Stücken lässt er sich auch davon nicht abschrecken, dass die Zuschauer in Tragödien Tränen über ihn lachen. Vielmehr bringt es den Bühnenbesessenen auf die Idee, eine eigene Truppe auf die Beine zu stellen. 1960 gründet der damals 25-Jährige die Kabarettbühne "Die Wühlmäuse", der er bis heute als Direktor vorsteht.

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  • Hallervordens Karriere ist damit sanft ins Rollen gebracht. Schon bald nach Gründung der "Wühlmäuse" folgen Fernseh- und Filmauftritte, unter anderem im Fernsehfilm "Das Millionenspiel", in dem er den Gangsterboss Köhler spielt. Mit Publikumsliebling Liselotte Pulver ...

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  • ... dreht Hallervorden den Fernsehfilm "Eine Nervensäge gegen alle". Privat finden die beiden allerdings nicht zusammen. Es ist eine andere Schauspielkollegin, der er den Ring an den Finger steckt. In seiner ersten Ehe ist er mit Rotraud Schindler verheiratet. Das Paar bekommt zwei Kinder. Sohn Dieter wird 1962 geboren. Tochter Nathalie kommt 1966 auf die Welt. Eine weitere Tochter sowie einen Sohn schenkt ihm seine zweite Frau Elena Blume 1986 und 1998.

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  • Eine wichtige Frau in seinem Leben ist auch Helga Feddersen. Feiert er mit seiner ersten Gattin Rotraud Schindler 1975 seinen Durchbruch mit der Slapstick-Reihe "Nonstop Nonsens" und bis heute legendären Sketchen wie "der Zumsel", "Palim-Palim" und "die Kuh Elsa", ulkt er mit Feddersen 1978 in "die Wanne ist voll". Der Schlager ist eine Parodie auf den Grease-Hit "You're The One That I Want".

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  • Ab 1980 widmet sich Hallervorden als Drehbuchautor und Schauspieler hauptsächlich dem Kino und entwirft die tollpatschige Figur "Didi", die zu seinem Markenzeichen wird. 1992 kehrt er zum politischen Kabarett zurück, zunächst auf Sat.1 mit 21 Folgen der Sendung "Spottschau" und von 1994 bis 2003 in der ARD mit Hallervordens "Spott-Light" (auf dem Foto mit Sketch-Partnerin Franziska Troegner).

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  • Für die ARD moderiert er von 1996 bis 1997 die Sendung "Verstehen Sie Spaß?" und produziert 2000 zwölf Folgen der von Frank Lüdecke geschriebenen Familien-Komödie "Zebralla". Seit 2005 gehört er zum Team der "Comedy-Falle" auf Sat.1.

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  • Nach dem Ende von "Spott-Light" verabschiedet sich "Didi" vorerst vom Fernsehen. Mit seinem musikalischen Solo-Programm "Mit dem Gesicht" sowie mit den Boulevard-Komödien "Dinner für Spinner" und "Die Nervensäge" feiert er große Erfolge in seinem Theater "Die Wühlmäuse" in Berlin und im Anhaltischen Theater in seiner Heimatstadt Dessau.

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  • Einen Tag vor seinem 75. Geburtstag lädt Dieter Hallervorden die besten Künstler von Kabarett bis Comedy zum Wettstreit um den "Wühlmäuse-Preis" ein. Live aus seinem Berliner Kabarett-Theater sendet das RBB-Fernsehen am 4. September, um 20.15 Uhr, "Das große Kleinkunst-Festival 2010".

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  • Doch so ganz kann Hallervorden von "der Glotze" nicht lassen. Und das, obwohl er ein etwas gespaltenes Verhältnis zu den Programmchefs hat: "Die Fernsehredakteure verstehen, die Spreu vom Weizen zu trennen", sagte er. "Und dann senden sie die Spreu." Der Vielbegabte verdingt sich auch als Synchronsprecher. Dem Komiker Marty Feldman etwa hat er seine Stimme geliehen. Feldman entpuppt sich als Fan von Hallervorden. Er findet die deutsche Fassung "komischer". Am 14. September gibt es ein Wiedersehen auf der Mattscheibe mit Hallervorden in der ARD-Serie "In aller Freundschaft".

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  • Auch im Alter gönnt sich der offenbar immer unter Strom stehende Kreative keine Schaffenspause. Ende 2008 mietet Hallervorden das Schlossparktheater von der Stadt Berlin für zehn Jahre und lässt das Theater umbauen. Ihm wird dafür von der Stadt für fünf Jahre Mietbefreiung gewährt. Am 1. September 2009 heißt es in der Spielstätte erstmals wieder Vorhang auf!

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  • Rückblickend gibt der Mime, der abwechselnd in Château de Costaérès auf einer Insel vor der bretonischen Küste und in Berlin lebt, in einem Interview einmal zu, dass er seine Entscheidungen oft aus dem Bauch heraus getroffen habe. "Letzlich war das gut so", sagt Hallervorden, der mit 75 nicht aufs Abstellgleis geschoben werden will, sondern "euer Jubelgreis" bleiben möchte.

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"Palim Palim, ich hätte gerne eine Flasche Pommes Frites" - wer kennt sie nicht, die Sketche aus der legendären Ulksendung "Nonstop Nonsens" von und mit Dieter Hallervorden. Auch Jahrzehnte später noch lachen jüngere Generationen etwa über die Kunstfigur "Didi", die der wohl bekannteste deutsche Kabarettist fürs Kino der 70er erschaffen hatte.

Am Sonntag wird der in Dessau geborene, vielseitig begabte Satiriker und Grimassenschneider 75 Jahre alt. Wir gratulieren mit einer Bildergalerie, die Ausschnitte seines Lebens zeigt.