Sonnenfinsternis sicher beobachten
: Spezialbrillen ausverkauft? Stuttgarter Augenärzte warnen vor Internet-Tipps

Wie schützt man die Augen, wenn man die Sonnenfinsternis anschauen möchte? Was ist bei Kindern zu beachten? Was, wenn man keine Spezialbrille bekommt? Zwei Stuttgarter Augenärzte wissen Rat.
Von
Bettina Hartmann
Stuttgart
Sonnenfinsternis bestaunen? Aber bitte nur mit einer speziellen Schutzbrille!

Wer am Mittwochabend die Sonnenfinsternis beobachten möchte, sollte unbedingt eine geeignete Schutzbrille tragen (Symbolfoto).

Marijan Murat/dpa
  • Beobachtung der Sonnenfinsternis nur mit geprüfter Spezialbrille DIN EN ISO 12312-2.
  • Normale Sonnenbrillen, doppelte Brillen, CDs und ähnliche Tricks sind gefährlich.
  • Risiko: solare Retinopathie mit dauerhaften Sehausfällen, oft ohne sofortige Symptome.
  • Kinder nur unter Aufsicht schützen – Brille muss richtig sitzen; Projektion ist eine Option.
  • Fernglas/Teleskop nur mit Frontfilter nutzen – sonst drohen schnelle, schwere Augenschäden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine partielle Sonnenfinsternis – wer wollte ein derartiges Himmelsspektakel nicht sehen? Zumal es nur selten vorkommt. Beim Beobachten muss man die Augen jedoch unbedingt schützen – sonst kann es zu bleibenden Schäden kommen. Was es am Abend des 12. August 2026, also am Mittwoch, zu beachten gilt, erklären Anne-Kathrin Bunz, Oberärztin an der Stuttgarter Charlottenklinik für Augenheilkunde, und Florian Gekeler, Ärztlicher Direktor der Augenklinik am Klinikum Stuttgart.

Ist es wirklich gefährlich, wenn man bei der Sonnenfinsternis in die Sonne schaut? Selbst wenn man es nur ganz kurz macht? 

Alle Experten raten dringend von einem Blick in die Sonne ab. „Das ist brutal gefährlich und kann zu dauerhaften Schäden in den Augen führen“, sagt Florian Gekeler, der Ärztliche Direktor der Augenklinik am Klinikum Stuttgart. Man müsse also wirklich aufpassen: „Selbst wenn man denkt, man schaut ja gar nicht wirklich rein, sondern an der Sonne vorbei.“ Seine Kollegin Anne-Kathrin Bunz, Oberärztin an der Stuttgarter Charlottenklinik für Augenheilkunde, stimmt ihm zu. „Gerade bei einer Sonnenfinsternis ist das Ereignis so faszinierend, dass man schnell länger hinschaut, als man eigentlich vorhatte. Deshalb sollte man von Anfang an den richtigen Schutz verwenden.“

Wie ist es bei der „normalen“ Sonne? 

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Laut Florian Gekeler sind unsere Augen vor Sonnenstrahlen im Prinzip gut geschützt: „Als biologische Schutzmechanismen dienen das Blinzeln, zudem der sogenannte Lidschutzreflex – und dass unsere Pupillen bei Helligkeit enger werden.“ So verhalte es sich zumindest bei gesunden Menschen. Bei bestimmten Krankheiten oder unter Drogeneinfluss können diese Effekte aber verzögert oder ausgeschaltet sein.

Anne-Kathrin Bunz fügt hinzu, man könne nicht grundsätzlich sagen, wie lange man gefahrlos in die Sonne schauen kann: „Das hängt unter anderem davon ab, wie intensiv und wie lange die Augen der Sonne ausgesetzt sind.“ Grundsätzlich sei ein direkter Blick in die pralle Sonne daher nicht empfehlenswert.

Welche Gefahr besteht beim Blick in die Sonne?

„Beim direkten Blick in die Sonne kann die Netzhaut Schaden nehmen. Besonders empfindlich ist dabei die Makula, also das Zentrum des schärfsten Sehens. Sie brauchen wir zum Beispiel zum Lesen, zum Erkennen von Gesichtern oder für feine Details“, erklärt Anne-Kathrin Bunz. Eine solche Schädigung nenne man solare Retinopathie. „Dabei schädigt energiereiches Licht die Netzhaut durch photochemische Reaktionen. Die lichtempfindlichen Sinneszellen – vor allem die Zapfen im Zentrum der Makula – können absterben oder beschädigt werden“, ergänzt Florian Gekeler. Anne-Kathrin Bunz erklärt das Problem: „Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren. Man merkt also nicht unbedingt, dass man sich gerade das Auge schädigt.“

Anne-Kathrin Bunz, Oberärztin Charlottenklinik Stuttgart, Augenärztin

Anne-Kathrin Bunz ist Oberärztin an der Augenfachklinik Charlottenklinik in Stuttgart.

Charlottenklinik

Welche Folgen können auftreten?

„Es kann zu kleineren Ausfällen beim Sehen kommen, man sieht an bestimmten Stellen zum Beispiel dunkle Flecken“, sagt Florian Gekeler. „Die Folgen können auch verschwommenes oder verzerrtes Sehen sein. Oder es können Veränderungen beim Farbsehen auftreten.“ Die Schäden seien oft dauerhaft, so die beiden Ärzte. „Eine Behandlung, mit der man die geschädigte Netzhaut einfach wieder reparieren kann, gibt es leider nicht“, warnt Anne-Kathrin Bunz. Auch andere Strukturen des Auges könnten durch intensive UV-Strahlung geschädigt werden. „Die wichtigste und unmittelbarste Gefahr beim direkten Blick in die Sonne ist jedoch die Schädigung der Netzhaut. Deshalb ist Vorbeugung hier besonders wichtig.“

Reicht hier eine normale Sonnenbrille aus?

„Nein“, stellt Anne-Kathrin Bunz klar. „Eine normale Sonnenbrille reicht dafür nicht aus.“ Sie mache das Sonnenlicht zwar dunkler und halte im besten Fall auch UV-Strahlung ab, aber für den direkten Blick in die Sonne sei das nicht genug. „Dafür braucht man eine spezielle Sonnenfinsternisbrille oder einen geeigneten Sonnenfilter.“ Von speziellen Tricks, wie sie im Internet kursieren – etwa zwei Sonnenbrillen auf einmal aufzusetzen oder durch eine CD zu schauen –, sollte man unbedingt absehen: „So etwas bringt überhaupt nichts, außer Gefahr für die Augen“, mahnt Florian Gekeler.

Wie schützen die Spezialbrillen? Und wie müssen diese aussehen?

„Die Brillen haben einen speziellen Filter, der die Strahlung der Sonne sehr stark abschwächt“, erklärt Anne-Kathrin Bunz. Für die direkte Sonnenbeobachtung solle man nur Brillen verwenden, die dafür ausdrücklich vorgesehen sind: „Sie sollte gut sitzen und möglichst wenig Licht von der Seite an das Auge gelangen lassen.“ Zudem müsse sie der DIN EN ISO 12312-2 entsprechen. Dazu rät auch die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).

Und die Brille müsse unbeschädigt sein: „Kratzer, Löcher oder Risse machen den Schutz unzuverlässig. Schon kleine Defekte können gefährlich sein“, so die DOG. Deshalb sollte man die Folie und die Fassung sorgfältig prüfen. „Wichtig ist auch, die Spezialbrille bei einem seriösen Anbieter zu kaufen“, empfiehlt Anne-Kathrin Bunz. „Die Brille sollte schon aufgesetzt sein, bevor man in Richtung Sonne schaut. Man sollte also nicht erst kurz ungeschützt in die Sonne schauen und dann die Brille aufsetzen.“

 Florian Gekeler ist Ärztlicher Dorektor an der Augenklinik am Klinikum Stuttgart.

Florian Gekeler ist Ärztlicher Direktor an der Augenklinik am Klinikum Stuttgart.

Klinikum Stuttgart

Was muss man bei Kindern beachten?

„Bei Kindern würde ich besonders darauf achten, dass sie beim Beobachten nicht allein sind“, so Bunz. „Eine Sonnenfinsternisbrille schützt nur, wenn sie richtig sitzt und auch vor den Augen bleibt.“ Gerade kleinere Kinder nehmen die Brille möglicherweise zwischendurch ab, sie kann verrutschen oder sie schauen seitlich daran vorbei. Deshalb sollten Eltern die Kinder dabei begleiten und darauf achten, dass die Brille korrekt getragen wird. Für jüngere Kinder kann auch eine indirekte Beobachtung, zum Beispiel über eine Projektion, eine gute Möglichkeit sein. So können sie die Sonnenfinsternis erleben, ohne direkt in die Sonne schauen zu müssen.

Hat man nach dem Blick in die Sonne sofort Symptome?

„Die Beschwerden müssen nicht unmittelbar auftreten. Es kann auch einige Stunden oder Tage dauern, bis man etwas bemerkt“, sagt Anne-Kathrin Bunz. Wer nach einer Sonnenbeobachtung solche Veränderungen feststellt, sollte zur Augenärztin oder zum Augenarzt gehen – oder in die Augenklinik kommen, empfehlen die beiden Mediziner.

Dort könne man untersuchen, ob die Netzhaut geschädigt wurde und wie stark. „Wir hatten in der Augenklinik auch bei der Sonnenfinsternis 1999 einige Patienten“, erzählt der Augenarzt Gekeler. Auch für dieses Mal rechnet er mit Verletzten. Besondere Vorkehrungen treffe die Klinik aber nicht: „Das ist nicht nötig. Unser Notdienst wird mit drei, vier zusätzlichen Patienten zurechtkommen.“

Kann man die Sonnenfinsternis auch anders beobachten – etwa mit dem Smartphone, einer Kamera, mit Fernglas oder auch durch ein Teleskop?

Mit einem Smartphone oder einer Kamera kann man die Sonnenfinsternis fotografieren“, sagt die Augenärztin Bunz. „Dafür braucht man aber einen geeigneten Sonnenfilter, der für das jeweilige Gerät vorgesehen ist.“ Bei Ferngläsern und Teleskopen hingegen muss man besonders vorsichtig sein: „Selbst eine Sonnenfinsternisbrille hinter einem Fernglas oder Teleskop schützt nicht. Durch die Optik wird das Sonnenlicht gebündelt. Ein Filter hinter dem Gerät kann dadurch beschädigt und das Auge in sehr kurzer Zeit schwer geschädigt werden.“ Stattdessen müsse der Sonnenfilter vorn an der Optik sitzen, also dort, wo das Sonnenlicht zuerst in das Fernglas oder Teleskop hineinkommt.

Welche Alternativen gibt es zu den speziellen Sonnenfinsternisbrillen?

Sollten Sonnenfinsternis-Brillen ausverkauft sein, rät die DOG zu sicheren Alternativen – etwa zur indirekten Beobachtung mittels einer Lochkamera, bei der man nicht unmittelbar auf die Sonne schaut, sondern nur das Abbild der Sonne betrachtet. „Eine Lochkamera lässt sich mit wenigen Handgriffen selbst bauen“, so die DOG. Anleitungen bieten etwa das Bundesamt für Strahlenschutz sowie die Stiftung Planetarium Berlin an

Kann man die Sonnenfinsternisbrillen wiederverwenden?

„Ja, grundsätzlich schon“, sagt die Augenexpertin Bunz. „Geeignete Sonnenfinsternisbrillen können mehrfach verwendet werden, wenn der Hersteller sie dafür vorgesehen hat und der Filter noch vollständig intakt ist.“ Vor dem Gebrauch sollte man sie aber unbedingt kurz auf Unversehrtheit kontrollieren.