Vorfall in der Stadtbahn: Wasen-Besucher grölen „Ausländer raus“ – Jetzt ermittelt die Polizei

In einer Stadtbahn, die Gäste vom Cannstatter Wasen nach Hause gebracht hat, ist es am Samstag zu einem rassistischen Vorfall gekommen.
Lichtgut/Max Kovalenko- In einer vollen Stadtbahn vom Cannstatter Wasen kam es am Samstag zu einem Vorfall.
- Männer grölten „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ auf „L'amour toujours“.
- Laut Zeuge waren zuvor „Sieg-Heil“-Rufe zu hören – der Staatsschutz ermittelt.
- Es geht um Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, nicht um die Liedzeile.
- Zwei Online-Anzeigen liegen vor, die Polizei sichtet das Video und sucht Zeugen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die halbe Stadtbahn singt bierselig „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“, jetzt ermittelt der Staatsschutz. Wie ein Sprecher der Stuttgarter Polizei bestätigte, seien zu dem Vorfall, der sich am Samstagabend in einer vollbesetzten Stuttgarter Stadtbahn zugetragen haben soll, mittlerweile zwei Anzeigen eingegangen. Zuvor hatte diese Redaktion ein Video veröffentlicht, auf dem eine Gruppe männlicher Volksfestbesucher beim Heimweg vom Wasen in der Stadtbahn die umgedichtete Zeile auf die Melodie des Partysongs „L'amour toujours“ des italienischen Musikers Gigi D'Agostini grölt.
Man ermittle wegen des Anfangsverdachts einer Straftat, sagte ein Sprecher des Staatsschutzes. Allerdings gehe es dabei nicht um die „unappetitliche Liedzeile“. Bisher sei dies von der Justiz als Grenzfall eingestuft worden, der von der Meinungsfreiheit noch gedeckt sei. Zuvor sollen aus der Gruppe, die das Lied angestimmt haben soll, aber schon „Sieg-Heil“-Rufe zu hören gewesen sein. Dies hatte der Zeuge angegeben, der das Video gefilmt und unserer Zeitung übermittelt hatte.
Polizei sieht ein „Offizialdelikt“
Damit steht als mögliche Straftat die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen im Raum. Für die Polizei ist das ein Offizialdelikt. Das heißt, sie wird auch ohne Anzeige tätig. Allerdings seien mittlerweile zwei Online-Anzeigen bei der Polizei eingegangen. In beiden Fällen handele es sich jedoch nicht um direkte Zeugen des Vorfalls. „Sie haben sich aufgrund der Berichterstattung gemeldet.“
Die Polizei versuche nun, das Video zu sichten und mit Zeugen zu sprechen, hieß es. Einen Mann, der im Mai in der Stadtbahn U12 Naziparolen gerufen und den Hitler-Gruß gezeigt hatte, konnte der Staatsschutz erfolgreich identifizieren. Auch damals hatte ein Video vorgelegen. Der Fall sei für die Polizei weitgehend abgeschlossen und werde demnächst der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Angaben habe der Verdächtige gegenüber der Polizei nicht machen wollen.
