Queere Partys in Stuttgart: Fame feiert 15. Geburtstag – und wann öffnet der Kings Club?

Die Partyreihe Fame feiert am Samstag den 15. Geburtstag im Proton in Stuttgart.
/FameÜber 40 Jahre lang war ein tiefroter Keller an der Gymnasiumstraße der Anlaufpunkt für mehrere Generationen von Schwulen in Stuttgart – und auch für prominente Gäste. Wenn Freddie Mercury auf Tour war, schaute der Queen-Sänger immer mal wieder im Kings Club vorbei, woran sich Wirtin Laura Halding-Hoppenheit gern erinnert: „Freddie sah gut aus, war zurückhaltend. Zum Glück gab’s keine Handys. Hätte man damals Fotos gepostet, Freddie hätte keine Ruhe gehabt.“
Seit 2019 ist eine der ältesten Gay-Discos von Deutschland geschlossen. Die Wirtin erklärte damals, also schon vor der Pandemie, die maroden Räume müssten saniert werden. Für die jetzt ausgestrahlte RTL-2-Doku „Herr Glööckler sucht das Glück“ führt die gebürtige Rumänin mit den feuerroten Haaren den Designer in den nicht genutzten, schon lange hermetisch abgeschlossenen Kings Club, in dem er in jungen Jahren viel erlebt hat.
Vieles sieht in dem roten Keller so aus wie früher. Halding-Hoppenheit versichert vor der Kamera, dass sie weiterhin plane, das „Wohnzimmer“ vieler Schwulen wieder aufzumachen. Vor einem Jahr hatte sie bereits die Rettung dank neuer Investoren verkündet. Doch seitdem geschah nichts.

Laura Halding-Hoppenheit führte über Jahrzehnte den Kings Club in Stuttgart.
Foto: Lichtgut/Julian RettigDie Wirtin will den Kings Club weiterhin neu eröffnen
In der Community glaubt kaum noch jemand an das Comeback des KC. Der Annahme, ihr Club sei endgültig Vergangenheit, widerspricht Laura Halding-Hoppenheit auf Anfrage unserer Redaktion. Zwar seien die beiden Investoren vom vergangenen Jahr inzwischen abgesprungen, doch sie habe mit einem neuen Geldgeber („er hat nichts mit der Community zu tun“) nun einen Vorvertrag zur Neueröffnung unterschrieben. Mit der Erbengemeinschaft, den Besitzern des Hauses, sei vereinbart, dass bis zum Neustart keine Miete bezahlt werden muss. „Wir müssen einiges für den Brandschutz sanieren, aber das Meiste bleibt, so wie es ist“, betont die Wirtin.
„Wir gründen eine GmbH“, sagt die 81-Jährige, „den Namen Kings Club habe ich mir schützen lassen.“ Künftig werde sie nur selten vor Ort sein, weil sie sich um ihren Mann, den 89-jährigen Künstler Peter Jacobi, kümmern müsse. Aber es werde auf jeden Fall mit einem jungen Team weitergehen. Etliche Anfragen von Stuttgarter Veranstaltern, die Kings-Club-Revivals-Partys an anderen Orten feiern wollten, also mit dem Namen einer Legende, habe sie abgelehnt. „KC-Partys gibt es nur im KC“, versichert die Stadträtin, die von der Linken zu den Freien Wählern gewechselt ist.
Auch ohne Kings Club ist Stuttgarts Gay-Szene nicht heimatlos
Auch wenn die Stuttgarter Gay-Szene seit fünf Jahren auf ihren einstigen Stammclub verzichten muss, ist sie nicht heimatlos. Ein Treffpunkt sind unter anderem die beliebten Partys mit dem Namen Fame, die an wechselnden Orten stattfinden. Am kommenden Samstag, 23 Uhr, feiert die Reihe ihren 15. Geburtstag auf zwei Dancefloors im Proton an der Königstraße 49 unter dem Modehaus C & A. Es gibt noch Karten.
„Was als einmalige Party-Idee begann, ist heute die mit Abstand erfolgreichste Gay-Partyreihe in Süddeutschland“, sagt Gründer Felix Horsch, der in der dritten Generation ein Schuhunternehmen führt, das sich auf Übergrößen spezialisiert hat.
Alles fing damit an, dass er vor 15 Jahren im damaligen N-Pir im Industriegebiet von Feuerbach eine Gay-Party veranstaltete, die nur ein einmaliges Vergnügen bleiben sollte und voll einschlug. „Die Besucherzahl war vierstellig“, erzählt Horsch, „vor dem Eingang war eine Riesenschlange.“ Zunächst habe er bedauert, dass so viele wieder gehen mussten, weil es keinen Platz mehr drinnen gab. „Doch dann hat man mir gesagt, ist doch gut, wenn 100 umdrehen und wütend rumerzählen, dass sie nicht zur Fame reindurften“, sagt der Gründer. So sprach es sich in der Zeit vor Social Media rasch herum, dass es eine Party gibt, die die Massen anzieht.
Einen Darkroom gibt es bei Fame „natürlich nicht“
Fame heißt Ruhm. Die Gäste sollen sich gut fühlen, vielleicht sogar ruhmreich. „Fame steht für Glamour, Leidenschaft und eine perfekte Partynacht“, erklärt Horsch, „bei uns ist alles stimmig – vom Licht bis zur Performance.“ Die Zielgruppe seien vor allem jüngere, schicke Gays, die zum Teil von weither anreisten und von denen etliche noch nicht geoutet seien. Auf den Flyern sieht man muskulöse und makellose Kerle, die nicht viel mehr als goldene Shorts tragen. Einen Darkroom gibt es beim Fame-Macher „natürlich nicht“. Auch den Trend, Partys mit dem Label „Sexpositiv“ zu versehen, macht er nicht mit.
Felix Horsch will niemals den Kings Club übernehmen, sagt er, auch wenn die Wirtin ihm dies anbieten würde. Sein Konzept sind wechselnde Locations für die Fame-Partys, auch in München, Ulm und im Allgäu. Dafür hat er ein Team aus Freelancern aufgebaut. Das Interesse der Clubs an einer Zusammenarbeit sei groß, sagt er, „weil der Pro-Kopf-Umsatz von Schwulen deutlich höher ist als bei einem Hetero-Publikum“. Gays würden Longdrinks bevorzugen, mit denen Barbetreiber das meiste Geld machten.