Stuttgart-Vaihingen: Aus Enttäuschung und Frust die CDU verlassen

Beim Neujahrsempfang vor einigen Jahren waren sie sich noch einig. Nun ist Jörg Schrempf (links) verärgert, weil Jürgen Sauer bei der Wahl des neuen Bezirksvorstehers eine andere Empfehlung gab als die CDU-Fraktion im Bezirksbeirat.
Archiv Kai MüllerVaihingen - Fast ein Vierteljahrhundert ist Jörg Schrempf Mitglied in der CDU gewesen. Nun hat er einen Schlussstrich gezogen. „Mein Engagement und mein Wirken im Bezirksbeirat wird von den CDU-Stadträten ignoriert und scheinbar nicht gewünscht“, sagt er. Für diese Stadträte wolle er bei den nächsten Kommunalwahlen keinen Wahlkampf machen. Er geht sogar noch weiter: „Ich bin der Meinung, dass die Vaihinger Bürger überlegen sollten, ob sie sich von diesen Stadträten angemessen vertreten fühlen.“
Ausgangspunkt für Schrempfs Wut sind die „unsäglichen Vorgänge bei der Wahl des neuen Bezirksvorstehers“. Wolfgang Meinhardt hat sich zum 31. Mai in die passive Phase seiner Altersteilzeit verabschiedet. Zehn Kandidaten hatten sich für seine Amtsnachfolge beworben. Am 8. März wählte der Gemeinderat Kai Mungenast zum neuen Bezirksvorsteher. Eines schickt Schrempf vorweg: „Ich bin sicher, dass Herr Mungenast ein guter Bezirksvorsteher wird, der alle Herausforderungen meistert, und ich wünsche ihm viel Glück in seinem neuen Amt.“
Die Probeabstimmung im Bezirksbeirat fiel denkbar knapp aus
Dennoch, sagt Schrempf, habe die CDU im Bezirksbeirat einen anderen Favoriten gehabt. Von den ursprünglich zehn Kandidaten hatten sich vier in nicht öffentlicher Sitzung dem Gremium vorgestellt. Zwei der Kandidaten bekamen keine Stimmen. Die anderen beiden Bewerber lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Probeabstimmung fiel mit acht zu sieben Voten knapp und nicht zu Mungenasts Gunsten aus. Auch die fünf CDU-Bezirksbeiräte sprachen sich für den Gegenkandidaten aus.
Zwei Tage später fiel die Entscheidung im Gemeinderat. Die beiden Kandidaten, die im Bezirksbeirat Stimmen bekommen hatten, stellten sich noch einmal vor. Die Entscheidung fiel auf Kai Mungenast. „Der Gemeinderat hat den Bezirksbeirat niedergestimmt“, konstatiert Schrempf. Besonders aber ärgert ihn, dass wohl die meisten CDU-Stadträte für Mungenast stimmten, obwohl die CDU-Fraktion im Bezirksbeirat geschlossen für den Gegenkandidaten war. „Es gibt ungeschriebene Regeln, die man einhält. Die CDU-Fraktion im Gemeinderat hätte der CDU-Fraktion im Bezirksbeirat folgen sollen“, findet Schrempf.
Wer wie im Gemeinderat gestimmt hat, weiß er freilich nicht, denn der Bezirksvorsteher wurde in geheimer Wahl gewählt. Doch er weiß, dass Jürgen Sauer als CDU-Betreuungsstadtrat die Argumente der CDU-Bezirksbeiräte für den Gegenkandidaten wohl an seine Fraktionskollegen weitergegeben hat. Sauer selbst hat sich aber letztlich für Mungenast ausgesprochen.
Was hat der Gemeinderat für Vaihingen übrig?
Das bestätigt der Stadtrat. „Mir war bekannt, wie sich die CDU-Fraktion im Bezirksbeirat positioniert hat. Für mich war das eine Empfehlung, die mich in meiner Urteilsfindung zwar beeinflusst hat, der ich aber letztlich nicht gefolgt bin. Ich kann Herrn Schrempfs Enttäuschung verstehen, bitte aber auch meinerseits um Verständnis für meine Einschätzung. Es kommt selten genug vor, dass ich anderer Meinung bin als meine Bezirksbeiratsfraktion“, sagt er. Das sieht Schrempf ganz anders. Er sagt: „Dieses Vorgehen spiegelt insgesamt wider, was der Gemeinderat für Vaihingen übrig hat.“
Sauer betont, dass das Rennen zwischen den beiden Kandidaten bis zuletzt offen gewesen sei. „Es war eine Wimpernschlagentscheidung.“ Dass Schrempf das Thema publik mache und damit noch einmal aufwärme, finde er schade und unnötig. Schrempf hat sich für die Öffentlichkeit entschieden, weil „es mich geärgert hat, dass nach 24 Jahren CDU-Mitgliedschaft niemand aus dem Kreisverband gefragt hat, warum ich ausgetreten bin.“ Indes seien die Mitglieder der CDU-Bezirksgruppe betroffen gewesen, sagt Schrempf. Er informierte diese vor Kurzem auf einer Vorstandssitzung. Eigentlich wollte er seinen Posten als Bezirksbeirat niederlegen. Aber der Ortsvorstand habe ihn gebeten, im Gremium zu bleiben, und bei einer von ihm geforderten Abstimmung ohne Ausnahme dafür votiert. „Darum werde ich bis zum Ende der Legislaturperiode weitermachen“, sagt Schrempf. Mit Mungenast werde er in der Sache zusammenarbeiten, um das Beste für Vaihingen zu erreichen. „Ich habe keine Ressentiments, sonst wäre ich nicht geblieben“, sagt Schrempf. Auch mit Sauer sei er im Reinen. Dieser betont: „Herr Schrempf und ich haben nach wie vor ein freundschaftliches Verhältnis.“
