Ralf Jakumeit: Hier rockt der Chef noch selbst den Grill

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Stuttgarter NachrichtenStuttgart - Ganz oder gar nicht. Wo Ralf Jakumeit draufsteht, da steht der Koch auch persönlich am Grill. Oder am Herd. Je nachdem. Das Dilemma: So ganz kann und will der Catering-Chef nicht weg von seinem Grill, der Hydra. Ganz ohne feste Küche will er aber auch nicht mehr sein. Die Lösung präsentiert der gebürtige Bayer im Herbst in Stuttgart.
An einem kühlen Samstagabend im Juli frösteln die Gäste in der Gloriapassage vor dem Café le Thé×tre. Ralf Jakumeit steht an der Hydra, seinem monströsen 300-Kilo-Grill aus Edelstahl, rührt die Paella, schneidet hauchdünne Scheiben vom luftgetrockneten Schinken ab, den er mit Bohnencreme und Chorizo-Spießen serviert. Im Planschbecken dümpelt der Babyleaf-Salat vor sich hin. Beim Open-Air-Kino kommt der Film von Woody Allen, das dazu passende Essen von Ralf Jakumeit.
"Ich vermisse den Stress"
"Ich dachte nicht, dass die Hydra so einschlägt", sagt er. Nach sieben Monaten Dauereinsatz rockt der Grill noch immer, und so wird und will der TV-Koch auch in Zukunft weiter am Rost stehen.
Zwei Jahre ist es her, dass sich der kulinarische Ziehsohn von Sternekoch Armin Karrer mit seinem Catering- und Eventservice "Rocking Chefs" selbstständig gemacht hat. Am Grill fehlt ihm etwas. "Ich vermisse den Stress, den Kick." Sich 14 Stunden mit den Kollegen in einer Restaurantküche auspowern, danach in einen Stuhl sinken und ein zufriedenes Lächeln in den Gesichtern der Gäste sehen - "das ist geil". Beim Grillen sei die Wertschätzung nicht ganz so hoch. "Das kann ja jeder."
Die Grillzange aus der Hand zu geben, um ein eigenes Restaurant zu eröffnen, kommt für den 37-Jährigen trotzdem ebenso wenig in Frage wie ein Lokal unter seinem Namen zu eröffnen und die Küche dann anderen zu überlassen. "Dieser Kritik will ich mich nicht aussetzen." Wo Jakumeit dransteht, steht Jakumeit am Herd.
Hier rockt der Chef noch selber. Doch die Lösung seines kulinarisch-zeitlichen Problems ist gefunden: Im Herbst eröffnet der Straubinger eine Kochschule in Stuttgart, kombiniert mit einem Supper-Club. "An zwei bis drei Tagen pro Woche können sich Gruppen anmelden und werden dann von mir bekocht." Die Location steht schon fest, der gebürtige Bayer wird seiner schwäbischen Wahlheimat weiterhin treu bleiben. "Stuttgart rockt! Nirgendwo bin ich so aufgenommen worden wie hier." Nach Nordrhein-Westfalen etwa würde er nie wieder gehen, wobei er flugs Düsseldorf und Köln ausklammert, "da hab ich mich immer sehr wohl gefühlt. Ich habe aber ein Problem damit, wenn mich der Türsteher mit Migrationshintergrund nicht in die Disco lässt, weil ich Bayer bin." In Stuttgart sei er noch nirgendwo abgewiesen worden, seit er vor elf Jahren als Sous Chef im Sterne Restaurant "Webers Gourmet im Turm" anheuerte.
Zuvor kochten er und Armin Karrer gemeinsam in der Nürtinger Ulrichshöhe. "Der Ösi und der Bayer. Die Zeit war cool, danach hatte ich einen Namen, war der Held im Erdbeerfeld." Die Floskel vom jungen Wilden mag keiner mehr hören, dennoch bedient man sich ihrer, will man Ralf Jakumeit beschreiben. Einst lässt er sich per Helikopter nach Eckernförde bringen, seilt sich ab und kocht auf einem U-Boot. "Drei Stunden arbeiten, 30 Minuten schlafen. Den Laden schmeißt man alleine. Zweieinhalb Tage habe ich das gemacht, dann war's aber auch gut", sagt der ausgebildete U-Boot-Koch grinsend.
Sachertorte für Metallica
Heute bruzzelt er in Fernsehsendungen mit Zacherl und Co., und im Web mit Moderatorin Ruth Moschner um die Wette. Als Tour-Caterer bekocht er Bands, backt Sachertorte für Metallica in Form von kleinen Särgen. "Für Bandcaterings lass ich alles andere stehen." Jakumeit ist Heavy-Metal-Fan, trägt Bart, lange Haare, Ohrringe, Tattoos. "Köche rocken die Welt!" steht auf seinem linken Arm. Sein Lieblingsmesser und essbare Blüten werden hinzukommen, auf dem Rücken kann man irgendwann sein Lieblingsrezept nachlesen: Rouladen mit Spätzle.
Unter der Brust will er sich die Anfangstakte eines Metallica-Songs stechen lassen. "You rise, you fall, you're down, then you rise again. What don't kill you make you more strong", heißt es da. Du steigst auf, du fällst, du bist unten und dann steigst du wieder auf. Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter. Das gilt auch für Ralf Jakumeit. "In der Schule habe ich verbale Prügel bezogen, wurde ausgelacht, weil ich Koch werden wollte. Heute bin ich es, der lacht."