Eine Legende zu Lebzeiten
: Stolz der Schwaben: Walter Schultheiß wird himmlische 101 Jahre alt

Viele Menschen träumen davon, 100 Jahre alt zu werden. Walter Schultheiß legt noch einen drauf: Am Sonntag feiert der große Schwabe den 101. Geburtstag. Wie geht es ihm in Wildberg?
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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  • Der Schauspieler Walter Schultheiß ist schon zu Lebzeiten eine Legende (hier am 2. Dezember 2013) .

    picture alliance / dpa
  • So ist Walter Schultheiß bekannt geworden: im Hörfunk als Straßenkehrer.

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  • Szene aus „Köberle kommt“

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  • Noch ein Foto aus „Köberle kommt“

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  • Paul Bogenschütz (Walter Schultheiß) wehrt sich in dem Kinofilm „Global Player“ gegen die Übernahme seiner Firma durch die Chinesen.

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  • Noch ein Foto aus „Global Player“

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  • Im Leben wie auf der Bühne ein unzertrennliches Paar: Walter Schultheiß und seine im Jahr 2021 verstorbene Frau Trudel Wulle

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  • Walter Schultheiß und Trudel Wulle

    Leif Piechowski
  • 1950 haben sie geheiratet

    privat
  • Oft traten die beiden gemeinsam auf und trugen Sketche vor.

    Lichtgut / Julian Rettig
  • Das Ehepaar mit Sohn Götz Schultheiß

    Leif Piechowski
  • Auf dem Sofa in der Komödie im Marquardt

    Leif Piechowski
  • Trudel Wulle und Walter Schultheiß standen oft gemeinsam vor der Kamera – nie als Paar, meist als Geschwister.

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  • Zu Besuch im Friedrichsbau Varieté mit der früheren Intendantin Gaby Frenzel und dem heutigen Intendanten Timo Steinhauer

    Lichtgut / Ferdinando Iannone
  • Szene aus „Laible und Frisch“: Florian Laible (Matthias Dietrich, l.) versucht seinen Opa (Walter Schultheiß) und seine Mutter (Ulrike Barthruff) von seinen neuen Backwaren zu überzeugen.

    SWR/Schwabenlandfilm/Sabine Hackenberg
  • Szene aus „Oh Gott, Herr Pfarrer“: Pfarrer Wiegandt (Robert Atzorn, l.), Priester Meininger (Otto Tausig, M.) und Altpfarrer Merkle (Walter Schultheiß, r.) bereiten sich auf ihren ersten gemeinsamen Gottesdienst vor.

    SWR/Jehle
  • 2013 würdigte das Filmbüro Baden-Württemberg das Lebenswerk des schwäbischen Charakterdarstellers Walter Schultheiß mit dem Ehrenfilmpreis. Autor Felix Huby (links), Kostümbildnerin Gudrun Schretzmeier und Oliver Mahn vom Filmbüro (rechts) überreichten die Auszeichnung. Frank von zur Gathe

     
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Von seinen Landsleuten wird er wie ein Volksheld verehrt. Walter Schultheiß ist schon zu Lebzeiten eine Legende – und dieses Leben, das ist ihm vergönnt, währt sehr, sehr lang. Es gibt viele Gründe, warum Schwaben den Schauspieler lieben. Einer davon ist, dass der gebürtige Tübinger wahre Größe mit Bescheidenheit zu verbinden weiß. Kantig, knitz, pointensicher – so schätzt und bewundert man diesen herausragenden Mimen.

Walter Schultheiß hat das Glück, dass er sein biblisches Alter in der gewohnten Umgebung seines Hauses in Wildberg im Schwarzwald verbringen kann, betreut und gepflegt von seinem Sohn Götz Schultheiß und dessen Familie. Am Sonntag feiert der Stolz der Schwaben im Kreis seiner Lieben den 101. Geburtstag. Sein festes Ziel ist es, die Einschulung seiner beiden Enkel im September zu erleben. Wenn er so weitermacht, dürfte sich dieser Wunsch für ihn erfüllen.

Opern sind seine Leidenschaft

Wie es dem Vater geht? „Altersgerecht“, antwortet der Sohn. Das hohe Alter ist beschwerlich, aber es gibt immer noch die kleinen Freuden für den berühmten Vertreter der Generation 100 plus. Der Sohn liest ihm jeden Tag aus der Zeitung vor, weil es der Vater selbst nicht mehr kann. Im Fernsehen interessiert sich Walter Schultheiß vor allem für Filme über Italien – dort hat er mit der Familie oft Urlaub gemacht. Seine weitere Leidenschaft sind Opern, die er sich oft vorspielen lässt.

Zum 101. Geburtstag werden im Hause Schultheiß die Familienalben hervorgeholt. „Auf den alten Fotos sieht man am jüngsten aus“, pflegt der Hausherr zu sagen. Wie nur gelingt das Uraltwerden? Sein Beispiel zeigt: Humor und Zufriedenheit helfen.

Walter Schultheiß mit Trudel Wulle in „Köberle kommt“.

Foto: SWR

An seine Auftritte im Fernsehen, auf Bühnen und im Radio erinnern sich viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter gern. Wir haben Kulturschaffende gebeten, ihn zu würdigen. „Walter Schultheiß ist ein Original, ein Tausendsassa und vor allem ein wirklich feiner Mensch“, lobt Timo Steinhauer, der Direktor des Friedrichsbau-Varietés. In seinem Haus sei er seit vielen Jahren ein gern gesehener Gast und habe mit den schwäbischen Varieté-Idolen Oskar Heiler und Willy Reichert zusammen gespielt. „Es ist eine Ehre, ihn kennen zu dürfen“, sagt der Friedrichsbau-Chef. Er freut sich, dass es Schultheiß vergönnt ist, den Traum vieler, 100 Jahre alt zu werden, noch zu überbieten.

Der Tag seines 101. Geburtstags ist auch sein 75. Hochzeitstag

Die besten Wünsche schickt Monika Hirschle (sie spielte zuletzt den Willy Reichert in „Häberle und Pfleiderer“ in der Komödie im Marquardt) „diesem besonderen Menschen Walter Schultheiß mit seinem feinen Humor, seiner Hilfsbereitschaft und seiner Vielseitigkeit“. Voller Dankbarkeit und Bewunderung gratuliert sie ihm. Ein „Wow“ entfährt dem Fräulein Wommy Wonder angesichts der gelebten 101 Jahre. Das Beispiel Walter Schultheiß zeige, „wie einen Humor, Lebensfreude und das Viertele Trollinger zwischendurch nicht nur im Herzen jung bewahren“. Was Johannes Heesters vorgelegt habe, schaffe „der Walter mit links“.

Auch Axel Preuß, der Intendant der Schauspielbühnen, ist voll des Lobes: „Walter Schultheiß ist einer der größten und bedeutendsten Schauspieler in der Geschichte der Komödie im Marquardt und wird nun himmlische 101 Jahre alt. Unser gesamtes Team gratuliert herzlich. Wir wünschen alles Gute und verneigen uns vor einem der ganz Großen seiner Zunft.“

Der Tag seines 101. Geburtstags ist auch sein 75. Hochzeitstag. Seine Ehefrau Trudel Wulle, die ebenfalls Schauspielerin war, ist im November 2021 gestorben. Wer die beiden traf, spürte sofort die innige Verbundenheit, die das Paar ausgezeichnet und für Jüngere zum Vorbild gemacht hat.

Walter Schultheiß in „Global Player“.

Foto: Verleih Movienet

Was für ein Leben in 101 Jahren, im Auf und Ab der Zeitgeschichte! Am 1. Mai 1945 – eine Woche vor Kriegsende, Hitler war bereits tot – traf ihn in Russland eine Kugel in den Bauch. Es grenzt an ein Wunder, dass er überlebte. So konnte er zurück zur geliebten Bühne. Der vom Krieg abgemagerte Mime trug 1947 vor einem hungernden Publikum in Stuttgart so bildhaft „das Märchen von dicken, fetten Pfannkuchen“ vor, dass sich Trudel Wulle in ihn verliebte. „Meine Frau ist das Beste, was mir passiert ist“, sagte Schultheiß gern bei Lesungen – und setzte eine Pointe drauf: „Ich kann sie jedem nur empfehlen!“ Oft standen sie gemeinsam vor der Kamera, nie als Paar, immer als Geschwister.

Erste Kinohauptrolle mit 88 Jahren

Der zweite Bühnenpartner seines Lebens war Werner Veidt, mit dem er zwei Jahrzehnte lang im Radio das Straßenkehrer-Duo bildete. Als er in den 70ern im ZDF-Film „Pannenhilfe“ spielte, wurde der Autor Felix Huby auf ihn aufmerksam. Unbedingt wollte er für diesen kantigen Schwaben etwas schreiben. Und er hat viel für ihn geschrieben. Als Köberle, Eisele, Eugen, als Altpfarrer Merkle und Altbürgermeister Holzwarth von Bärenbach – alles Drehbücher von Huby – ist Schultheiß den Schwaben so vertraut geworden, als gehöre er zur Familie.

Der Huby und der Schultheiß – zwei Marken, die über Jahre im Fernsehen das Bild der Schwaben prägten. Die beiden bildeten, jeder auf seinem Posten, ein perfektes Gespann. Viel Lob gab es für seine erste Kinohauptrolle, die er mit 88 Jahren in „Global Player“ spielte. Zum zweiten Zuhause ist Schultheiß die Komödie im Marquardt geworden, in der er bis ins hohe Alter unzählige Male aufgetreten ist.

Noch heute hat der Mensch und Künstler „Strahlkraft“, sagt Frieder Scheiffele, der Produzent von „Laible und Frisch“. Seine Filmen seien immer noch abrufbar auf DVD und Streaming-Angebote. Das SWR-Fernsehen wiederholt vom 20. Juli an immer sonntags um 9.35 Uhr neun Folgen der Schultheiß-Serie „Köberle kommt“. Bei „Laible und Frisch“ sagt Schultheiß einen Satz, der in den sozialen Medien viral gegangen ist, weshalb die Jungen ihn kennen: „Saufsch, stirbsch. Saufsch net, stirbsch au. Also saufsch.“ Der Spruch hat es auf T-Shirts gebracht.

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