Wetter in Stuttgart: Am Ende dreht der Mai noch einmal auf

Das schöne Wetter trieb die Menschen im Mai in die Innenstadt.
Lichtgut/KovalenkoDer Mai firmiert ja seit jeher als Wonnemonat. Wobei für jeden Wonne ja was anderes sein kann. Manche freuen sich auf die Freibadsaison, andere auf den Biergarten. Der ambitionierte Heimgärtner kann dagegen endlich mit Wonne mit dem nagelneuen Sitzmäher den fehlgeleiteten Mähroboter des Nachbarn überrollen. Und für in Stilfragen unbekehrbare Männer und Frauen beginnt die Zeit kurzer Ärmel, kurzer Hosen und weißer Tennissocken mit rot-blauem Rand. Die Socken als Mahnmal des Grauens manchmal sogar in Sandalen, wobei das zum Glück nur Männer als Wonne empfinden können.
Der Frühling war zwar warm, brach aber keinen Rekord
Dabei war es eigentlich außer am Anfang und am Ende des Monats gar nicht so warm. Natürlich im Zeitalter des Klimawandels statistisch einen Ticken zu warm, aber eben nur um 0,3 Grad im Vergleich zur Referenzperiode 1991 bis 2020. In der Zeit davor präsentierte sich ein normaler Mai aber gut 1,6 Grad kühler als die 14,9 Grad im Schnitt in diesem Jahr. Die gefühlte Wärme im Mai in der Stadt lag auch an der Dauer des Sonnenscheins, die weit übt dem Schnitt lag (129 Prozent) und Stuttgart rund 270 Stunden ungetrübten Sonnenschein bescherte. Über den Schnitt schafften es auch die Temperaturen des am 31. Mai zu Ende gegangenen meteorologischen Frühlings. Und zwar deutlich. 11,4 Grad wurden an der Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Stuttgarter Schnarrenberg gemessen und katapultierten die Zeit zwischen dem 1. März und dem 31. Mai auf Platz fünf der Rangliste seit Beginn der Aufzeichnungen 1951. Noch einmal ein Grad wärmer war es übrigens im Rekord-Frühjahr 2017.
Dass viele die Wärme gar nicht so empfunden haben, lag zum einen an etlichen Tagen mit einem kühlen Ostwind im Mai und wohl auch daran, dass Menschen unter 35 Jahren keine Erinnerung an die Zeit vor 1990 haben können, als ein Frühjahr im Schnitt 2,2 Grad kühler war als heute und man auch noch dann und wann im April die Schneeschaufel brauchte. Verglichen damit endete der Mai 2025 und somit auch das Frühjahr für alle Wärmesuchenden versöhnlich. „Hoch Roland verlagerte sich am Monatsende von Frankreich nach Süddeutschland und sorgte bei Temperaturen von 26 bis knapp 31 Grad für sommerliche Wärme“, erklärt DWD-Meteorologe Andreas Pfaffenzeller, „der 31. Mai war mit über 30 Grad sogar der erste Hitzetag des Jahres 2025“.
Das Wetterthema des Mais und auch des Frühjahrs war aber der fehlende Regen. Es war staubtrocken, auch wenn das Finale des Frühlings dann doch noch versöhnlich ausfiel. Insgesamt waren die Niederschläge in der Landeshauptstadt aber doch eher mickrig. Etwa 50 Liter im Monat Mai klingen zwar nicht so schlecht, sind aber nur 64 Prozent des Normwerts. Ein Vergleich: Allein am 16. Mai vor einem Jahr wurde mehr Regen registriert. Genau gesagt 53 Liter. 2024 brachte es der Mai auf stolze 171 Liter Regen, also mehr als 2025 das gesamte Frühjahr. Zwischen dem 1. März und dem 31. Mai kamen in diesem Jahr gerade mal 112 Liter zusammen, das sind nur etwa zwei Drittel dessen, was man in einem normalen Frühjahr erwarten kann. Und für den letzten Frühlingsmonat Mai ging es in Stuttgarts Wetterhistorie auch schon deutlich heftiger zu. Im Mai 1978 prasselten am Schnarrenberg 212 Liter ins Messglas, allein am 22. Mai damals unvorstellbare 97 Liter in 24 Stunden. Die Stuttgarter Blätter schrieben seinerzeit vom „größten Unwetter seit Menschengedenken“.
Für die Natur steht ideales feuchtwarmes Wetter an
Spannend bleibt jetzt die Frage, wie es mit dem Wasser im Sommer weitergeht. 2022 folgte zum Beispiel nach einem ähnlich regenarmen Mai der zweittrockenste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen 1951. Das sollte sich besser nicht wiederholen – und danach sieht es nach dem durchaus nassen Sommerauftakt mit jedem Tag ordentlich Regen aktuell auch nicht aus. Und es soll ja auch die kommenden Tage wechselhaft weitergehen, also immer mal wieder nass. „Es wird wohl auch mit einer Südwestströmung weiter mild bleiben, vor allem nachts“, sagt Andreas Pfaffenzeller. Ideales Wachswetter also, aber für Biergarten- und Freibad-Fans, die es eher trocken mögen, dagegen ungeeignet. Aber man kann ja nicht alles haben. Und das mit dem Wonnemonat galt ja auch nur bis zum vergangenen Samstag. Jetzt ist ganz normaler Sommer.