Stuttgarter Kinderhospiz
: Bei „Two Souls“ zeigen Musicalstars, wie Solidarität klingt

Der Kampf von Christina Semrau gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs berührt Stuttgart. Beim Degerlocher Konzert „Two Souls“ wird ihr Engagement für das Kinderhospiz weitergetragen.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Bei „Two Souls“ in der Versöhnungskirche Degerloch (von links): Boris Ritter, Tim Wilhelm, Hannes Staffler, Eric Gauthier und David Whitley.

Thomas Niedermüller

Wenn Helfer selbst Hilfe brauchen: Die Geschichte von Christina Semrau bewegt die Stadt. Im Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs musste die Fundraising-Leiterin des Stuttgarter Kinderhospizes zwölf Zyklen Chemotherapie durchstehen. Seit vielen Jahren ist sie das Gesicht dieser Einrichtung, eine leidenschaftliche Botschafterin der Hilfe, fehlte bei kaum einem Event, um Spenden für einen Ort zu sammeln, an dem schwerkranke Kinder und ihre Familien begleitet werden.

Weil sie derzeit ausfällt, ist ein anderer in ihre Rolle hineingewachsen: der 27-jährige Dominik Donhauser, bisher ihr Assistent im Fundraising. Für ihn ist es ein Sprung ins kalte Wasser. Interviews geben, auf Bühnen stehen, vor großem Publikum sprechen, symbolische Schecks entgegennehmen – Aufgaben, auf die man sich kaum vorbereiten kann.

Donhauser hat einst bei einer Bank gelernt. Vor zwei Jahren kam er über eine Stellenanzeige zum Kinderhospiz – und fand in Christina Semrau eine Mentorin. „Sie hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, nicht nur Zahlen zu sehen, sondern Menschen“, sagt er. Heute agiert Donhauser souverän vor großem Publikum, ist mittlerweile obendrein Assistent der Geschäftsführung des Kinderhospizes geworden. Die Verantwortung ist gewachsen – und mit ihr das Vertrauen.

Im Kinderhospiz riecht es nicht nach Krankenhaus, sondern nach Leben

Das Stuttgarter Kinderhospiz begleitet Kinder mit Erkrankungen, die ihre Lebenserwartung begrenzen. Die Krankenkassen übernehmen ihre medizinische Versorgung. Doch vieles, was für die Familien unverzichtbar ist, wird nicht finanziert: die Betreuung von Eltern und Geschwistern, psychosoziale Begleitung, Zeit zum Durchatmen. Was Besuchern im Kinderhospiz auffällt: Hier riecht es nicht nach Krankenhaus, es riecht nach Leben.

Dominik Donhauser (rechts) nimmt in der Versöhnungskirche Degerloch einen Scheck für das Kinderhospiz von Hannes Staffler (links) und Boris Ritter entgegen.

Foto: Thomas Niedermüller

Gerade die Zeit vor Weihnachten ist entscheidend für Spendensammler. Bei der Benefizveranstaltung „Musical goes Christmas“ im Apollo-Theater sammelten Donhauser und sein Team knapp 7400 Euro für das Kinderhospiz. Beim Weihnachtskonzert „Two Souls“ , an dem ebenfalls bekannte Köpfe des Musicals mitwirken, durfte er in der Versöhnungskirche Degerloch einen Scheck über 7000 Euro entgegennehmen.

Hannes Staffler bringt zwei Seelen zusammen

Seit zehn Jahren bringt Musicalstar Hannes Staffler – gebürtiger Südtiroler und auf zahlreichen Bühnen zuhause (aktuell in Oberhausen bei „Der Geist der Weihnacht“) – im Gotteshaus am Waldesrand unweit des Fernsehturms seine beiden musikalischen Seelen zusammen: Musical und Rock. Begleitet von der Live-Band um Boris Ritter, den musikalischen Leiter des Musicals „We Will Rock You“, haben diesmal mit ihm gesungen: Ballettstar Eric Gauthier, der in Degerloch wohnt, Musical-Urgestein David Whitley und Tim Wilhelm, Frontman der Münchner Freiheit.

Die Versöhungskirche in Degerloch ist voll besetzt.

Foto: Thomas Niedermüller

Gefeiert wird an diesem Abend auch der fünften Geburtstag der Charity-Organisation ART Support Stuttgart, die während der Pandemie gegründet wurde, um Künstler und Soloselbstständige zu unterstützen. Dank großzügiger Sponsoren konnten die Kosten für das Benefizkonzert fast vollständig gedeckt werden, sodass die Eintrittsgelder nahezu komplett gespendet wurden. 7000 Euro überreichten die Veranstalter symbolisch an Dominik Donhauser, weitere mehr als 1000 Euro warf das Publikum in die aufgestellten Spendenboxen.

Während Christina Semrau Kraft sammelt, sorgt ihr junger Kollege dafür, dass ihre Arbeit weitergeht – für die Kinder, für die Familien und für einen Ort, der beweist, dass selbst in schwersten Zeiten Platz für Nähe, Freundschaft und Leben ist.

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