Wetter und Klimawandel in Stuttgart
: War es das schon mit dem Sommer?

Nach einigen heißen Tagen war es am Sonntag schon wieder relativ kühl: Was ist 2024 für ein Sommer? Die Daten unserer Klimazentrale geben eine vielleicht überraschende Antwort.
Von
Lina Krauß
Stuttgart
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Das heiße Sommerwetter machte am Sonntag Pause.

imago images/Panthermedia

Manch einer mag diesen Sommer mit Blick auf vergangene Woche und Temperaturen über 30 Grad als besonders heiß empfunden haben. Andere beschweren sich, dass es eigentlich keinen richtigen Sommer gab – zu viel Regen, zu kalt. Wer hat Recht? Die Daten unserer „Klimazentrale“ helfen, den Sommer 2024 einzuschätzen.

Bisher gab es 13 Hitzetage mit 30 Grad oder mehr, gemessen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Schnarrenberg. 2023 gab es im selben Zeitraum einen Hitzetag weniger – 2022 doppelt so viele:

Das Schaubild zeigt auch, dass in allen drei Sommern mehr Hitzetage gemessen wurden als 1991 bis 2020 üblich (10,3 Tage). Ist das schon Klimawandel? Deutlicher wird die Entwicklung, wenn man die aktuellen Werte mit denen des Vergleichszeitraums 1961 und 1990 vergleicht. Als die heutigen Großeltern jung waren, zählte man in Stuttgart bis Mitte August im Mittel nur 4,7 Hitzetage.

Schwankungen kommen regelmäßig vor, insgesamt haben die Hitzetage in den letzten 50 Jahren in Baden-Württemberg aber zugenommen. So gesehen ist der Sommer 2024 also bislang relativ typisch für unsere Zeit, in der sich der Klimawandel bereits bemerkbar macht. Ähnlich ist es bei den Sommertagen mit einer Tageshöchsttemperatur von 25 Grad oder mehr: insgesamt gab es 2024 mit 52 Sommertagen weniger als in den beiden Jahren davor – aber eben auch mehr als 1991 bis 2020 üblich (41,7 Tage bis Mitte August). Auch hier wieder der Vergleich mit 1961 bis 1990: damals waren 27,6 Tage.

Die heißen Tage – ein Ausreißer

Vor allem im Vergleich zu 2022 ist dieser Sommer bislang nicht besonders heiß, aber oft ziemlich warm. Seit Mitte Juli liegen die täglichen Höchsttemperaturen trotz Schwankungen vielfach im Normalbereich der letzten drei Jahrzehnte. Mit Höchsttemperaturen um die 34 Grad ist die vergangene Woche also ein Ausreißer.

Temperaturrekorde wurden in den letzten dreißig Tagen keine gebrochen. Auch das zeigen die historischen DWD-Daten. Der vergangene Dienstag war am Schnarrenberg mit 34,4 Grad der drittheißeste 13. August seit Beginn der Messungen. Nur 2015 (35,9 °C) und 2003 (37,6 °C) war dieser Tag heißer. Im Stuttgarter Stadtgebiet können die Temperaturen übrigens recht stark variieren: am 13.8. wurden am höher gelegenen Flughafen 33,4 Grad gemessen, an der tiefer gelegenen städtischen Messstation in Bad Cannstatt (Gnesener Straße) dagegen 35,5 Grad. Am städtischen Umweltamt am Olgaeck waren es sogar 37,3 Grad.

„Nach aktueller Einschätzung wird der Sommer bezüglich der Temperatur durchschnittlich ausfallen“, sagt Andreas Pfaffenzeller vom DWD. Der Meteorologe überwacht am Schnarrenberg die vielen vom DWD gemessenen Daten, die wir unter anderem in unserem Projekt „Klimazentrale“ kontinuierlich auswerten. Für diesen Sommer schätzt er eine Durchschnittstemperatur von bislang 19,8 Grad. Für Meteorologen endet der Sommer am 31. August, danach wird der DWD den offiziellen Wert errechnen.

Wenig Sonne in den letzten 30 Tagen

Trotz vieler Sommertage und einiger heißer Tage hat in Stuttgart die Sonne in den letzten dreißig Tagen verhältnismäßig wenig geschienen. Das mag den Eindruck vermittelt haben, dass das Sommerwetter in diesem Jahr nicht besonders gut sei.

Außergewöhnlich viel oder wenig geregnet hat es für diese Jahreszeit nicht. Die Niederschlagsmengen der letzten dreißig Tage, die an der Wetterstation am Schnarrenberg gemessen wurden, liegen bis auf wenige Ausnahmen im Normalbereich, allerdings mit sinkender Tendenz wegen der zuletzt meist trockenen Witterung.

Die Daten zeigen also eher unauffällige Durchschnittstemperaturen und unauffällige Niederschlagsmengen. Doch Andreas Pfaffenzeller ist wichtig zu betonen, dass auch der Sommer 2024 im Vergleich zu den 1960er- bis 1980er-Jahren zu warm ist. „Wir sind weiterhin im Trend einer sehr warmen Phase“, sagt der Klima- und Wetterexperte.

Hinweis: Eine frühere Version des Artikels enthielt zu niedrige Zahlen für die Sommertage 2022 und 2023. Wir haben den Fehler am 22.8. in Text und Infografik korrigiert.

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