Stuttgarter reagieren auf Imbiss-Aus
: „Erst Fritty Bar, jetzt Vegi Voodoo King... Stuttgart verkommt zum kulinarischen Dorf“

Nach 31 Jahren schließt der Kultimbiss Vegi in der Stuttgarter Innenstadt. Die Nachricht trifft viele Falafel-Fans mitten in ihr Stuttgart-Herz. Die Reaktionen im Netz.
Von
Nina Scheffel
Stuttgart
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Der Kultimbiss Vegi schließt Mitte November - eine Nachricht die viele Stuttgarterinnen und Stuttgart nicht kalt läst.

Der Kultimbiss Vegi schließt Mitte November – eine Nachricht die viele Stuttgarterinnen und Stuttgart nicht kalt läst. (Archivbild)

Scheffel
  • Kultimbiss Vegi in Stuttgart schließt Mitte November nach 31 Jahren wegen wirtschaftlicher Probleme.
  • Gründe sind steigende Kosten und weniger Kundschaft, teilen die Betreiber auf Instagram mit.
  • In den Netzwerken überwiegt Bedauern – viele erinnern sich an Nächte, Mittagspausen und Falafel.
  • Vegi gilt als Teil der Stadtgeschichte, sogar in „Mutterstadt“ der Massiven Töne erwähnt.
  • Sorge um lokale Gastro wächst, zugleich werden Nachfolger wie Doen Doen für den Standort vorgeschlagen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

31 Jahre lang traf man sich hier zum Mitternachtssnack nach dem Partyabend, zum Kater-Frühstück oder in der Mittagspause: Mit seiner rein vegetarischen und veganen Küche war das Vegi in der Stadtmitte im Jahr 1995 Vorreiter in der Stuttgarter Gastrolandschaft. Seitdem hat sich der Imbiss zur Kultadresse gemausert. Am Donnerstagabend hatten die Betreiber nun auf Instagram das Aus des Ladens bekannt gegeben. Sie nennen wirtschaftliche Probleme, steigende Kosten und weniger Kundschaft als Gründe.

Für viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter kam die Nachricht überraschend – die Community auf Social Media reagiert mit großem Bedauern. „Was ein herber Verlust für Stuttgart. Ihr habt die vegetarische Küche als erste lecker gemacht und repräsentiert. Es ist so traurig – wir haben immer gerne bei euch gegessen. Wir werden euch vermissen“, kommentiert etwa ein Nutzer auf Instagram. „Ihr wart meine erste Veggie-Imbissstelle vor knapp 20 Jahren, damals vor allem um 4 Uhr morgens nach dem Feiern!“, heißt es an anderer Stelle.

„Danke für ganz viele leckere Falafel Schlossplatz“

Doch nicht nur bei Nachtschwärmern war das Vegi ein beliebter Treffpunkt, auch tagsüber wird der Imbiss vielen fehlen. „Oh nein! Unsere Mittagspause ist in Gefahr“, kommentiert etwa die Redaktion der Kinderzeitung Luftballon und bedankt sich für „ganz viele leckere Falaffel Schlossplatz.“ Dem schließen sich zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer an. Auch andere Institutionen der hiesigen Gastronomie, wie etwa der Vegi-Nachbar, die Cafébar Tatti, bekunden ihre Betroffenheit über die Schließung.

Bezirksvorsteherin des Bezirks Stuttgart-Mitte, Veronika Kienzle, zeigt sich in der Kommentarspalte ebenfalls betroffen – verweist gleichzeitig auf den stadtkulturellen Bezug des Imbisses. „Nicht nur kulinarisch auch für die Subkultur ein großer Verlust!“, schreibt sie unter dem Posting.

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Dass das Vegi gleichzeitig auch ein Stück Stuttgart-Geschichte ist, zeigen die vielen melancholischen Stimmen, die sich an frühere Zeiten zurückerinnern. „Ich war schon als Schülerin bei Euch. Würde ich nicht in Hamburg wohnen, ich wäre deutlich öfter bei Euch gewesen“, kommentiert etwa eine Nutzerin.

Massive Töne besangen Imbiss: Vegi als Teil der Stadtgeschichte

Der prominente Auftritt des Vegi in einer Stuttgarter Rap-Hymne ist vielen offenbar im Gedächtnis geblieben. „Ein  schöner Teil der Stuttgarter Essenskultur, der nicht nur in Raptexten erwähnt wurde“, heißt es da. Tatsächlich hatten die Massiven Töne den Imbiss in ihrem Song „Mutterstadt“, der 1996 auf dem „Kopfnicker“-Album erschienen war, mit der Zeile „Oder Falafel, beim Vegi Voodoo schmeckt’s“ verewigt. Die subkulturelle Seite des Vegi bleibt auch an anderer Stelle in Erinnerung. Ein Nutzer verweist auf „legendäre DJ-Sets von Andreas Vogel und ab und an die Fantas am Nebentisch, stilecht mit dem Opel Admiral angereist“.

Gleichzeitig lobt er die Pionierrolle des Imbisses in Sachen vegetarischer Küche. „Das Vegi war der Heimathafen für Menschen, die schon in den 90ern kein Fleisch oder tierische Produkte essen wollten.“ Der Stolz auf diese lokale Errungenschaft ist in vielen der zahlreichen Kommentare nicht zu überhören. Gleichzeitig schwingt an einigen Stellen die Sorge um das allmähliche Verschwinden solcher lokaler Gastronomie-Betriebe mit. „Erst die Fritty Bar, jetzt der Vegi Voodoo King... Stuttgart verkommt zum kulinarischen Dorf“, nimmt etwa ein Nutzer auf die Schließung des Kult-Imbiss am Rotebühlplatz im Jahr 2022 Bezug. „Und wieder geht ein weiterer Herzschlag dieser Stadt, die langsam nur noch mit seelenlosen Restaurants dahin siecht“, heißt in einem weiteren Kommentar.

„Übernehmt den Laden bitte!“ – Community schlägt Nachfolger vor

Wieder andere blicken lieber in die Zukunft und sammeln Ideen für ein künftiges, neues Gastroangebot in der Steinstraße 13: „@doen.doen.kebap übernehmt den Laden bitte!“, fordert ein Nutzer die Macher der Stuttgarter Dönerfilialen Doen Doen auf. „Doen.doen.falafel wäre so ein offensichtlicher Fit was Essen, Kultur und sogar geografische Nähe angeht!“, findet er.

Eins wird angesichts der zahlreichen Kommentare klar: Das Vegi war nicht nur eine kulinarische Anlaufstelle und ein Treffpunkt abseits klassischer Dönerbuden und Imbiss-Spots. Wo bislang verschiedene Generationen zu Falafel, Pommes zusammenkamen, klafft künftig eine große Lücke, die sich bis ins kollektive Gedächtnis der Stadt zieht.