STN+STN+Das Fahrzeug als Spiegel der Seele
: Welcher Autotyp bin ich?

Marke, Image und Emotionen waren einmal. Beim Autokauf rücken längst rationale Kriterien in den Vordergrund. Ist der Automarkt bereit für den Trend? Und was fahren Sie eigentlich?
Von
Werner Ludwig
Stuttgart
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  • So viele Autos, so viele Möglichkeiten. Welcher Typ sind Sie?

    Adobe Stock/stockpics
  • 1. VW Golf: Die DurchschnittlicheLaura M. (46), Werbekauffrau: „Ich bin mit dem VW Golf groß geworden, er war schon mein Auto in der Fahrschule. Nach dem Abitur und der Führerscheinprüfung war der VW Golf Anfang der 90er Jahre das Maß aller Dinge. Damals wollte jeder junge Mensch den Führerschein machen. Wer ein Auto besaß, war ungebunden. Man träumte von einem GTI, während man mit der 55-PS-Möhre über die Äcker in die Stadtdisco zuckelte und dabei die Phil-Collins-Kassette einlegte. Für mich ist dieses Auto nicht nur ein rundum gelungenes Designobjekt; mehr noch steht der Golf für ein westdeutsches Lebensgefühl: für Erfolg und Wohlstand. Für Sorglosigkeit. Eine Illusion, ich weiß.“ (PAV)

    Volkswagen
  • 2. Mercedes S-Klasse: Der TraditionalistMichael S. (62), Musikproduzent: „Ich besitze einen Fuhrpark und fahre die S-Klasse nur selten selbst. Aber das Auto ist, wenn ich ehrlich bin, mein liebstes Stück in meiner wohltemperierten Großgarage. Das liegt sicher nicht an der wunderbaren Hinterachslenkung oder der sanft schaltenden Neun-Gang-Automatik oder am Design. All das kann man auch bei anderen Markenherstellern im Premiumsegment kaufen. Die S-Klasse ist für mich der glanzpolierte Beweis, dass man es geschafft hat. Nachdem ich geboren wurde, holte mein Vater mich und meine Mutter mit einem VW-Käfer vom Krankenhaus ab. Und ich kann mir heute eine S-Klasse vor die Villa stellen.“ (PAV)

    MediaPortal Daimler AG
  • 3. Audi Q7 TDI: Der AlleskönnerJorgos T. (39), Entwicklungsingenieur: „Ich halte den Diesel weiterhin für einen effizienten Antrieb. Dass Diesel und SUV dermaßen in Verruf geraten sind, muss man als vernünftiger Mensch mit technischem Wissen nicht verstehen. Der 3,0-Liter-TDI in meinem Q7 mobilisiert 286 PS, was genug für 241 km/h Spitze ist. Doch wenn ich es auf der Autobahn gemütlich angehen lasse, verbraucht der Wagen kaum mehr als ein Kleinwagen. Was soll also der ganze Stress?“ (PAV)

    AUDI AG
  • 4. Dacia Logan: Die RationalistinPaula T. (32), Journalistin: „Ich will ein Auto, mit dem ich möglichst problemlos von A nach B komme, mit genug Platz für meine kleine Tochter und den Hund. Punkt. Also ein Dacia. Der Kombi ist praktisch, hat eine große Ladeklappe und ist günstig in der Anschaffung. Ein Auto für all jene, die ihre Statuskomplexe nicht auf der Autobahn aus­leben. Mir ist es egal, was meine Nachbarn über mich, meine Frisur oder meine Felgen denken. Wenn ich könnte, würde ich ohnehin ganz auf das Auto verzichten.“ (PAV)

    Dacia
  • 5. Porsche Cayenne Hybrid: Der Pseudo-ÖkoHartmut L. (59), Bauunternehmer: „Ich bin beruflich viel unterwegs, hake täglich zahllose Termine bei unterschiedlichen und teils schwierigen Kunden ab und benötige dafür ein repräsentatives, komfortables Auto mit modernem Antrieb. Ich bin nicht Max Mustermann, das muss man sofort erkennen, wenn ich auf einer meiner Baustellen auftauche. Also Porsche, keine Gurke. Breit. Hoch. Stark. 462 PS. Ökologische Motoren finde ich okay, solange sie keinen Verzicht bedeuten. Ich bin ein Macher. Ich will nicht auf dem Standstreifen winkend mit dem Ladekabel in der Hand liegenbleiben. Deswegen der Hybrid. Der macht sich auch gut im Ski-Urlaub in der Schweiz.“ (PAV)

    Porsche AG
  • 6. Mercedes C 63 AMG: Der LeistungsbewussteMichael B. (45), Controller: „Also ich finde, ein Auto unter drei Liter Hubraum taugt höchstens als Gehhilfe. Und ein paar Reserven braucht man ja auch, wenn’s beim Überholen mal eng wird. Mit acht Zylindern und 510 PS bin ich da immer auf der sicheren Seite. Wenn so eine Schlafmütze mit 20 dahinkriecht, nur weil die nächste Ampel rot ist, lasse ich sie locker stehen – dank meinem Sportauspuff hören dann auch andere, wer Chef im Ring ist. Blöd, dass man fast nirgends mehr über 200 fahren kann, aber eine ordentliche Beschleunigung ist ja auch was wert. Zwischen 120 und 180, da wird der Krieg gewonnen, sagt mein Kumpel immer. Den Verbrauch weiß ich jetzt gerade nicht auswendig, aber den Sprit zahlt eh die Firma.“ (LUD)

    MediaPortal Daimler AG
  • 7. Tesla Model S: Der MittelständlerGünther S. (58), Unternehmer: „Früher hab ich einen S-Klasse-Mercedes gefahren – zum Schluss als Diesel, wegen des Klimas. Aber in meiner Firma leben wir davon, bei Trends vorne mit dabei zu sein. Und weil das auch die Kunden sehen sollen, habe ich mir den Tesla gekauft. Echt ein toller Wagen. Läuft superleise und beschleunigt sen­sationell. Und das Beste: Ich hab überhaupt kein schlechtes Gewissen, wenn ich mal richtig Gas – Pardon! – Strom gebe. Meine 17-jährige Tochter ist trotzdem nicht zufrieden. Die Herstellung der Batterie verbrauche eine Menge Rohstoffe und Energie, und Strom werde zum Teil auch noch in Kohlekraftwerken erzeugt, sagt sie. Trotzdem fährt sie gerne mit. So sind sie halt, die jungen Leute!“ (LUD)

    Tesla
  • 8. Renault Zoe: Die KlimafreundlicheHelga S. (32), Ärztin: „Autos mit Verbrennungsmotor schaden nicht nur dem Klima, ihre Abgase machen auch Menschen krank. Für mich als Ärztin war es deshalb keine Frage, dass mein nächster Wagen ein Elektroauto wird. Okay, das mit dem Laden ist manchmal ein bisschen stressig, weil es immer noch zu wenig Ladestationen gibt. Und für so eine Wall-Box in der Garage ist bei uns das Stromnetz zu schwach. Aber sonst bin ich mit meinem Stromer sehr zufrieden. Gerade in der Stadt macht er richtig Spaß – zumindest wenn der Verkehr mal fließt. Und für längere Strecken habe ich ja immer noch den E-Klasse-Mercedes von meinem Mann.“ (LUD)

    Renault Presse
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