Stuttgarter Ärgernis
: „Eine Schande, dass diese Weinberge verwildern“

Leserinnen und Leser kritisieren den Zustand der städtischen Weinbergen oberhalb der Neuen Weinsteige und und machen Vorschläge, wie die Situation verbessert werden kann.
Von
Jan Sellner
Stuttgart
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Städtischer Weinberg: Stuttgart, Lokaler Leitartikel zum städtischen Weinberg oberhalb der Neuen Weinsteige, der seit neun Jahren in desolatem Zustand ist

Trostloser Anblick: der städtischer Weinberg oberhalb der Neuen Weinsteige; die Trockenmauern sind mit Graffiti besprüht.

Lichtgut/Max Kovalenko
  • Leser kritisieren verwilderte städtische Weinberge oberhalb der Neuen Weinsteige.
  • Vorschläge reichen von Pflege durch Landschaftsgärtner bis zu bürgerschaftlichem Einsatz.
  • Sorge um Erosion und Steinschlag – eine Neubepflanzung mit Reben gilt als Abhilfe.
  • Trockenmauern sollen abschnittsweise saniert werden – Starttermin bleibt offen.
  • Villa Endriß wird gepflegt, doch das Umfeld gilt als „Schande“ für das Stadtbild.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der beklagenswerte Zustand der Weinberge oberhalb der Neuen Weinsteige fällt auch vielen Leserinnen und Lesern unangenehm auf. Das zeigt das Echo auf unseren Kommentar über „Stuttgarts verwildertes Entrée“ vom vergangenen Samstag. In Zuschriften äußern sie Unverständnis darüber, dass die 85 Ar große städtische Fläche in bester Lage über der Stadt seit nunmehr neun Jahren verwildert. Gleichzeitig äußern sie Vorschläge, wie die Hanglage am südlichen Eingang zur Stadt attraktiv gestaltet werden könnte. Hier einige Stimmen.

Mechthild Bauer stammt aus einer Wengerterfamilie. Sie schreibt: „Wenn ich die Neue Weinsteige herunterfahre, denke ich jedes mal: in dieser Stadt gibt es viele hervorragende Landschaftsgärtner; auch das städtische Garten-, Friedhofs- und Forstamt beschäftigt welche. Diese Fachleute können sehr viel - auch Mäuerchen bauen“. Frau Bauer fragt: „Warum vergibt die Stadt nicht jeweils einen Teil der Fläche an einen Betrieb für Landschaftsbau, der diese dann nach eigenem Entwurf bepflanzen und ein Firmenschild aufstellen darf? Das wäre eine gute Werbung für die Betriebe.“ Die Stadt müsse nur für die Bewässerung sorgen. Sie fährt fort: „Bestimmt hätten die Landschaftsbauer auch Ideen für Gewächse, die ohne viel Wasser in Steillage und Sonne gedeihen könnten. Jedenfalls ließe sich so die jetzt auch brandgefährliche Brache üppig und fantasievoll verschönern. Als Zeitung könnten Sie vielleicht einen Ideenwettbewerb für diesen Hang ausschreiben?“

Auch Renate Heckele aus Oberderdingen hat Wengerter-Erfahrung. Sie schreibt: „Ihrer Analyse des Stadtbildes an der Neuen Weinsteige kann ich nur zustimmen. Ein realistischer Blick in die Zukunft ist jedoch düster. Die Renovierung der Trockenmauern ist zwar ökologisch sinnvoll, aber nahezu aussichtslos bei knappen Kassen, aufwändigster Handarbeit im Terrassenweinberg und geringem Konsum einheimischer Weine, der keine kostendeckenden Preise ermöglicht. Bezahlen können wir die Pflege um ihrer selbst Willen jedoch auf keinen Fall.“ Frau Heckele setzt deshalb auf bürgerschaftliches Engagement: „Ein sehr gewagter Blick durch die rosarote Zukunftsbrille zeigt eine Stadtgesellschaft, die aus Idealismus das Entrée ihrer Heimat pflegt, sich das Fitnessstudio spart und dem Namen Weinsteige alle Ehre macht.“

Neue Weinsteige 1981

Die Weinberge an der Neue Weinsteige 1981 mit der charakteristischen Villa Endriß (links) von 1898.

Archiv/Uli Kraufmann

Tobias Reiff aus Leinfelden-Echterdingen verbindet mit dem Ort persönliche Erinnerungen. Die auf vielen Stadtansichten abgebildete, landhausartige Villa Endriß mit ihrem charakteristischen Türmchen, die unmittelbar an die verwilderten Weinberge angrenzt, gehörte einst seinem Urgroßvater. „Als mein Urgroßvater, Prof. Dr. Karl Emil Endriß seine Villa (1898) erbauen ließ, hätte er es sicher nie für möglich gehalten, dass die Stadt die stadtbildprägenden Weinberge, in denen auch meine Mutter als Kind gespielt hat, derart verkommen lässt - klamme Kassen hin oder her. Die jahrelange Brache begünstigt Erosion, sodass der Hang zwangsläufig zu einer Gefahrenquelle durch Steinschlag wird. Eine Neubepflanzung mit Reben hätte hier schon längst Abhilfe geschaffen.“

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Wann die Sanierung beginnt, ist offen

Tobias Reiff erinnert daran, „dass das beliebte Postkartenmotiv mit unterschiedlichsten Aufschriften seit gut 120 Jahren Werbeträger für die ,Stadt zwischen Wald und Reben' ist. Eine Schande, dass dies keine Würdigung in Form einer zeitnahen Sanierung durch die Stadt erfährt. Den jetzigen Eigentümern der Villa Endriß bin ich dankbar, dass wenigstens dieses Schmuckstück liebevoll in Stand gehalten wird!“

Das städtische Weingut hatte auf Anfrage erklärt, dass vor einigen Wochen eine Ortsbesichtigung mit Vertretern der Stadt stattgefunden habe. Die sanierungsbedürftigen Trockenmauern sollten abschnittsweise saniert werden, eine Bauleitung sei beauftragt. Wann mit der Sanierung des Weinbergs begonnen wird und wie die künftige Nutzung konkret aussehen soll, blieb offen.