Vorfreude in Stuttgart
: 600 Sonnenfinsternis-Gäste an der Sternwarte erwartet

Erst Verdunklung, dann Sternschnuppen: Auf der Uhlandshöhe läuft der Countdown für Eklipse und Perseiden. Die wichtigsten Infos im Überblick.
Von
Michael Bosch,
Michael Maier
Stuttgart
11.08.2026, Bad Wörishofen im Unterallgäu, Sonnenuntergangsstimmung am Ostpark, eine Frau geniesst die Aussicht von einer Bank am Ortsrand der Kneippstadt. Am Mittwoch ist Sonnenfinsternis 12.08.2026, da ist dieser Punkt optimal für die Beobachtung des Himmelsereignisses. 11.08.2026, Bad Wörishofen 11.08.2026, Bad Wörishofen *** August 11, 2026, Bad Wörishofen in the Unterallgäu region, sunset at Ostpark a woman enjoys the view from a bench on the outskirts of the Kneipp town. On Wednesday, August 12, 2026, there will be a solar eclipse, this spot is ideal for observing the celestial event on August 11, 2026, Bad Wörishofen, August 11, 2026, Bad Wörishofen

Psychologie der Massen: Will man die partielle Sonnenfinsternis und den anschließenden Sonnenuntergang in der Menschenmenge genießen oder sich lieber ein ruhiges Plätzchen suchen?

IMAGO/MiS

Happening oder Flop – Hype oder Sensation? Am heutigen Mittwoch, 12. August 2026, schiebt sich der Mond zwischen Sonne und Erde, sodass eine partielle Sonnenfinsternis entsteht. Das Himmelsspektakel ist auch in ganz Baden-Württemberg gut zu sehen. „Dieses Jahr können wir in Stuttgart eine partielle Sonnenfinsternis mit einem Bedeckungsgrad von knapp 90 Prozent beobachten“, sagt Thomas Schulz von der Sternwarte auf der Uhlandshöhe. „Die Helligkeit der Sonne wird deutlich reduziert, aber es wird nicht Nacht oder schummrig dunkel. Die verbleibenden 10 Prozent entsprechen etwa der Helligkeit eines stark bewölkten Tages.“

Zwar gebe es im Jahr weltweit mindestens zwei bis maximal fünf solcher Ereignisse – unterschieden wird zwischen partieller, totaler und ringförmiger Sonnenfinsternis –, „bezogen auf einen bestimmten Ort sind sie jedoch sehr selten“, so Schulz.

Wann ist die Sonnenfinsternis in Stuttgart zu sehen?

Das Happening läuft am Mittwoch, 12. August, kurz vor Sonnenuntergang. Um 19.22 Uhr wird sich der Mond langsam vor die Sonne schieben. Um 20.15 Uhr wird in Stuttgart die maximale Überdeckung erreicht, um 20.43 Uhr geht die Sonne in Stuttgart unter. Dann wird sie immer noch zum teil verdunkelt sein. Das könnte dazu führen, dass spektakuläre Bilder vom Sonnenuntergang entstehen. Die „partielle Phase“ endet um 21.06 Uhr.

Je nachdem, wo man sich im Südwesten aufhält, wird der „Höhepunkt“ der Sonnenfinsternis etwas früher oder später zu beobachten sein. In Freiburg ist die Sonne beispielsweise zwei Minuten später als in Stuttgart maximal verdeckt.

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Wie gut ist die Sonnenfinsternis in Stuttgart zu sehen?

In Baden-Württemberg lässt sich das Ereignis bei freiem Himmel umso besser beobachten, je weiter man sich nach Südwesten begibt“, sagt Thomas Schulz. So seien die Bedingungen beispielsweise in Freiburg oder am Bodensee noch etwas besser als in Stuttgart, „allerdings nur geringfügig“. Zudem verspricht der Wetterbericht bislang optimale Bedingungen in der Landeshauptstadt.

Millionen Menschen können die Sonnenfinsternis in Europa sehen. Der sogenannte Pfad der Totalität – der Streifen auf der Erdoberfläche, auf dem die Sonne komplett verdeckt ist –, verläuft von Grönland über die Westküste Islands nach Nordspanien bis nach Mallorca und den Nachbarinseln.

600 Menschen auf der Uhlandshöhe erwartet

Die Sternwarte öffnet am Mittwoch um 19 Uhr ihre Türen. „Wir rechnen auf der Sternwarte mit sehr vielen Besuchern und entsprechend langen Wartezeiten an den Teleskopen. So werden wir neben unsere Beobachtungsstationen auf der Sternwarte auch weitere, mobile Geräte auf der Uhlandshöhe verteilen und zusätzliche Beobachtungsstationen anbieten“, sagt Schulz. Etwa 600 Menschen werden erwartet, so die Prognose am Mittwochmorgen. Auch eine indirekte Beobachtung mit Projektion auf ein Blatt Papier oder auf eine Leinwand ist über einige der Teleskope möglich. Nach der Sonnenfinsternis kann man dann noch den Meteoritenschwarm der Perseiden beobachten – in Form von Sternschnuppen.

Alternativ zur Sternwarte bieten sich „alle Orte mit freiem Blick nach Westen an. Je höher gelegen, desto besser“, so die Experten der Sternwarte. Interessierte sollten darauf achten, dass keine Bäume, Gebäude oder Berge die Sicht versperren. Auf ihrer Homepage weist die Sternwarte auch daraufhin, dass die Sonne während des Ereignisses nur sehr flach über dem Horizont stehe, und die Beobachtung mit Teleskopen nicht ganz einfach sei.

Thomas Schulz sagt aber: „Viele der eindrucksvollsten Effekte kann man ohne optische Hilfsmittel beobachten. Mit einer zertifizierten Sonnenfinsternisbrille reicht das bloße Auge völlig aus, um zu verfolgen, wie sich der Mond vor die Sonne schiebt.“

Temperaturabfall durch Sonnenfinsternis

Apropos Brille: Wer ungeschützt in die Sonne schaut, riskiert schwere Schäden am Auge. Auch eine verdunkelte Sonne hat noch eine enorme Strahlkraft. Auch Kameras, Ferngläser oder Teleskope können bei falscher Handhabung kaputt gehen. Sie benötigen entsprechende Filter. Dafür werden zumeist spezielle Folien verwendet, diese müssen unbedingt für Sonnenfinsternisse geeignet sein. „Die Verwendung von berußtem Glas ist absolut ungeeignet und riskant“, sagt Schulz.

Unabhängig davon rät er nicht ausschließlich in den Himmel zu starren, eine Sonnenfinsternis wirkt sich nämlich auch auf die Umgebung aus. „Es lohnt sich während des Ereignisses auch, auf die Umwelt zu achten. Wie verhalten sich die Tiere? Kann ich den Temperaturabfall spüren?“, so Schulz.

Zwar sagen Wissenschaftler, dass sich die partielle Sonnenfinsternis womöglich nur wie eine dunkle Wolke anfühlt. Trotzdem glauben die Stuttgarter Enthusiasten, dass der 12. August 2026 in Deutschland mehr als nur ein Hype wird. 90 Grad Verdunklung seien schließlich nicht schlecht. Und bis zur nächsten totalen Sonnenfinsternis in Deutschland müsse man in der Folge dann wirklich sehr lange warten. Nur Jüngere werden das Jahr 2081 überhaupt noch erleben.

Eine Regel unter Astronomen lautet unterdessen: Der Unterschied zwischen einer 99-prozentigen partiellen und einer 100-prozentigen totalen Sonnenfinsternis ist wie der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Erst bei 100 Prozent Abdeckung fällt schlagartig Dunkelheit ein, und die leuchtende Korona der Sonne wird sichtbar. Nicht umsonst haben sich ambitionierte Himmelsbeobachter deswegen auf den Weg nach Spanien gemacht, während andere eher müde mit der Wimper zucken.

Auf Sonnenfinsternis folgt Mondfinsternis

Die letzte Sonnenfinsternis, die die Sonne über dem Südwesten komplett verdeckte, war am 11. August 1999 zu beobachten. Die nächste totale Sonnenfinsternis ist am 3. September 2081 in Deutschland zu bestaunen. Exakt über Stuttgart verfinstert sich die Sonne sogar erst wieder am 14. Juni 2151.

Thomas Schulz hat noch einen Tipp: Am 28. August gibt es eine partielle Mondfinsternis zu beobachten. In diesem Fall tritt der Mond in den Erdschatten ein und die Erde bedeckt die Sonne aus der Perspektive des Mondes. Wer das beobachten möchte, muss früh aufstehen: ab 3.23 Uhr ist es soweit. Dafür geht die Beobachtung dann auch ohne Brille und Menschenmassen.