Albtraum geht weiter
: Bergungen unterbrochen: In Nepal droht eine neue Sturzflut

Die Helfer im Katastrophengebiet zwischen Nepal und China wollten mit Hochdruck nach Vermissten suchen. Doch dann geschieht das, wovor die Behörden bereits gewarnt hatten. Was sagen Augenzeugen?
Von
Markus Brauer
Kathmandu/Bidur
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Luftaufnahmen zeigen den See, der auf nepalesischem Gebiet liegen soll, der sich nach der Sturzflut am Mittwoch neu gebildet hat. Die chinesischen Behörden hatten bereits am Donnerstag vor der Lage dort gewarnt, weil darin weiter Millionen Kubikmeter an Wasser hineinfließen könnten und er deshalb überlaufen und eine neue Sturzflut auslösen könnte. In dem Gebiet werden obendrein weitere Regenfälle erwartet.

Luftaufnahmen zeigen den See, der auf nepalesischem Gebiet liegen soll, der sich nach der Sturzflut am Mittwoch neu gebildet hat. Die chinesischen Behörden hatten bereits am Donnerstag vor der Lage dort gewarnt, weil darin weiter Millionen Kubikmeter an Wasser hineinfließen könnten und er deshalb überlaufen und eine neue Sturzflut auslösen könnte. In dem Gebiet werden obendrein weitere Regenfälle erwartet.

Li Jian/XinHua/dpa
  • Nach einer Sturzflut im Grenzgebiet Nepal–Tibet steigt die Zahl der Toten auf mindestens 469.
  • Rettungen teils ausgesetzt, da ein neu gebildeter See überlaufen und erneut fluten könnte.
  • Behörden warnen vor weiterem Regen; Teams ziehen sich in Tibet einen Kilometer zurück.
  • Hunderte Menschen gelten als vermisst, darunter viele Ausländer und mindestens acht Deutsche.
  • In Nepal sitzen etwa 100 Personen in einem Staudamm-Tunnel fest – Rettung per Hubschrauber läuft.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Steigende Opferzahlen und die Gefahr weiterer Überflutungen: Nach der verheerenden Sturzflut im nepalesisch-tibetischen Grenzgebiet ist die Lage äußerst angespannt. Chinesische Staatsmedien berichteten am Freitag, wegen des Risikos einer weiteren Überflutung sei der Rettungseinsatz im Zentrum des Katastrophengebiets auf tibetischer Seite ausgesetzt worden. Die nepalesische Polizei meldete einen Anstieg der Totenzahl auf mindestens 469. Hunderte Menschen wurden noch vermisst, darunter zahlreiche Ausländer.

„Hohes Risiko“ für erneute Überflutungen

Ein See, der sich hinter Schlamm- und Geröllmassen aufgestaut habe, beginne, über die Ufer zu treten, berichtet der chinesische Staatssender CCTV. Daher seien alle Rettungsteams inmitten des Katastrophengebiets in der autonomen Region Tibet angewiesen worden, sich einen Kilometer weit zurückzuziehen und auf weitere Anweisungen zu warten.

Zahlreiche Personen, die aus einem durch die Sturzflut abgeschnittenen Gebiet gerettet wurden, stehen in einem Armeelager im nepalesischen Distrikt Nuwakot Schlange, um sich registrieren zu lassen.

Zahlreiche Personen, die aus einem durch die Sturzflut abgeschnittenen Gebiet gerettet wurden, stehen in einem Armeelager im nepalesischen Distrikt Nuwakot Schlange, um sich registrieren zu lassen.

Rajesh Kumar Singh/AP/dpa

In der Nacht war in China bereits gewarnt worden, es bestehe ein „hohes Risiko“ für erneute Überflutungen. Ein See, der sich durch die Sturzflut hinter einem Wall aus Schlamm und Geröll gebildet habe, könne angesichts anhaltenden Regens in den kommenden drei Tagen auf ein Volumen von rund drei Millionen Kubikmeter anwachsen, meldet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das chinesische Wasserministerium.

Wenn der See über seine Ufer trete, könnten die Wassermassen im Katastrophengebiet weitere Schäden anrichten, heißt es. Dies betreffe auch den chinesisch-nepalesischen Grenzübergang Gyirong und andere Gebiete stromabwärts. Auch das Flutwarnzentrum in Kathmandu veröffentlichte eine Warnung, dass hinter dem Geröll der Sturzflut ein See anwachse. Es rief zu äußerster Vorsicht auf.

Mindestens 469 Tote durch Sturzflut

Die nepalesische Polizei erklärt, es gebe mindestens 469 Tote. Jenseits der Grenze wurden laut chinesischen Staatsmedien in der autonomen Region Tibet bislang drei Todesopfer bestätigt. Am Donnerstag (27. August) hatten die nepalesischen Behörden von nahezu 400 Todesopfern und mehr als 1400 Vermissten gesprochen. Unter ihnen waren zahlreiche Ausländer - sowohl Touristen als auch hinduistische Pilger.

Zu den Vermissten zählen nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde auch mindestens acht Deutsche. Das Auswärtige Amt hatte am Donnerstag erklärt, die deutschen Stellen vor Ort seien noch dabei, „belastbare Informationen zum Verbleib deutscher Staatsangehöriger“ zu sammeln.

Die von der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zur Verfügung gestellte Aufnahme mit einer Drohne zeigt eine Ansicht der von einer massiven Sturzflut heimgesuchten Stadt Nuwakot in Nepal.

Die von der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zur Verfügung gestellte Aufnahme mit einer Drohne zeigt eine Ansicht der von einer massiven Sturzflut heimgesuchten Stadt Nuwakot in Nepal.

Sulav Shrestha/XinHua/dpa

100 Menschen in einem Tunnel eingeschlossen

Die nepalesische Armee bemüht sich um die Rettung von etwa 100 Menschen, die in einem Tunnel einer Stausee-Baustelle festsitzen. Der Einsatz mit zwei Hubschraubern an der Baustelle am Fluss Trishuli sei schwierig, weil sich selbst die Ortung der Zugangswege in den Tunnel schwierig gestalte, berichtet ein Armeesprecher.

Das Büro des nepalesischen Regierungschefs erklärt, ein Armee-Team habe unter schwierigsten Bedingungen und großem Risiko bislang 350 Arbeiter und Bewohner gerettet, die in dem Tunnel festsaßen.

Sturzflut raste 170 Kilometer durch Gebirgslandschaft

Eine riesige Sturzflut aus Wasser, Schlamm und Geröll war am Mittwoch fast 170 Kilometer weit entlang zweier Flüsse durch Nepal gerast und hatte ganze Ortschaften mitgerissen. Ursache war nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS offenbar ein Gletscherabbruch. Auch die autonome Region Tibet im Nachbarland China war von der Katastrophe betroffen.

Der chinesische Staatssender CCTV berichtet am Freitag (28. August) , bislang seien 499 Einwohner sowie 555 Touristen, die in dem Katastrophengebiet festsaßen, in Sicherheit gebracht worden. Zur Nationalität der Geretteten macht der Sender keine Angaben. Bei der Suche nach Verschütteten kommen demnach Drohnen, Wärmebildkameras und 3-D-Modelle zum Einsatz. Die Rettungskräfte graben jedoch auch mit den Händen nach Verschütteten. (mit AFP-/dpa-Agenturmaterial)