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: Stuttgarts Abrissjahre

1993, 1996 und 2013 – nie wurden in Stuttgart seit abrufbaren Aufzeichnungen mehr Gebäude abgerissen als in diesen Jahren. Was war damals los und über welche Abrisse stritt die Stadt? Wir blicken zurück auf die drei Abrissjahre Stuttgarts.
Von
Jana Gäng
Stuttgart
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  • Marienstraße 50, Auferstehungskirche, Südmilch-Gebäude und P10-Parkhaus sind Abrisse, über die Stuttgart diskutierte.

    Archiv/Thomas Hörner / Bulgrin / Wittmann / Kraufmann / Collage: Jana Gäng
  • Bis vor das Bundesverfassungsgericht zog ein pensionierter Lehrer im Kampf um ein Haus in der Sängerstraße 4. Das sollte im Zuge des Stuttgart-21-Projekts für den Bau des Fildertunnels abgerissen werden, der Verbindung zwischen Hauptbahnhof und künftigem Flughafenbahnhof. Der Lehrer unterlag. Im Oktober 2013 begann der Abriss des Hauses.

    Foto: Michael Steinert/Archiv
  • Ein Kapitel Straßenbahngeschichte ging 2013 in Zuffenhausen zu Ende. Dort wurden die ehemaligen SSB-Museumshallen an der Strohgäustraße abgerissen. Die Firma Porsche baute auf dem Gelände ein neues Ausbildungszentrum.

    Archiv
  • Endgültig scheiterte 2013 der Kampf um die Auferstehungskirche im Gerberviertel. Der im Krieg schwer beschädigte Bau aus dem Jahr 1879 war nach seinem Wiederaufbau nicht mehr als schutzwürdig eingestuft worden. Im März 2013 begann der Abriss der evangelisch-methodistischen Kirche - „eine Katastrophe“ für den Geschäftsmann und privaten Denkmalschützer Peter Seydelmann. „Stuttgart gleich immer mehr einer amerikanischen Tabantenstadt“, kritisierte er damals. Das leere Grundstück verkaufte die Kirchengemeinde an die Württembergische, die zu dieser Zeit nebenan das Gerber-Einkaufszentrum baute. Zuvor hatte die Kirchengemeinde mehrfach Einwendungen gegen das Vorhaben eingelegt. Einbeziehen durfte die Württembergische Lebensversicherung das Kirchen-Grundstück in ihr Einkaufszentrum aber nicht.

    Wittmann/Archiv
  • Anstelle der Kirche steht in der Sophienstraße heute dieses Gebäude.

    Jana Gäng/
  • Am Stuttgarter Flughafen begann 2013 der Abriss des Parkhauses P10. Das Vorhaben sollte Platz schaffen für einen teuren Neubau: 133 Millionen Euro wolle sich die Unternehmensberatung Ernst & Young ihre neue Zentrale mit mehr als 1500 Mitarbeitern kosten lassen, hieß es damals.

    Archiv/Bulgrin
  • Ein Großprojekt schritt 2013 mit dem vom Kaufhaus Breuninger geplanten Dorotheen-Quartier am Karlsplatz voran. Dafür wurden drei Häuser in der Holzstraße und eines in der Sporerstraße abgerissen. Das auf dem Foto abgebildete ehemalige Innenministerium fiel ein Jahr später.

    Pfotodesign/Leif Piechowski/Archiv
  • Einst war das Firmengelände von Südmilch an der Nordbahnhofstraße die größte Molkerei Deutschlands. 1993 wurde entschieden, die alten Gewölbekeller unter dem Gelände abzureißen. Ein Jahr später fielen auch die Fabrikgebäude. Später eröffnete hier das Kino Ufa-Palast (seit 2020 geschlossen), Wohn- und Bürogebäude wurden gebaut und die Agentur für Arbeit ließ sich an der Ecke Rosensteinstraße nieder.

    Kraufmann/Archiv
  • Einst hatte am Wilhelmsplatz das Jugendamt seinen Sitz – wie hier auf dem Foto von 1991 zu sehen. Das wurde 1993 aber abgerissen. Eine „Verschandelung des Stadtbildes“ nannten Kritiker den Neubau-Plan der Deutschen Herold...

    Archiv/Kraufmann , Hörner
  • ... nämlich ein 50 Meter hohes Bürogebäude. Auch das Umweltamt sorgte sich, weil das Gebäude in die Frischluftschneise Stuttgarts hinein geplant werde. Genehmigt wurde es trotzdem.

    Jana Gäng/
  • Teil des Bauvorhabens der Deutschen Herold in den 90ern war es auch, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude Wilhelmsplatz 10 nach Originalplänen aus dem Jahr 1898 wiederaufzubauen.

    Jana Gäng/
  • Diskutiert wurde 1996 der Abriss eines Hauses im Vaihinger Knappenweg 31, einst Wohnsitz des Verlegers Dieter Keller. Das Haus hatte besondere innere Werte vorzuweisen: Das 1940 entstandene und denkmalgeschützte Wandbild „Familie“ des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer. Das Bild hatte der Künstler im Geheimen gemalt – seine abstrakte Kunst wurde im Nationalsozialismus geächtet, galt als „entartet“. Im Laufe der Zeit drohte es in Vergessenheit zu geraten, spätere Hausbesitzer übermalten das Wandbild gar. Doch als die Besitzerin in den 90er-Jahren das Haus abreißen lassen wollte, schalteten sich Erben, Staatsgalerie und Denkmalschutzbehörden ein. Das Bild wurde von Fachleuten ausgebaut, das Haus im Stuttgarter Knappenweg plattgemacht. Nach einer wahren Odyssee – unter anderem mit Umweg über die Schweiz – ist das Bild seit 2016 in der Stuttgarter Staatsgalerie zu sehen.

    dpa/Daniel Naupold
  • 1996 musste mit der Heilig-Kreuz-Kirche auch im Sommerrain ein Gotteshaus fallen. Diese Kirche wurde aber anders als die Auferstehungskirche durch einen Neubau ersetzt.

    Archiv/Zwey
  • Ein weiteres Denkmal soll 1996 mit der Marienstraße 50 fallen. Gebaut im Jahr 1878 nach den Plänen des Architekten Eugen Albert, ist das Gebäude Musterbeispiel für herrschaftliche Mietshäuser aus der Gründerzeit in Stuttgarts Innenstadt. Innen sei das Gebäude aber in einem so schlechten Zustand gewesen, dass die Denkmalschützer 1996 einem Abriss zustimmten. Zumindest die reiche Fassade solle bei einem Neubau erhalten oder rekonstruiert werden, forderte der damalige Denkmalpfleger. Zwingen konnte er den Bauherren dazu aber nicht...

    Archiv/Thomas Hörner
  • .... und so steht in der Marienstraße 50 heute dieses Gebäude.

    Jana Gäng/
  • Wohl am häufigsten tauchte 1996 in unserer Berichterstattung aber ein geplanter Abriss in Stuttgart-Nord auf: Die Firma Wohnbaustudio wollte eine Villa des Stuttgarter Architekten Georg Stahl in der Parlerstraße 13 abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Eine Bürgerinitiative protestierte, die Architektenkammer setzte sich ein. SPD und Grüne wollten im Gemeinderat mit einer Erhaltungssatzung den Abriss verhindern. Denkmalfachleute sehen dagegen nach einer Besichtigung keine besonderen Gründe, die Villa unter Schutz zu stellen. Im November 1996 entschied die Mehrheit im Gemeinderat inklusive Oberbürgermeister Manfred Rommel gegen die Satzung – auch zugunsten der Planungssicherheit des Investors, wie es in einem Artikel von damals heißt. Das Haus konnte nun eigentlich abgerissen werden. Über seinen weiteren Verbleib wurde nicht mehr berichtet...

    Archiv/
  • ... heute steht dort diese Villa – deren runde Fenster über dem Eingang der Villa auf dem Archiv-Foto ähneln...

    Jana Gäng/
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