Brasilien: Ureinwohner im Amazonas entdeckt
: Drohne filmt völlig isoliert lebenden Indianer-Stamm

Im brasilianischen Regenwald hat eine Drohne einen Indianer-Stamm gefilmt. Die Ureinwohner leben völlig isoliert inmitten des dichten Dschungels. Die kleine Gruppe gehört zu jenen Urvölkern im Amazonas-Gebiet, die jeden Kontakt zur Außenwelt vermeiden.
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Markus Brauer/AP/dpa
Stuttgart
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  • Dieses Standbild eines Videos zeigt einen Ureinwohner im brasilianischen Amazonas-Gebiet, der offenbar der letzte Vertreter seines Volkes ist. Alle anderen Stammesmitglieder wurden wahrscheinlich von Viehzüchtern getötet.

    AP/Fundação Nacional do Índio (Funai)
  • Die brasilianische Regierungsbehörde für indigene Angelegenheiten Funai hat die Drohnenaufnahmen veröffentlicht. Auf diesem Foto ist am Rande einer Lichtung im Regenwald eine Strohhütte zu sehen. Die Aufnahmen stammen bereits aus dem Jahr 2017 und sind in der Region Vale do Javari im Westen Brasiliens entstanden.

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  • Auf den Fotos des 2017 im Vale do Javari im brasilianischen Amazonas-Gebiet entdeckten Stammes ist ein Einbaum-Boot zu sehen.

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  • Außerdem Werkzeuge wie diese Axt.

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  • 2017 wurde bekannt, dass Goldgräber zehn Ureinwohner getötet, ihre Körper verstümmelt und danach in einen Fluss geworfen hatten. Darunter waren nach Angaben von Survival International auch Frauen und Kinder.

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  • Dieses Foto aus dem Jahr 2011 zeigt Mitglieder eines unkontaktierten Stammes, der im Amazonas von einem Flugzeug aufgenommen wurde.

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  • Die Aufnahmen wurden von einem BBC-Filmteam aus einem Kilometer Entfernung aufgenommen, um Störungen für die Gruppe zu vermeiden.

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  • Die Rodung des Regenwaldes für die Holzgewinnung, Viehzucht und Bergbau stellen eine große Bedrohung dar. Vor allem eingeschleppte Krankheiten wie Masern oder Pocken sind eine Gefahr für diese Völker.

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  • Dieses Foto aus dem Jahr 2008 zeigt die Siedlung eines anderen Stammes im Amazonas.

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Brasilia/Stuttgart - Im brasilianischen Urwald am Amazonas sollen mehr als 100 Stämme leben, die wenig bis gar keinen Kontakt mit der Außenwelt haben. Das hat die internationale Menschenrechtsorganisation Survival International erklärt.

Die brasilianische Behörde für Indigene Angelegenheiten (Fundação Nacional do Indio, kurz Funai) hat jetzt spektakuläre Drohnenaufnahmen einer solchen Gruppe von sogenannten unkontaktierten Völkern veröffentlicht. Sie stammen aus der Region Vale do Javari, dem größten indigenen Territorium in Brasilien. Der Stamm wurde bereits im vergangenen Jahr aufgenommen. Man habe mit der Veröffentlichung aber gewartet, so die Behörde.

Forscher entdecken isolierte Indianer-Stämme am Amazonas

Auf den Aufnahmen ist unter anderem ein Stammesmitglied zu sehen, das Pfeil und Bogen trägt. Auch eine hölzerne, mit Stroh gedeckte Behausung ist zu erkennen. Einen offiziellen Namen hat die Gruppe bisher nicht. Es gehört nach Aussage von Survival International zu den Prinzipien von Funai, dass unkontaktierte Gruppen, die bisher noch keinen Kontakt zur Außenwelt hatten, zwar beobachtet, aber nicht direkt angesprochen werden.

Ihre Heimat liegt im südwestlichen Teil des Amazonas in der Grenzregion zu Kolumbien und Peru. Hier gibt es bereits mehrere bekannte Gruppen unkontaktierter Bewohner. Das Vale do Javari ist die Heimat von mehreren indigenen Völkern Brasiliens, darunter die Matis, Matsen, Kulina und Mayoruna. Die isoliert lebenden Ureinwohner werden auf mehr als 2000 Menschen geschätzt, die mindestens 14 verschiedenen Stämmen angehören.

Aufnahmen von anderen Stämmen

Neben Brasilien soll es auch in Bolivien, Kolumbien und Ecuador unkontaktierte Stämme geben. Bereits 2011 und 2012 waren zwei von der Außenwelt völlig isolierte Indianerstämme in Brasilien entdeckt worden.

„Größte Konzentration von isolierten Gruppen im Amazonas und der Welt“

Die Stämme leben in 19 bisher bekannten Dörfern inmitten des Dschungels, die durch Flugzeuge oder Drohnen entdeckt wurden. Nach Funai-Angaben beherbergt die Region Vale do Javari, die so groß wie Österreich ist, „die größte Konzentration von isolierten Gruppen im Amazonas und der Welt.“

Laut Survival International wissen die Stämme sehr wohl, dass es große Städte und Bauernhöfe in ihrer Nachbarschaft gibt. Sie hätten sich aber dagegen entschieden, mit den dortigen Bewohnern in Kontakt zu treten. Grund seien oft traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit, Gewalt oder Krankheiten. Durch die Rodung des Regenwaldes wird der Lebensraum der indigenen Ureinwohner immer mehr verkleinert.

Moderne Zivilisation bedroht ihre Kultur und ihr Leben

Den indigenen Völkern im Amazonas droht nach Aussage von Survival International Gefahr etwa durch illegalen Holzeinschlag, Viehzucht oder Bergbau in ihrer Heimat. Masern, Pocken oder Grippeviren führen zu Epidemien, denen viele Ureinwohner zum Opfer fallen.

Aufgabe der Regierungsbehörden ist es, den Schutz der indigenen Bevölkerung zu gewährleisten und ein unbefugtes Eindringen zu vermeiden. Auch im aktuellen Fall sollen Hinweise auf eine Bedrohung durch illegale Holzeinschläge und Goldgräber Hintergrund der Funai-Expedition zur Erforschung des Volkes gewesen sein. Dabei hätten die Mitglieder des Teams nicht nur die Drohnenaufnahmen gemacht, sondern auch einfach Werkzeuge und selbstgebaute Boote aus Baumstämmen gefunden und fotografiert.

„Den Ureinwohnern droht eine Katastrophe“

Menschenrechtler fordern seit langem, den Schutz der isolierten Ureinwohner zu verbessern. „Unkontaktierte Völker sind keine primitiven Relikte einer fernen Vergangenheit. Sie leben im Hier und Jetzt. Sie sind unsere Zeitgenossen und ein wesentlicher Teil der Vielfalt der Menschheit“, erklärt Stephen Corry, Direktor der Organisation Survival International, die sich für den Schutz indigener Völker einsetzt. „Doch ihnen droht eine Katastrophe, wenn ihr Land nicht geschützt wird.“